Radeln gegen Verkehrs-Missstände in Traunstein: 200 Teilnehmer demonstrieren

Rund 200 Radl-Demonstranten fuhren durch die Traunsteiner Innenstadt – sie setzten sich für kinderfreundliche Radwege ein. Auch viele Familien mit Kindern beteiligten sich am Korso. Effner
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Rund 200 Radl-Demonstranten fuhren durch die Traunsteiner Innenstadt – sie setzten sich für kinderfreundliche Radwege ein. Auch viele Familien mit Kindern beteiligten sich am Korso. Effner
  • vonAxel Effner
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200 Radl-Demonstranten machen in Traunstein auf Verkehrsprobleme aufmerksam. Auch viele Familien mit Kindern waren dabei.

Traunstein – Die Große Kreisstadt will fahrradfreundlicher werden. Das hat der Stadtrat Anfang des Jahres durch den Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) mit deutlicher Mehrheit beschlossen (wir berichteten). Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, machte am Samstag eine große Fahrrad-Demo deutlich. Sie stand unter dem Motto „Kidical Mass: Platz da für die nächste Generation“. Abgesichert durch die Polizei machten sich rund 200 Radler und Fußgänger aller Altersgruppen im Schritt-Tempo auf einen Rundkurs durch die Innenstadt.

Die Veranstaltung machte den bundesweiten Auftakt zu weiteren „Kidical Mass“-Aktionen in mehr als 108 Städten in Deutschland, Belgien, England, Österreich und der Schweiz.

Aus Angst mit dem Auto zur Schule

Zum Weltkindertag am Sonntag und im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche forderten die Teilnehmer ein Umdenken in der Verkehrspolitik.

Angesichts der beachtlichen Zahl an Radl-Unterstützern sprach Mitinitiator Dr. Patrick Nepper bei der Begrüßung im Stadtpark von einem „großen Erfolg“ der Aktion. Zusammen mit Ilja Frank und Nils Bödeker hat der Stadtrat der Grünen vor über einem Jahr den Traunstein Bicycle Club gegründet. Ihr Ziel: Die Große Kreisstadt „zum perfekten Raum zum Radeln“ zu machen. Ein wesentliches Anliegen sei, „dass sich Kinder sicher und selbstständig mit ihren Fahrrädern in unserer Stadt bewegen können“.

Die Realität sehe jedoch anders aus, so Nepper.

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Speziell an der Wegscheid, der Wasserburger Straße, der Herzog-Friedrich-Straße, der Chiemseestraße und an anderen Stellen gebe es „zu schmale, ungeschützte oder häufig gar keine Radwege“. Aus Angst um die Sicherheit würden viele Eltern ihre Kinder deshalb mit dem Auto zur Schule fahren.

Mitinitiator Dr. Patrick Nepper führte den Korso an.

Nepper verwies auf aktuelle Berichte des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Deutschen Kinderhilfswerks, die sich ebenfalls für sichere Radwege stark machen. Für Traunstein fordere man deshalb ein durchgehendes Radwegenetz in beide Richtungen, dazu eine räumliche Trennung von Kfz- und Radverkehr in Tempo-50-Zonen und auf viel befahrenen Straßen bei Tempo 30. Wichtig seien zudem farblich markierte Fahrradstreifen. Der Traunstein Bicycle Club wird dabei unterstützt vom ADFC Traunstein, der örtlichen Fridays for Future-Bewegung, dem Offenen Raum Traunstein, den Grünen, der SPD und der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

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SPD-Stadtrat Nils Bödeker, der Trausteins ersten Pop-up- Radweg auf Zeit an der Ludwigstraße initiiert hat, erklärte, die Strecke habe zwar mehr nach Baustelle als nach Radweg ausgesehen, sei aber „rege genutzt“ worden. Im Rahmen des jüngsten Elternabends an der Ludwig-Thoma-Grundschule habe es „sehr positive Rückmeldungen“ dazu gegeben. Im Rahmen einer Schulumfrage bei Eltern und Kindern zu den Schulwegplänen sollen die gefährlichen Punkte herausgearbeitet werden. Als positiv wertete Bödeker die Initiative seines CSU-Stadtratskollegen und Verkehrsreferenten Konrad Baur für einen „Verkehrsdialog mit den Bürgern“.

Das Fahrradklima selbst bewerten

Claudia Lahr, Elternbeiratsvorsitzende an der Ludwig-Thoma-Grundschule, plädierte dafür, den begrenzten Straßenraum in der Stadt „gerechter aufzuteilen“. In der Schulstadt mit mehreren tausend Schülern sollten die Kinder nach der vierten Klasse auch selbstständig und sicher in den Unterricht radeln können.

Dagmar Heid, Sprecherin des ADFC Traunstein, monierte, dass Radler häufig auf Gehwege ausweichen müssten. Konflikte mit Fußgängern seien vorprogrammiert. Sie verwies auf de ADFC-Klimatest im Netz. Mit der Teilnahme daran könne jeder seine Zufriedenheit mit den Radwegen in Traunstein dokumentieren. Infos dazu: https://fahrradklima-test.adfc.de/

Den nächsten „Slow Roll“ durch die Stadt mit Schrittgeschwindigkeit organisiert der Traunsteiner Bicycle Club am 17. Oktober um 10 Uhr.

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