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Riederinger (28) wegen tödlichem Unfall auf Miesbacher Straße angeklagt

Wichtige Zeugenaussagen: Rückschlag für Angehörige und Staatsanwalt

Der inzwischen 28-jährige Angeklagte aus Riedering beim Prozessauftakt vor dem Traunsteiner Landgericht.
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Der Angeklagte (links) im großen Saal des Traunsteiner Landgerichts. Wegen des tödlichen Unfalls auf der Miesbacher Straße in Rosenheim muss er sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
  • Xaver Eichstädter
    vonXaver Eichstädter
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Noch immer ist das Landgericht mitten in der Beweisaufnahme: Am heutigen fünften Prozesstag zum tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim werden weitere Zeugen erwartet - auch der überholende VW-Golf-Fahrer wird nochmal vernommen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fünfter Prozesstag zum tödlichen Unfall in der Miesbacher Straße in Rosenheim hat begonnen.
  • Drei Ersthelfer werden als Zeugen gehört und schildern die Lage nach dem Unfall.
  • Der überholende Golf-Fahrer soll ebenfalls heute vernommen werden.

Update, 18.03 Uhr - Wichtige Zeugenaussagen

Ein Zeuge, der angeblich über Insider-Wissen verfüge und von den BMW-Fahrern gehört hätte, dass sie den VW Golf zum Überholen provozieren wollten und dann die Lücke zum Einscheren absichtlich schlossen – und er soll sein Insider-Wissen auch weitererzählt haben. Darauf ruhten am heutigen Prozesstag gewisse Hoffnungen von Nebenklage, Angehörigen und Staatsanwaltschaft, doch sie wurden enttäuscht.

Obwohl dieser Zeuge aus Bad Aibling auch im vorherigen Prozess noch diese Version bestätigte, wollte er heute nichts mehr davon wissen. Vielleicht habe man ihn nur falsch verstanden oder vielleicht habe er sich bei seinen Bekannten, denen er die Geschichte auch erzählte, nur wichtig machen wollen.

Erschwerend kommt hinzu: Auch die beiden Männer, denen er auf einer Geburtstagsfeier diese Story angeblich erzählt hat, wurden als Zeugen geladen. Aber auch die konnten sich nicht mehr daran erinnern, je davon gehört zu haben. Wegen der Wichtigkeit dieser Aussage wollte die Verteidigung einen der Zeugen sogar vereidigen.

Auch der überholende Golf-Fahrer, der frontal ins Auto der Samerbergerinnen krachte, wurde erneut als Zeuge geladen. Und er schien heute verunsichert. Verteidigerin Iris Stuff war skeptisch, dass der Ulmer bei ersten Vernehmungen bei der Polizei nur „vermutete“, dass die Lücke zum Einscheren zu klein war – zuletzt sei er sich aber sicher gewesen. Außerdem habe er anfangs bei der Polizei ja noch angegeben, dass er nicht darauf geachtet habe, ob ihm die beiden BMW das Einscheren schwer gemacht hätten.

Richterin Heike Will nahm das ebenfalls für Nachfragen zum Anlass. Schließlich könne man sich am Anfang noch besser an Dinge erinnern, als mit den Jahren. „Kann es vielleicht sein, dass Sie für sich persönlich mit der Zeit versucht haben, Erinnerungslücken zu schließen?“, fragte die Richterin. Einen so überzeugenden Eindruck wie vorige Woche konnte der Golf-Fahrer am heutigen Mittwoch jedenfalls nicht mehr vermitteln.

Außerdem wurden noch einige Freunde des Angeklagten befragt. Einer von ihnen fuhr, nachdem er vom Unfall erfahren hatte, auch noch zur Stelle auf der Miesbacher Straße. Ein anderer holte die BMW-Fahrer nach einer Vernehmung nachts von der Polizei ab und fuhr sie heim. Gab es da Absprachen, was wurde zwischen ihnen geredet? Diese Zeugen konnten wenig beitragen, sprachen großteils davon, sich kaum mehr erinnern zu können.

Der Prozess wird am Donnerstag ab 9.30 Uhr fortgesetzt. Weitere Zeugen werden erwartet, unter anderem die Beifahrerin des VW Golf. 

Update, 12.35 Uhr - So erlebten die Ersthelfer das furchtbare Unfallgeschehen auf der Miesbacher Straße

Was mussten die Ersthelfer an der Unfallstelle erleben? Drei von ihnen sagen zum Beginn des heutigen Prozesstages aus. Ein Stephanskirchener kam als erstes zum Unfallwagen der Samerbergerinnen. „Alle Türen waren noch zu, innen war es verraucht“, berichtet der Mann. Mit einiger Kraft konnte er die Türen öffnen. Bei der Fahrerin seien noch Atemgeräusche zu hören gewesen – reagiert habe sie aber nicht mehr. Dann eilte er zur Beifahrerseite: „Sie hat mich mit großen Augen angeschaut, hatte eine große Wunde am Kopf und einen verdrehten Fuß.“

Währenddessen sei es komplett still gewesen. Erst als die Rettungskräfte kamen wurde es „laut und hektisch“. Als die Sanitäter da waren, assistierte er ihnen etwa eine Stunde lang, hielt beispielsweise einen Infusionsbeutel. Das Unfallgeschehen nahm den Mann schwer mit. Bis Oktober 2019 – fast drei Jahre, nachdem der Unfall passierte – war er in Traumatherapie.

Außerdem interessant: Während der Zeuge sich als Ersthelfer ins Zeug legte, sei „eine Männergruppe“ nur um den Golf herumgestanden. Mit Feuerlöscher in der Hand und in Diskussionen verwickelt, ob das Auto zu brennen beginnen könnte. Einer habe den Notruf verständigt. Die BMW seien aber in Rufweite zur Unfallstelle gestanden – denn andere behaupteten, dass die BMW erst rund 200 Meter nach der Unfallstelle stehengeblieben wären. Auch ein weiterer Zeuge, der etwas später zur Unfallstelle kam, bestätigte Diskussionen einer Männergruppe bei den anderen Autos.

Vorbericht

Rosenheim/Traunstein - Eigentlich war er schon am zweiten Verhandlungstag vor dem Traunsteiner Landgericht, aber seine Vernehmung dauerte und dauerte - vor allem die Verteidigung hatte jede Menge Fragen an den Fahrer des Ulmer VW Golf. Am Mittwoch (9. Juni) wird der 28-Jährige deshalb nochmal aussagen müssen. Es ist inzwischen der fünfte Prozesstag im Fall des tödlichen Frontalunfalls auf der Miesbacher Straße in Rosenheim im November 2016. Beginn ist um 9.30 Uhr.

„Samerberg-Prozess“: Fünfter Verhandlungstag um tödlichen Unfall auf Miesbacher Straße

Als Zeugen werden außerdem einige Ersthelfer vor Gericht erwartet. Ein weiterer Verhandlungstag war ursprünglich nur noch für den 10. Juni angesetzt, am 15. Juni sollte das Urteil fallen. Doch momentan schaut es ganz danach aus, als ließe sich dieser Zeitplan nicht einhalten. Weitere Prozesstage werden dann nötig sein. Am jüngsten Verhandlungstag am Dienstag sagten Angehörige des Golf-Fahrers sowie andere Autofahrer aus, die das „Trio“ kurz vor dem Unfall durch Rosenheim fahren sahen - bereits davor fielen sie durch ihren Fahrstil auf.

Beim Prozess geht es vor allem um die Frage, ob die Lücke für den überholenden Golf-Fahrer aus Ulm groß genug war oder ob sie von einem 28-jährigen Riederinger absichtlich zugemacht wurde, so dass ein Frontalunfall erst wahrscheinlich wurde. Der Riederinger ist wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung angeklagt. Bisher schwieg er während des ganzen Prozesses.  Am ersten Verhandlungstag waren die emotionalen Aussagen der Nebenklage zu hören - nämlich von der Schwester der verstorbenen 15-Jährigen und vom Vater der 21-jährigen Verstorbenen. 

Am zweiten Prozesstag sagte der Fahrer des vorausfahrenden BMW, sein Beifahrer sowie der Beifahrer des Angeklagten aus. Und auch der überholende Golf-Fahrer wurde zum ersten Mal in den Zeugenstand gerufen. Am dritten Prozesstag brachte Verteidigerin Iris Stuff eine neue Version ins Spiel: Ihrer Meinung nach könnte sich der Golf-Fahrer während des Überholens auf der Miesbacher Straße auf einer Autobahn gewähnt haben und sei deshalb so konsequent auf der linken Fahrbahnseite geblieben.

Bei dem Frontalunfall am 20. November 2016 kamen zwei junge Frauen vom Samerberg ums Leben. Zwei Unfallbeteiligte wurden bereits rechtskräftig verurteilt: Der überholende Fahrer des VW Golf bekam eine Bewährungsstrafe in Höhe von einem Jahr und acht Monaten. Der andere BMW-Fahrer erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten, weil er den Überholenden nicht einscheren ließ. Nun wird zum dritten Mal gegen den Riederinger verhandelt. Sein Urteil (zwei Jahre und drei Monate Haft) wurde wegen eines Formfehlers aufgehoben.

xe

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