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Prozess wegen Raubüberfall auf Juwelier in Mühldorf 

Umfangreiches Geständnis: Angeklagter von Härte des Überfalls selbst überrascht

Vier Männer haben im März 2015 einen Juwelierladen in Mühldorf überfallen.
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Am Donnerstagnachmittag haben unbekannte Täter - maskiert und bewaffnet - einen Juwelier in Mühldorf überfallen. Bei ihrer Flucht schossen sie sogar auf einen Zeugen.
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
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Traunstein, Mühldorf – Ab dem 24. Januar sitzt ein 40-jähriger Litauer in Traunstein auf der Anklagebank: Er soll mit weiteren drei Männern im März 2015 einen Juwelierladen in Mühldorf überfallen haben.

Update, 14.25 Uhr - „Hab mir gedacht, ich laufe nach und schau, in welches Auto sie steigen“ – Zeuge des Überfalls in Mühldorf sagt aus

Die Vorsitzende Richterin Aßbichler verliest, dass gegen den Beschuldigten zwei Vorstrafen wegen Drogenkonsums und -besitzes sowie wegen Diebstahls vorliegen. Dann wird ein weiterer Zeuge in den Gerichtssaal gerufen. Es handelt sich um den Mann, der nach dem Überfall in Mühldorf die Verfolgung der Täter aufnahm. Der Angeklagte soll zu Beginn der Flucht mit dem Reizgas nach dem Zeugen gesprayt haben, und entschuldigt sich dafür bei dem Mann noch vor dessen Aussage. Er habe große Angst während des Überfalls gehabt, so der Beschuldigte. „Ich habe die Schüsse im Juwelierladen gehört und stand unter Schock. Es war nicht mein Wille, dass ich sie direkt ansprühe. Ich wollte Sie nicht schädigen“, sagt er. Der Angeklagte gibt an, er habe nach hinten gesprüht und nicht gewusst, wen er mit der Wolke treffe. 

„Es ist alles wahnsinnig schnell gegangen“

Der Zeuge leidet nach eigenen Angaben seit dem Überfall stark unter dem Erlebten. Laute, überraschende Geräusche und Krimis sollen auch acht Jahre nach den Geschehnissen immer noch Ängste und Panik bei ihm hervorrufen. Als er sich für die Verfolgung der Männer entschlossen hatte, habe er nicht gewusst, dass diese mit einer Axt und Schreckschusspistolen bewaffnet waren: „Sonst hätte ich sie nie verfolgt.“ Zum Geschehen sagt der Zeuge aus: „Es ist alles wahnsinnig schnell gegangen. Ich wollte den Notruf wählen und dann war alles belegt. Also hab ich mir gedacht, ich laufe ihnen nach und schau, in welches Auto die steigen.“ Der Zeuge sagt, er sei gerade um eine Ecke geboten, als sich vor ihm einer der Täter umdrehte, und mit der Schreckschusspistole auf ihn zielte und schoss.

„Ich habe dann Deckung hinter einer Säule gesucht, als der Mann noch einmal schoss“, sagt der Zeuge aus und gibt an, Todesangst gehabt zu haben – er habe nicht gesehen, dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelte. Der Mann sei etwa 10 bis 12 Meter von ihm entfernt gestanden. Die Entschuldigung des Angeklagten könne er jetzt akzeptieren. Bei den vorangegangenen Prozessen hätten die Täter Faxen gemacht und der Mann, der auf ihn geschossen habe, sogar Grimassen geschnitten. Deren Entschuldigung sei von ihm dementsprechend nicht angenommen worden.

Nach der Aussage des Mannes unterbricht die Vorsitzende Richterin die Verhandlung. Am 26. Januar um 12 Uhr wird diese fortgesetzt. 

+++innsalzach24.de berichtet dann wieder live aus dem Gerichtssaal+++

Update, 13.02 Uhr - Umfangreiches Geständnis: Angeklagter will bereitwillig Schmerzensgeld an Geschädigte zahlen

Die Verhandlung wird fortgesetzt und ein Gutachter stellt die Schuldfähigkeit des Beschuldigten fest. Weiter wurde ein Schmerzensgeld in Höhe von 3000 Euro für die Nebenkläger vereinbart, welches der Angeklagte in Raten bezahlen kann.

Dann folgt die Einlassung des Beschuldigten und Rechtsanwalt Schultes ergreift das Wort. Erneut führt er aus, dass sein Mandant 2015 „mental am Boden war“, weil er seinen Lebensunterhalt während seiner Arbeitslosigkeit nicht bestreiten konnte. Der Beschuldigte gibt zu, dass er schon vor seiner Reise von Litauen nach Deutschland über die geplanten Taten informiert worden war. So sei er beauftragt worden, die Tür zu sichern, während die Überfälle auf Juwelierläden stattfanden, und später auch für weitere Rollen in Betracht gezogen würde. Auch die Verwendung des Reizgases sei ihm bekannt gewesen, allerdings habe der Angeklagte keinen Einfluss auf die Art und Ausführung der Tat gehabt, über deren Verlauf er im Vorfeld genau informiert worden sei.

Der Beschuldigte gibt an, dass er mehrere tausend Euro Belohnung für seine Beteiligung erhalten sollte, was am Ende aber weniger wurde als ursprünglich vereinbart. Der Rechtsanwalt sagt, sein Mandant habe Tränen in den Augen gehabt, als er von dem Überfall sprach. Der Litauer sei selbst von der Härte des Überfalls überrascht gewesen. Auf Fragen zum genauen Fluchthergang und den Vorgängen gibt der Beschuldigte bereitwillig Auskunft. Er betont aber, dass er nicht mit dem Reizgas auf Menschen sprühen wollte, ihm aber die anderen Männer sagten, er solle jetzt sprühen. Während der Verfolgungsjagd habe er Schüsse gehört und Angst gehabt.

Dann tritt ein Beamter von der Spurensicherung als Zeuge vor Gericht. Er sagt aus, dass von dem Angeklagten keine Fingerabdrücke gefunden worden seien. Die Schreckschusspistole sei laut den polizeilichen Vernehmungen von einem der anderen Männer abgefeuert worden, das Pfefferspray von dem Angeklagten. Zwei Tschetschenen seien die Auftraggeber und Planer für die Überfälle gewesen. Von einer ausgiebigen Auskundschaftung über die Buchung von Hotels, Beschaffung von Fluchtautos und und dem Vergraben der Beute seien die Taten sehr gut organisiert gewesen. Die Aussagen der Geschädigten – einer Angestellten in dem Juwelierladen – hätten laut dem Zeugen auf eine starke Beeinträchtigung hingewiesen. Der Überfall sei durchn die Waffen und die Zerstörung sehr eindrucksvoll und auch gefährlich gewesen.

Update, 11.07 Uhr - Wird der Angeklagte gestehen? Rechtsgespräch weist auf mindestens sechs Jahre Freiheitsstrafe hin

Pünktlich um neun Uhr beginnt der Prozess gegen einen 40-jährigen Litauer, der an dem Raubüberfall auf einen Mühldorfer Juwelierladen im März 2015 beteiligt gewesen sein soll. Die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler schlägt ein öffentliches Rechtsgespräch vor, in dem sich die Parteien über ihre Vorstellungen und Erklärungen zum Strafmaß äußern. Der Münchner Verteidiger des Beschuldigten, Thomas Schales, hebt hervor, dass sein Mandant als Waise in einem Kinderheim aufwuchs und kein leichtes Leben hatte. Der Angeklagte sei 2015 arbeitslos geworden und habe seine beiden Kinder und die Lebenspartnerin kaum versorgen können.

Beschuldigter soll nichts von Schreckschusspistolen gewusst haben

Aus diesem Grund habe der Schwager des Beschuldigten, vor dem dieser bereits von seiner Partnerin im Vorfeld gewarnt worden sein soll, leichtes Spiel gehabt, als er ihm vorschlug, bei bestimmten Handlungen im Ausland mitzumachen. Der Verteidiger erwähnt, dass sein Mandant die Hotelzimmer in Deutschland auf seinen Namen gebucht habe, aber nicht am Diebstahl des Fluchtautos beteiligt gewesen sein soll. Außerdem sei sein Mandant nicht in die langwierige Planung der Bande mit eingebunden gewesen und habe auch von den Schreckschusswaffen nichts gewusst. Bereits im Vorfeld gab die Vorsitzende Richterin an, dass es sich nach Aktenlage um eine Randfigur zu handeln scheine.

Taten sollen minutiös geplant und geübt worden sein

Staatsanwalt Kempel sieht aus den Akten, dass der Schwager des Angeklagten zugab, diesen in die Sache hineingezogen zu haben, er zweifelt aber daran, dass der Beschuldigte nicht genau über Tatablauf und die Verwendung von Waffen informiert gewesen sein soll. Ohne ein Geständnis sieht er eine Strafe von 8,5 Jahren Freiheitsstrafe im möglichen Bereich. Von der Verfolgung wegen Autodiebstahls sieht der Staatsanwalt ab. Nebenklägervertreter, Jörg Zürner aus Mühldorf, sieht eine minütiöse Planung der Taten, die sich aus den Aussagen eines bereits verurteilten Täter bei dem Überfall in Mühldorf ergaben. Er betont, dass Überfälle vorab regelrecht „geübt“ und wenig dem Zufall überlassen worden sei. Die Vorsitzende Richterin unterbricht die Verhandlung nach dem Rechtsgespräch und lässt dem Beschuldigten und seinem Verteidiger Zeit für das Gespräch über ein mögliches umfangreiches Geständnis.

Vorbericht

69 Uhren im Wert von fast 340.000 Euro soll eine Gruppe von vier Männern erbeutet haben, die am 5. März 2015 einen Juwelier in Mühldorf überfallen haben soll. Vier Männer sind bereits wegen der Tat verurteilt worden – ein weiterer tritt am 24. Januar seinen Prozess am Landgericht Traunstein an. Der 40-jährige Angeklagte stammt aus Litauen und soll während des Überfalls vor dem Laden Schmiere gestanden und Reizgas in Richtung eines Zeugen gesprüht haben.

Europaweit Überfälle auf Juweliere

Im Hintergrund sollen die Männer mit einer über 100 Mann starken Bande zusammenarbeiten, auf deren Konto Überfälle in ganz Europa verbucht werden. Diese sollen immer nach dem gleichen Muster verlaufen: Zuerst wird in einem anderen Ort ein Auto gestohlen um damit zum Tatort zu kommen und von dort zu flüchten. Während einer der Männer vor dem Laden Wache hält stürmen dann jeweils zwei bis drei Männer in das ausgewählte Schmuckgeschäft um dort mit Äxten Vitrinen zu zerstören und teure Uhren zu rauben. Ein Überfall nach diesem Muster ist meist innerhalb einer Minute erledigt.

Auch in Mühldorf verlief der Überfall auf den Juwelier nach dem oben genannten Schema. Während 2017 bereits vier Männer für den Raub in Mühldorf inhaftiert worden waren, konnte der 40-jährige Beschuldigte in diesem Prozess erst 2022 in Litauen dingfest gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun schweren Bandendiebstahl, schweren Raub, Sachbeschädigung, besonders schweren räuberischen Diebstahl und versuchte gefährliche Körperverletzung vor.

*** innsalzach24.de berichtet live aus dem Gerichtssaal***

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