Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Von "Quarks" und "Weltmaschine"

Professor Dr. Carlo Ewerz referierte über "Die Welt der kleinsten Teilchen und die größte Maschine der Welt". Foto  reichenbach
+
Professor Dr. Carlo Ewerz referierte über "Die Welt der kleinsten Teilchen und die größte Maschine der Welt". Foto reichenbach

Bereits zum dritten Mal gewährten die Kernphysiker während ihres einwöchigen Arbeitstreffens in Schleching mit einem Vortrag für Nichtwissenschaftler Einblicke in ihre komplizierte Arbeit. Bei der

Schleching - Im randvoll besetzten Remigius-Stüberl im Gasthof "Zur Post" beantwortete , gespickt mit sehr viel Humor, Professor Ewerz Fragen wie: Woraus besteht das Universum? Was ist Masse? Was geschah beim Urknall? Was ist Antimaterie und wo ist sie? Was können wir am großen Hadronenbeschleuniger LHC am CERN in Genf über die Natur lernen? Wie funktioniert diese größte Maschine der Welt?

"Woraus besteht unsere Welt?" Seit der Antike sucht die Menschheit nach der Antwort auf diese Frage, erklärte der wissenschaftliche Koordinator des EMMI (ExtreMe Matter Institute) am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt und Professor an der Universität Heidelberg. Während die antiken Philosophen dies durch Nachdenken ergründen wollten, stehe heute das naturwissenschaftliche "Nachsehen" im Vordergrund. So erforschen die Physiker heute mit großen Maschinen wie dem LHC (Large Hadron Collider) in Genf, wie sich die elementaren Teilchen verhalten.

Professor Ewerz fing aber erst einmal ganz klein an. Während ein Kristall von 0,001 Meter noch mit bloßem Auge zu sehen sei, seien die kleinsten Teilchen der Materie, die Quarks, kleiner als unvorstellbare 18 Stellen hinterm Komma klein. Zu jedem der elementaren Teilchen gibt es ein Antiteilchen. "Eine Banane sendet etwa alle 15 Minuten ein "Positron" (Antiteilchen des Elektrons) aus, was für uns nicht zu sehen und zu spüren ist", gab Professor Ewerz ein Beispiel. Jeweils drei Quarks bilden ein positiv geladenes Proton oder ein ungeladenes Neutron, die die Bestandteile des Atomkerns sind.

Nun gibt es komplizierte Wechselwirkungen zwischen den Teilchen, wie die Gravitation, die elektromagnetische Kraft, die "schwache" und die "starke" Kraft. Jede dieser Kräfte wird wiederum durch ein Teilchen übertragen. Spätestens hier wird es für den Laien schwierig. Der Referent betonte immer wieder, dass auch die Wissenschaftler noch lange nicht alles wissen. Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von praktisch genutzten Ergebnissen der Kernphysik, zum Beispiel in der Medizintechnik.

Dann gab Professor Ewerz einen Eindruck vom größten Teilchenbeschleuniger der Welt, dem LHC in Genf. Seine Größe stehe in krassem Gegensatz zu den winzigen Teilchen, die dort untersucht werden. Er wurde in einem Tunnel mit rund 27 Kilometern Umfang 100 Meter unter der Erde gebaut. 25 Jahre Planungs- und Bauzeit und Baukosten von zirka drei Milliarden Euro waren hierfür erforderlich.

Im LHC bringen Physiker Protonen bei bisher unerreichten Energien zur Kollision, um in den Trümmern zum Beispiel nach massebewirkenden Higgs-Teilchen, supersymmetrischen Teilchen oder verborgenen Raumdimensionen zu suchen. An keinem wissenschaftlichen Projekt waren so viele Forscherinnen und Forscher beteiligt - alle mit dem Ziel, die Struktur der Welt genau unter die Lupe zu nehmen. "20 Jahre hat man darauf hingearbeitet, die Teilchen am LHC zur Kollision zu bringen", so Professor Ewerz. Erst mit der heutigen Computertechnik ist es möglich, die unvorstellbaren Datenmengen auszuwerten.

Die Moderation der zahlreichen Fragen übernahm der Leiter des Organisationskomitees, Professor Dr. Peter Braun-Munzinger, GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung Darmstadt, der Schleching als besonderen Ort der Meditation für die Kernphysiker verbunden mit sportlicher Entspannung bezeichnete.

Seit Jahren werden bei der Tagung in Schleching aktuelle Themen der Kernphysik im Detail diskutiert und Konzepte für neue Forschungsrichtungen entwickelt. In diesem Jahr waren die Themen zum Beispiel die Entdeckung und Erzeugung superschwerer chemischer Elemente, die Untersuchung von Antimaterie sowie stark gekoppelte Quantensysteme. "Nur mit viel Begeisterung und Witz ist die harte Arbeit des Forschens zu bewältigen", sagte Professor Braun-Munzinger. bre

Kommentare