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Spaziergänger immer öfter abseits von Wegen

Querfeldein in Bernau: Das stört die Natur und ärgert die Landwirte

Das neue Schild am Uferweg auf Höhe des Schöllkopfes weist auf die brütenden Bekassine und Schwarzkehlchen hin, Hunde sollen angeleint sein.
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Das neue Schild am Uferweg auf Höhe des Schöllkopfes weist auf die brütenden Bekassine und Schwarzkehlchen hin, Hunde sollen angeleint sein.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Haben Ausflügler kein Bewusstsein mehr für den Schutz von Pflanzen, Tieren und Privateigentum? Diese Frage drängt sich auf. Bernaus Dritter Bürgermeister Franz Praßberger (ÜWG) mahnte zweimal in vorangegangenen Gemeinderatssitzungen Sensibilität an. Die Bürgermeisterin und der Bauernobmann bestätigen seine Beobachtungen.

Bernau am Chiemsee – Auch der Chiemsee-Gebietsbetreuer Dirk Alferman machte entsprechende Beobachtungen, wie er auf Anfrage den OVB-Heimatzeitungen mitteilt. Oft geschehe es aus Unkenntnis, dass Leute über Wiesen und Felder laufen, sagt Alfermann und ergänzt bedauernd: „Manchmal leider aber auch aus Ignoranz.“ Dort, wo auf diese Weise Trampelpfade entstanden seien, liefen die Leute erst recht hinein.

Aus seiner Sicht als Gebietsbetreuer gibt es mehrere Gründe, warum es so wichtig sei, auf Wegen zu bleiben. Einerseits, um in den Wiesen brütende Vögel und andere Tiere, wie Rehe oder Feldhasen, nicht unnötig zu stören. „Für den Menschen ist dies oft nicht zu erkennen, da sich die Tiere ganz heimlich in den Wiesen aufhalten.“

Seltene Brutvögel sollen nicht aufgescheucht werden

Gerade in den ufernahen Streuwiesen am Chiemsee gebe es zum Teil sehr seltene Brutvögel, wie zum Beispiel die in Bayern vom Aussterben bedrohten Bekassine, die keine hundert Meter vom Weg entfernt brüten. „Deshalb ist es auch so entscheidend, dass Hunde angeleint werden, um zu verhindern, dass sie die Tiere aufscheuchen.“

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Zudem litten auch die teils sehr seltenen Pflanzenarten, wie Orchideen oder Enziane, da sie zertreten werden. „Daher meine Bitte, auf den offiziellen Wegen zu bleiben, um die wertvollen Vegetationsbestände nicht zu gefährden“, so der Gebietsbetreuer. Seit heuer gibt es am Uferweg von Prien her kommend auf Höhe des Schöllkopfes ein neues Schild. Es weist auf die Wiesenbrüter und das Anleinen der Hunde hin.

Beschilderung am Schöllkopf ergänzt

Alfermann dazu: „Da hier im näheren Umfeld eben unter anderem die Bekassine und das Schwarzkehlchen brüten, war es mir wichtig, die Beschilderung zu ergänzen.“

Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) erklärte gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, dass auch in der Gemeinde immer wieder festgestellt worden sei, dass Eigentum nicht geachtet werde: „Oft sogar aus Unwissenheit.“ Es sei verständlich, dass alle die Natur genießen wollten. Aber gerade in der Vegetations- und Brutzeit sei es wichtig, die Felder und auch Wälder nicht zu betreten.

Doch nicht nur der Natur- und Umweltschutz an sich ist betroffen, auch für die Landwirte ist es ärgerlich und ein Problem, wenn die Menschen mitten durch die Felder laufen und zum Beispiel Futterpflanzen zertreten oder gar verschmutzen. Praßberger, selbst Landwirt, verweist auf das Bayerische Naturschutzgesetz. Hierin sind zwar das Recht auf Naturgenuss, Erholung und Betretung festgeschrieben, jedoch auch die Pflicht, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen.

Kein Gang über Felder von der Saat bis zur Ernte

Für landwirtschaftliche Flächen präzisiert das Gesetz, dass sie während der Nutzzeit nur auf vorhandenen Wegen betreten werden dürfen. Dies betrifft die Monate zwischen Saat und Ernte, bei Grünland die Zeit des Aufwuchses, wie auf der Internetseite der Bayerischen Staatskanzlei unter gesetze-bayern.de nachgelesen werden kann. Der Bernauer Bauerobmann Jakob Müller bestätigt die Beobachtungen Praßbergers. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass immer wieder Menschen querfeldein unterwegs sind – ganz oft mit Hunden“, berichtet er auf Nachfrage.

Er bekomme das oft mit, wenn er auf dem Feld arbeite. „Erst heute habe ich wieder einen Hund alleine neben einem Graben laufen sehen.“ Dabei sei das hohe Gras neben den Gräben ein Stück Wildlebensraum, wo zum Beispiel Hasen und Vögel Schutz fänden.

Er argumentiert weiter: „Wenn wir unterhalb der Autobahn Richtung Irschener Winkel den Kibitz wieder ansiedeln wollen, braucht er Ruhe.“ Mehrmals habe er schon Menschen angesprochen, doch seien die oft taub auf diesem Ohr.

Ausflügler haben oft keine Kenntnis, Einheimische schon

Die meisten Spaziergänger seien vernünftig, ein kleiner Teil aber eben nicht. So habe er vor Kurzem eine Frau mit fünf Hunden beobachtet, die vermutlich als Abkürzung mitten über eine frisch gemähte Wiese gelaufen sei. Auf den Almen, so schildert Müller weiter, kenne er das ebenfalls. Ausflügler liefen aus Unwissenheit, wegen schlechter Beschilderung und mangelnder Ortskenntnis „irgendwo“ entlang. Eine Entschuldigung, die für Einheimische kaum gelten kann.

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