Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Interview – Stellvertretender Schulleiter Rudolf Ritter über die schwierige Situation

Rauch, Ruß und Schadstoffe: Die Traunsteiner Berufsschule I kämpft mit den Brandfolgen

Studiendirektor Rudolf Ritter zeigt auf die verrußte Schulfassade, darunter befindet sich die Tiefgarage, in der es gebrannt hat.
+
Studiendirektor Rudolf Ritter zeigt auf die verrußte Schulfassade, darunter befindet sich die Tiefgarage, in der es gebrannt hat.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
    schließen

Seit Wochen harren die meisten Traunsteiner Berufsschüler im Homeschooling aus. Dieses Mal liegt das allerdings nicht an Corona, sondern an einem Brand der Berufsschule I kurz vor der Weihnachtsferien nachts in der Tiefgarage am Nordflügel. Wie geht es jetzt weiter?

Gibt es schon einen Termin, wann die Berufsschule I wieder voll genutzt werden kann?

Rudolf Ritter: Man kann das nicht abschätzen. Immer wieder sind neue Reinigungs- und Sanierungsarbeiten notwendig.

Warum ist die Reinigung so aufwändig?

Ritter: Im Schulhaus haben sich nicht nur Rauch und Ruß ausgebreitet, sondern auch Schadstoffe. Das kommt vom Kunststoff, der gebrannt hat. Wir brauchen immer erst die Freigabe eines Klassenzimmers vom Gutachter. Es finden laufend Abstimmungsgespräche mit dem Landratsamt, der Schulleitung und der Fachfirma statt.

Wie groß ist die Schule und wie viel von der Fläche können Sie aktuell nutzen?

Ritter: Momentan können wir von den rund 12 000 Quadratmetern Schulfläche etwa ein Drittel nutzen, viele Räume sind noch gesperrt. Wir hoffen, dass nach den Faschingsferien weitere Räume aufgemacht werden können. Der Mitteltrakt wird Zug um Zug gereinigt. Der Nordflügel und die Werkstätten sind gesperrt – das ist das, was am meisten weh tut.

Ist der Brand erst so spät bemerkt worden, dass der Schaden so groß ist?

Ritter: Nein, es ging eigentlich alles sehr schnell, weil der Brandmelder nur 15 Meter von der Brandstelle entfernt war und sofort ausgelöst hat. Die Feuerwehr war innerhalb weniger Minuten da. Der Rauch ist von der Stelzengarage – so nennen wir sie – über den Eingang ins ganze Haus gezogen.

Der Neubau der Berufsschule war schon vor dem Brand beschlossene Sache, doch stehen die Planungen ganz am A

Wie viele Schüler können momentan die Berufsschule I in Präsenz besuchen?

Ritter: Von unseren insgesamt 2200 Schülern sind normalerweise pro Tag etwa 750 anwesend. Aktuell können 250 Schüler kommen, wir haben dann 500 im Distanzunterricht. Für die Schüler vom Berufsgrundschuljahr (BGJ) sind wir für die praktische Ausbildung in der Bauhalle zusammengerückt. Die Grundfertigkeiten zu erlernen ist ganz wichtig. Sie sind zwei Tage die Woche in der Praxis vor Ort, Theorie findet online statt.

Gott sei Dank haben die Schulen inzwischen Erfahrung mit Online-Unterricht ...

Ritter: Das stimmt. Durch unsere Erfahrungen mit Corona konnten wir schnell umstellen und entscheiden, welche Unterricht im Distanzunterricht Sinn machen. Bei den fachpraktischen Inhalten haben wir uns überlegt, wie wir Dinge veranschaulichen können, ohne an der Maschine stehen zu müssen. Der Großteil der Lerninhalte war jetzt schon digital vorhanden, Kollegen haben Lehrfilme erstellt. Fachlehrer erteilen den Berufsschülern Aufträge, die sie in ihren Betrieben abarbeiten können und der Lehrer betreut und begleitet sie dabei über eine Videoschaltung. Zum Glück machen die Firmen da mit. Fachpraktische Inhalte, die für Prüfungen relevant sind, schieben wir so weit wie möglich nach hinten und jonglieren mit den Lehrplänen.

Von der Straße her ist der Berufsschule I in Traunstein der Schaden nicht anzusehen.

Noch einmal zurück zu den Werkstätten an der Schule: Wann können die wieder genutzt werden?

Ritter: Wir wissen nicht, ob sie auf lange Sicht ausfallen. Falls das weit bis nach Fasching dauert, müssen wir andere Schulen, Bildungseinrichtungen und Betriebe kontaktieren und um Unterstützung bitten. Wir haben auch schon Angebote bekommen, aber das wäre ein sehr hoher organisatorischer Aufwand, darum haben wir das bis jetzt noch nicht in Anspruch genommen. Da geht es um Schülerbeförderung, um die Einweisung der Lehrer an den Maschinen in den Firmen, um die Dauer der Nutzung und so weiter. Die Küchen und Backstuben können seit 7. Februar wieder genutzt werden, das hat etwas Druck herausgenommen. Einige Unterrichtsstunden halten wird bei anderen Bildungsträgern ab, zu Beispiel die Malerklassen im Bildungszentrum Traunstein. Die Praxis für die Auszubildenden geht in den Betrieben ganz normal weiter, es geht also jetzt nicht alles den Bach hinunter.

Wie sieht es momentan aus mit Leistungsnachweisen?

Ritter: Wir haben Prüfungsräume, die über ein System gebucht werden können und die Berufsschüler kommen dann tageweise in die Schule. Und auch die schriftlichen Zwischen- und Abschlussprüfungen können weitgehend in der Schule stattfinden, im Januar konnten alle geschrieben werden.

Rudolf Ritter lobt das gesamte Kollegium und die Hausmeister für ihren Einsatz in der aktuell schwierigen Situation.

Wie geht es jetzt weiter?

Ritter: Wir stehen mit allen Sinnen auf Hab-Acht-Stellung und sind gerade an einem Punkt, an dem sich entscheidet, wie es die nächsten Wochen weitergeht. Leider fehlt uns eine langfristige Planungsmöglichkeit. Wir versuchen auf Entscheidungen schnell zu reagieren und zu schauen, was am Besten für die Schüler ist. Momentan leben wir von Tag zu Tag. Die Kollegen leisten trotz der Mehrbelastung hervorragende Arbeit, das Landratsamt ist laufend im Haus und unterstützt uns, die Hausmeister sind immer parat und mit im Boot. Im Zusammenspiel mit Schulleitung, dem Schulleitungsteam und Sekretariat sind wir eine schlagkräftige Mannschaft, die die Situation meistert.

Die Lehrberufe:

Die Staatliche Berufsschule I in Traunstein ist im Rahmen der dualen Ausbildung Partner für Lehrlinge aus den Branchen Metalltechnik, Elektrotechnik, Bau-, Holz- und Farbtechnik sowie Ernährung. Beispiele für Berufe sind Koch, Bäcker, Hotelfachmann, Tischler, Zimmerer, Bauten- und Objektbeschichter, Maler und Lackierer, Elektroniker für Betriebstechnik, Fachinformatiker in der Anwendungsentwicklung, IT-Systemelektroniker, Anlagenmechaniker, Industriemechaniker, Klempner und Metallbauer.

Mehr zum Thema