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Prozess um Körperverletzung gegen Stefan H. (50)

Die Plädoyers: Freiheit oder jahrelange Haft für „falschen Rosenheimer Impfarzt“?

Der „falsche Rosenheimer Impfarzt“, Stefan H., vor dem Landgericht Traunstein.
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Der „falsche Rosenheimer Impfarzt“, Stefan H., vor dem Landgericht Traunstein.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Es ist inzwischen der neunte Verhandlungstag gegen Stefan H.: Die Plädoyers stehen an - fordert die Verteidigung einen Freispruch und will die Staatsanwaltschaft den „falschen Rosenheimer Impfarzt“ im Gefängnis sehen?

Update, 12.42 Uhr - Die Plädoyers: Freiheit oder jahrelange Haft für „falschen Rosenheimer Impfarzt“?

„Was mein Mandant gemacht hat ist strafbar. Aber es geht um die Ursache, die Motivation und die Qualität der Tat“, beginnt Verteidiger Peter Witting. Immer wieder betont er: eine Spritze sei auch im juristischen Sinne kein gefährliches Werkzeug und sie in einen Oberarmmuskel zu setzen sei „simpelst“: „Jeder von uns kann das, nachdem er kurz eingewiesen wurde.“ Auch Apotheker dürften nach kurzer Einschulung impfen, ohne Ärzte zu sein.
 
Stefan H. habe „Arzt gespielt und Vertrauen missbraucht“, so Anwalt Witting. Juristisch seien es durchaus Körperverletzungen, „aber er hat niemanden verletzt. Die Leute sind glücklich nach Hause gegangen“. Dem Angeklagten sei es vor allem darum gegangen, sich in die Gesellschaft einzubringen und das eigene Selbstwertgefühl als „Arzt“ aufzubessern. „Wie viele Fälle es genau waren, ist völlig belanglos. Es geht um die Motivation, warum er es gemacht hat.“
 
Wegen 454 Fällen der einfachen Körperverletzung sei der Angeklagte zu verurteilen, dazu gewerbsmäßiger Betrug und Missbrauch von Titeln. Aber die lange Untersuchungshaft von 14 Monaten würden reichen. Verteidiger Peter Witting fordert vom Traunsteiner Landgericht eine Bewährungsstrafe. Die Staatsanwaltschaft plädierte dagegen auf fünf Jahre Haft.
 
In den „letzten Worten“ holt Stefan H. weit aus und rechtfertigt seine Taten. Die Untersuchungshaft in München-Stadelheim sei „außerordentlich belastend und beschämend“, er komme sich dort vor „wie ein Schwerstkrimineller oder Drogendealer“. Das Urteil wird am kommenden Donnerstag (19. Mai) um 11 Uhr verkündet. 

Update, 10.39 Uhr - „Ein Hochstapler und Betrüger“: Staatsanwalt will lange Haft für „falschen Impfarzt“

Es ist nicht irgendein Fall, der hier am Landgericht Traunstein verhandelt wird, sondern einer, der bundesweite Aufmerksamkeit bekam. Dementsprechend versiert und ausgefeilt werden hier jetzt die Plädoyers von Staatsanwalt Markus Andrä und Verteidiger Peter Witting gehalten.
 
„Er ist ein Hochstapler und Betrüger“, beginnt der Staatsanwalt sein Plädoyer. Stefan H., der „falsche Rosenheimer Impfarzt“, habe sich als Mediziner ausgegeben und sich den Doktortitel sogar in den Ausweis eintragen lassen – und alles in erster Linie aus finanziellen Gründen. 100 Euro Stundenlohn hätte er bekommen. Das Argument Nächstenliebe lässt Staatsanwalt Andrä nicht gelten. „Man hätte im Impfzentrum auch helfen können, ohne sich als Arzt auszugeben.“
 
Der 50-Jährige habe nicht überwachen und nicht delegieren können, „da hilft es auch nichts, wenn man sich davor YouTube-Videos zum Impfen anschaut. Dr. Google ist kein Arzt“, argumentiert der Staatsanwalt. Vor allem bei den Einsätzen in Heimen habe es kein „Springer-Team“ in der Hinterhand gegeben, die hätten helfen können. „Ich werfe ihm nicht vor, dass beim Impfen etwas passiert wäre. Aber für eine Impfung ist es notwendig, dass sie ein Arzt durchführt.“
 
Staatsanwalt Markus Andrä fordert letztendlich fünf Jahre Haft für Stefan H.. Er sieht 305 Fälle der gefährlichen und 1144 Fälle der vorsätzlichen Körperverletzung. Außerdem: Urkundenfälschung, gewerbsmäßiger Betrug, Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis sowie Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Nun wird das Plädoyer der Verteidigung erwartet. 

Vorbericht zur Verhandlung am 12. Mai

Rosenheim/Traunstein - Der Prozess gegen den „falschen Rosenheimer Impfarzt“ neigt sich am Donnerstag (12. Mai) wohl langsam dem Ende entgegen. Die Plädoyers stehen auf dem Programm: Welches Urteil fordern Verteidigung und Staatsanwaltschaft für Stefan H.? Der Prozess beginnt am Landgericht Traunstein um 9 Uhr.

Landgericht Traunstein: Plädoyers gegen „falschen Rosenheimer Impfarzt“?

Stefan H. aus dem Landkreis München arbeitete im Februar und März 2020 als Impfarzt in und um Rosenheim. Genommen wurde er nur, weil er Urkunden fälschte und sich so als Arzt ausgab. Das hat er bereits gestanden. Er selbst sagt, er tat es aus Nächstenliebe, die Anklage behauptet, er brauchte dringend Geld. H. war eigentlich „nur“ Theologe und war zuletzt händeringend auf der Suche nach Jobs, außerdem plagten ihn Mietschulden.

Rund 20.000 Euro wären dem Angeklagten, der sowohl im Impfzentrum in Rosenheim als auch in einer Reihe von Pflegeheimen im Landkreis Rosenheim aktiv war, theoretisch zugestanden. Der Stundenlohn eines Impfarztes beträgt 100 EuroLaut psychiatrischem Gutachter wollte er mit der Arbeit als Impfarzt vor allem sein geringes Selbstwertgefühl aufpolieren. Angeklagt ist der Mann wegen 1450 Fällen von Körperverletzung, Urkundenfälschung, gewerbsmäßigen Betrugs, Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis sowie Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. 

Bei mindestens 306 Personen habe er die Spritze selbst gesetzt, bei 1144 Personen habe er nur Leitung und Aufsicht inne gehabt. Einen Schaden trug jedoch niemand davon. Mehrere seiner Assistenten wurden bereits skeptisch angesichts seiner Wissenslücken. Zuletzt sagte der Leiter des Rosenheimer Impfzentrums als Zeuge aus. Er gab Einblicke, wie man Stefan H. auf die Schliche kam, dass er gar kein richtiger Arzt ist - doch anfangs glaubte man ihm noch.
rosenheim24.de wird aktuell vom Prozess berichten.

xe

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