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BÄUME BLIEBEN STEHEN

Rätselraten um verlassene Biberburg an der Prienmündung

Jürgen Pohl kontrolliert am Mühlbach eine sogenannte Drahthose. Mit diesem Schutz wird verhindert, dass die Biber allzu große Bäume annagen und zu Fall bringen.
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Jürgen Pohl kontrolliert am Mühlbach eine sogenannte Drahthose. Mit diesem Schutz wird verhindert, dass die Biber allzu große Bäume annagen und zu Fall bringen.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Prien/Rimsting – In den vergangenen Jahren haben die Biber der Burg an der Prienmündung die Landschaft verändert. Jeden Winter fielen einige Bäume. Heuer aber nicht. Weiß der Biberberater des Landkreises Rosenheim, was mit den Nagern los ist? Die Chiemgau-Zeitung hat mit Jürgen Pohl gesprochen.

Haben Sie eine Erklärung, sind die Biber dort ausgezogen?

Jürgen Pohl: Ja, es ist schon einigen Menschen aufgefallen, dass die Biber in dem Bereich weniger aktiv sind. Natürliche Gründe dafür gäbe es sicher einige: Der natürliche Lebenszyklus der Biber, die in der freien Natur bis zu zwölf Jahre alt werden, oder die Hoch-/und Niedrigwasserstände 2020: wenn die Zugänge zur Biberburg zu lange trocken liegen oder zu oft überschwemmt werden.

Auch die Verlagerung des Reviers wegen Nahrungsschwund oder Störungen ist denkbar. Es kann auch andere, unnatürliche Gründe haben, dass die Biber dort nicht mehr aktiv sind: Krankheiten, Unfälle oder verbotene Nachstellung.

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Was wird aus einer solchen Burg, wenn sie wirklich verlassen ist?

Pohl: Kommt darauf an, warum die Nager dort nicht mehr aktiv sind. Grundsätzlich haben Biber in ihren Revieren immer mehrere Behausungen (Burgen oder Bauten im Ufer). Die Burg kann vielleicht nur temporär leer stehen, weil die Biber im Ausweichquartier sind. Es besteht auch die Möglichkeit, dass wenn die nächste Generation Biber am Wandern ist, die Burg gleich wieder besetzt wird, sofern der Eigentümer dieses Revier nicht selbst nutzt.

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Kritik gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder wegen der massiven Veränderungen im Bereich der Prienmündung durch die Biber. Was halten Sie dem entgegen?

Pohl: Die Veränderung (für uns Menschen) fand nur in der optischen Wahrnehmung und im emotionalen Empfinden statt, für die Natur ist es ein ganz normaler Vorgang. Es gab dort keinen wirtschaftlichen Schaden, nur eine Veränderung, die wir Menschen in dieser natürlichen Form nicht mehr gewohnt sind.

Wenn man sich den Spitz zwischen der Prien und dem Greamandlweiher anschaut, ist er jetzt viel variationsreicher und vielfältiger. Vorher waren dort nur Weichhölzer, zum Beispiel Weiden, und im Unterholz Schilf und Brombeeren. Jetzt sieht man wieder blühende Flora und dichte Vegetation, wo sich Brutvögel, Insekten, usw. aufhalten.

Diese neue Biberburg ist kürzlich unweit der alten, großen Burg an der Prienmündung entstanden. Ob die Bewohner umgezogen oder neu zugezogen sind, ist nicht bekannt.

Wo in Prien und den Nachbargemeinden sind denn inzwischen überall Biber aktiv oder sogar heimisch?

Pohl: Am Chiemsee sind etwa acht Reviere aktiv, viel mehr lässt die Region auch nicht zu, weil die Reviere eine Mindestgröße haben müssen. Im Bereich von Rimsting, Prien und Bernau sind es vielleicht vier Reviere.

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Auffällig waren die Aktivitäten an der Bernauer Straße im Bereich der Bahnunterführung. Dort hatten Biber die Fahrbahn untergraben. Überrascht Sie das, dass Biber mitten im Ort aktiv sind und sich niederlassen?

Pohl: Nein, wir kennen einige „sehr“ tolerante Biberfamilien, die bauen zum Beispiel direkt an der Bahnlinie, an der Autobahn, unter Straßenbrücken, an und unter Staatsstraßen sowie in stark genutzten Gärten.

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Wie, glauben Sie als Experte, werden sich die Biber in Prien und Umgebung in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausbreiten? Wird es immer mehr Burgen geben?

Pohl: Hm, viel mehr Biberreviere wird es sicher nicht geben, eine Eigenheit der Nager ist die strikte Einhaltung von Reviergrenzen und die Größe ihrer Reviere. Auch sind Biber, anders als andere, vermeintlich höher entwickelte Säugetiere, in der Lage, sich selbst zu regulieren. Bei entsprechender Populationsdichte gibt es keine Reproduktion.

Biberberater kann jeder werden

Biberberater kann theoretisch jeder werden. Grundwissen in biologischen Vorgängen erleichtert die Aufgabe.

Für Interessierte gibt es Kurse, zum Beispiel bei der Bayerischen Akademie für Natur und Landschaftspflege.

Der Priener Jürgen Pohl steht dem Landratsamt Rosenheim als Biberberater) für mehrere Gebiete zur Verfügung, aktuell für Prien, Eggstätt,, Rimsting, Bernau, Gstadt, Chiemsee, Breitbrunn, Frasdorf, Aschau, und, wenn erforderlich, auch Landkreisweit.

Biberberater sind unter anderem zuständig für die Kontrollen von Revieren, Schadensbegutachten/-aufnahme, Aufklärung und Beratung sowie die Durchführung von Präventionsmaßnahmen (Drainagen, Schutzzäune).

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