GEMEINDERAT BERNAU

Räte und Zuhörer verstehen schlecht

Architektonisch zweifellos eine Meisterleistung: der Sitzungssaal des neuen Bernnauer Rathauses. Was den Eindruck allerdings trübt, ist die schlechte Raumakustik.  Berger
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Architektonisch zweifellos eine Meisterleistung: der Sitzungssaal des neuen Bernnauer Rathauses. Was den Eindruck allerdings trübt, ist die schlechte Raumakustik. Berger

Dass Parteien oder politische Gruppierungen sich oftmals schwer tun mit der Kommunikation untereinander oder dem Verständnis füreinander liegt in der Natur der Sache. Wenn aber das Verstehen gewollt ist, weil zum Beispiel ein Gemeinderatsgremium in Beratungen und Diskussionen zum Wohl der Bürger zusammenarbeiten will, das gesprochene Wort aber durch akustische Probleme im Sitzungssaal schwer verständlich wird, dann besteht wohl akuter Handlungsbedarf. Wie jetzt im Bernauer Rathaus – Baujahr 2014.

Bernau –Das Thema stand nicht auf der Agenda der jüngsten Gemeinderatssitzung im Bernauer Rathaus, sondern wurde anfangs von Bürgermeister Philipp Bernhofer als zusätzlicher Tagesordnungspunkt eingeschoben mit der Fragestellung: Was ist zu tun gegen die schlechte Akustik im Sitzungssaal? „Wir haben jetzt seit zwei Jahren den Ärger damit im wichtigsten Raum des Rathauses“, so Bernhofer. „Wir werden uns entscheiden müssen zwischen einer schallabsorbierenden Maßnahme und einer Mikrofonanlage.“

Das Problem: Während der ersten Sitzungen des Gemeinderats im Saal des neuen Rathauses nach dessen Eröffnung im August 2014 wurde mehr und mehr die schlechte Sprachverständlichkeit an verschiedenen Stellen im Raum deutlich. Die Schallreflexionen von den glatten Wänden und der großen Fensterfront überlagern zum Teil den direkten Sprachschall der Gemeinderäte und des Bürgermeisters und wenn sich am Ratstisch Gremiumsmitglieder leise raunend austauschen, wird’s noch problematischer. Richtig schwierig ist es für Zuhörer und Pressevertreter, die Sitzungen zu verfolgen.

Die gelochte Decke wurde zum Teil glatt gespachtelt

Der Grund: Sie sitzen zum Teil im Rücken der Gemeinderäte und bezogen auf die Verständlichkeit sprechen diese in die „falsche“ Richtung. Wegen dieser Akustik-Problematik habe es bislang schon mehrere Ortstermine unter anderem mit dem beratenden Akustiker und Gemeindevertretern gegeben, erklärte in der Sitzung Alexander Frey, für das neue Rathaus bauleitend verantwortlicher Architekt aus Rosenheim. Er verwies auf die Stellungnahme der Firma Accon aus Greifenberg zu baulichen und elektroakustischen Maßnahmen sowie auf verschiedene Diskussionen und Simulationen im Sitzungssaal zu dem Thema. Sein letzter Wissensstand sei, dass die Verständigung unter den Gemeinderäten „sehr gut ist“, auch von vorne, vom Bürgermeisterplatz aus in den Kreis des Gremiums. Das sei wohl durch eine nachträgliche Maßnahme erreicht worden, wie Frey erklärte. „Um die Situation für die Gemeinderäte noch zu verbessern, wurde die Schall absorbierende, abgehängte Decke aus gelochten Gipskartonplatten über dem Ratstisch zum Teil glatt gespachtelt.“

Im Klartext: Die physikalische Aufgabe der abgehängten Decke, in ihrer Ursprungsform die Schallreflexionen über den Köpfen der Räte zu minimieren, wurde durch diese Spachtel-Aktion ins Gegenteil verkehrt. Insgesamt bleibe die akustische Situation im Saal dennoch unbefriedigend, machten einige Räte quer durch alle Fraktionen nochmals deutlich.

„Wir können noch baulich was tun, und zwar vor den Fenstern Schall absorbierende Flächen anbringen, zum Beispiel einen Lamellenvorhang“, so der Architekt. „Uns wäre aber wichtig, dass diese Lösung nicht dauerhaft den Ausblick und den Einblick in den Saal behindert. Das war ein wesentliches Kriterium für den gesamten Hausentwurf.“

„Wir wollen kein Versuch- und Irrtumspiel aufziehen“

Allerdings hat der jetzt zur Beratung hinzugezogene Akustiker in seiner Stellungnahme nicht bestätigt, dass diese Maßnahme das Problem gänzlich beseitigen würde, wie dem Schreiben zu entnehmen ist.

Frey: „Wir wollen jetzt kein Versuch- und Irrtum-Spiel aufziehen, deshalb wäre eine endgültige Lösung mit Tischmikrofonen und Lautsprechern anzustreben.“ Beide Lösungsansätze kosten Geld, die Gemeinde habe bereits drei Angebote eingeholt. Die mittleren Kosten liegen um die 12 000 Euro, die Kosten für die bauliche Maßnahme bei rund 7000 Euro. Für den Architekt steht fest: „Ohne die eine oder andere Maßnahme können wir die aktuelle Situation nicht verbessern.“

Dann wurde Kritik laut am Ratstisch unter dem Tenor: Warum ist die Akustik des Sitzungssaales in der Planungsphase des 4,3 Millionen Euro teuren Rathauses nicht oder nicht optimal berücksichtigt worden? Wie von Georg Bauer (Bernauer Liste): „Ich habe mir das Schreiben von dem Akustiker durchgelesen und ich war erschüttert, dass es in wenigen Zeilen heißt: Nehmt‘s Mikrofone, alles andere taugt nichts.“ Er wolle nicht auf dem Architekt „rumhacken“, warum er in der Planung die Probleme nicht berücksichtigt und nicht schon damals einen Akustiker zurate gezogen hat. „Aber wenn der jetzt erst nach zwei Jahren kommt, ist es doch einfach zu spät.“

Noch deutlicher wurde Fraktionskollegin Michaela Leidel in Richtung Architekt. „Mich hat es schon immer gewundert, dass der Raum nicht so konstruiert wurde, dass die Akustik funktioniert. Sie sagen uns jetzt, was alles Schuld ist, wie die glatten Wände und die Glasfronten. Aber warum wurde das nicht bei den Planungen berücksichtigt? Dann hätte doch auch gleich eine Mikrofonanlage installiert werden können.“

„Das ist eine berechtigte Kritik“, gab Architekt Frey zu. „Wir hätten die Investitionen vorher tätigen können. Da gebe ich Ihnen recht. Aber wir sind angetreten mit einer sehr moderaten Lösung für den Akustikbereich mit der gelochten Decke und haben im Vorfeld auf weitere Investitionen verzichtet. Wir haben den Akustiker erst sehr spät dabei gehabt, der hätte uns nichts anderes vorgeschlagen als das, was er jetzt auch tut.“ Leidel: „Das heißt, die Gemeinde muss jetzt die Nachbesserungen bezahlen? Der Sitzungssaal ist doch das Herzstück des Rathauses. Das hätte doch von Ihnen so geliefert werden müssen, dass es benutzbar ist.“ Frey: „Die hätte die Investition ja auch vorher tätigen müssen. Ich kenne den Vorwurf des Planungsfehlers sehr gut. Aber das sind Kosten, die wären uns vorher auch entstanden, egal ob bauliche Maßnahmen oder Mikrofonanlage.“

Für Bürgermeister Bernhofer gab‘s da schon einen Unterschied, wie er ärgerlich anmerkte: „Sie hätten das vorher ansprechen müssen, dass diese Fensterflächen zum Beispiel akustische Probleme bereiten könnten und wir mit einer Mikrofonanlage besser beraten gewesen wären.“ Jetzt wartet die Verwaltung auf weitere Angebote für Mikrofonanlagen, war zuletzt auf Anfrage im Rathaus zu erfahren. Wenn die vorliegen, wird der Gemeinderat das letzte Wort haben.

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