Provisorischer Container-Kindergarten entsteht vor Kursaal-Baustelle in Prien

Am Haus für Kinder Marquette im Fliederweg stehen schon seit zwei Jahren Container für eine Kindergartengruppe. Eine solche Konstruktion für zwei Gruppen, also bis zu 50 Mädchen und Buben, soll bis September auch auf dem Parkplatz am König Ludwig Saal entstehen. Berger
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Am Haus für Kinder Marquette im Fliederweg stehen schon seit zwei Jahren Container für eine Kindergartengruppe. Eine solche Konstruktion für zwei Gruppen, also bis zu 50 Mädchen und Buben, soll bis September auch auf dem Parkplatz am König Ludwig Saal entstehen. Berger

Es gibt in Prien deutlich mehr Mädchen und Buben im Kindergartenalter als Plätze in den vorhandenen Betreuungseinrichtungen. Das hat eine Bestandsaufnahme der Gemeinde ergeben. Weil Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben, muss jetzt schnell eine Lösung her

Von Dirk Breitfuß

Prien – Die Lösung liegt in einem Containerbau für zwei Gruppen, also für bis zu 50 Kinder, auf dem Parkplatz direkt vor dem König-Ludwig-Saal, dessen Foyer gerade abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird.

Diesem Provisorium für voraussichtlich zwei Jahre hat der Marktgemeinderat in seiner ersten Arbeitsitzung in neuer Zusammensetzung gegen die Stimmen von Johannes Dreikorn (CSU) und Sepp Schuster (AfD) zugestimmt. Bis September muss der Containerkomplex betriebsfertig sein.

Für 40 Mädchen und Buben fehlen derzeit Plätze

Anhand der Wartelisten der Betreiber der Priener Kindergärten gab es Mitte März 48 Mädchen und Buben, für die es ab September keine Plätze gibt, erläuterte Martin Plenk, der Leiter des Ordnungsamtes. Erfahrungsgemäß sinke die Zahl noch, wenn zum Beispiel Doppelanmeldungen aus den Listen bereinigt sind. Aber es werden wohl etwa 40 Kinder blieben, für die es noch keinen Platz gibt. Auch die Kindergärten in den Nachbarorten seien ausgebucht. Der nächste freie Platz wäre in Höslwang, berichtete Plenk.

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Um den kurzfristigen Bedarf abdecken zu können, stimmte der Marktgemeinderat einem Vorschlag zu, der eine Containerlösung zwischen Wertstoffsammelstelle und König Ludwig Saal für zwei Jahre vorsieht. Dann soll in Wildenwart ein neuer, zweigruppiger Kindergarten eingeweiht werden, den Prien zusammen mit Frasdorf baut und der die örtlichen Einrichtungen entlasten soll. Für dieses Vorhaben hatte sich 2019 unter anderem Rosi Hell (CSU) mit Nachdruck stark gemacht.

228 000 Euro soll die zweijährige Containerlösung kosten, eventuell etwas mehr. Die Summe bezieht sich auf die Bestandteile eines zweigruppigen Kindergartens, der in Garmisch in Betrieb war und in Kiefersfelden eingelagert ist. Mit dem Eigentümer soll aber noch nachverhandelt werden, kündigte Bürgermeister Andreas Friedrich an. Auch ein Alternativangebot möchte die Gemeinde noch einholen, aber die Zeit drängt natürlich extrem.

„Das ist sicher nicht optimal, aber es ist alles besser, als wenn Kinder auf der Straße stehen“, kommentierte CSU-Fraktionssprecherin Annette Resch und regte an, zu prüfen, ob wenigstens der Spielplatz, der neben den Containern angelegt werden soll, dauerhaft erhalten bleiben könne, wenn das Provisorium wieder verschwindet.

Sepp Schuster (AfD) verknüpfte seine Ankündigung, gegen diese Lösung zu stimmen, mit der Frage, warum der Kindergarten in Frasdorf nicht schneller fertig werden könne. Friedrich begründete dies vor allem mit der zeitaufwendigen Bauleitplanung, dem noch erforderlichen Grundstückskauf sowie der reinen Planungs- und Bauzeit. Johannes Dreikorn (CSU); der auch mit Nein stimmte, monierte, dass die Kinder „zwischen König Ludwig Saal und Wertstoffinsel eingepfercht werden, das ist nicht sehr wertschätzend“.

Mehrere andere Standorte wurden im Vorfeld geprüft

Aber offenbar hat die Gemeinde im Vorfeld diverse Alternativen ausgelotet. Auf die Anregung von Ulrich Steiner (Grüne), einen Standort in der Nähe eines bestehenden Kindergartens zu suchen, um dessen Infrastruktur teilweise mitnutzen zu können, erläuterte nämlich Bauamtsleiter Thomas Lindner, warum das nicht gehe. Am Beihackparkplatz spreche das Landschaftsschutzgebiet dagegen, an mehreren anderen freien Fläche fehle die Infrastruktur, also Strom-, Wasser- und Kanalanschlüsse. Vor dem König Ludwig Saal ist das alles da, weil dort jahrelang schon Container als Übergangsquartier für Realschule und Gymnasium standen.

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Für das Vorhaben in Wildenwart hat der Markt Prien Friedrich zufolge ebenso finanzielle Mittel im Finanzplan wie für einen festen Anbau am Marquette im Fliederweg. Dort wurden 2018 Container für eine Gruppe aufgestellt, weil auch damals plötzlich Plätze fehlten. Mittelfristig ist auf dem Areal ein zweigruppiger Anbau geplant, verwies Plenk auf Nachfrage von Sonja Werner (Grüne), die langfristige Zukunft nichts aus den Augen zu verlieren.

Der kurzfristige Mehrbedarf in diesem Jahr erklärt sich für die Verantwortlichen nicht nur durch den Zuzug von Familien nach Prien. Laut Plenk sei es vielmehr „der Trend zur Mehr.Kind-Familie“.

Genauer Betreuungsbedarf schwer zu ermitteln

Die Bedarfsplanung ist für Kommunen eine vertrackte Sache. Viele Eltern melden zum Beispiel ihren Kindern zunächst bei zwei oder mehr Kindergärten gleichzeitig an, um ihre Chancen auf einen Platz zu erhöhen. Bei der Berechnung zählen Vorschulkinder, und davon gibt es Plenk zufolge ab September mehr als jetzt, mit einem Faktor von 1,3. Sie belegen also mehr als einen Vollzeit-Betreuungsplatz. Viele Eltern melden ihren Nachwuchs auch nur für zwei oder drei Tage pro Woche oder nur für Vormittage an. Dann kann ein zusätzliches Kind die restlichen Tage oder Nachmittage belegen. Deshalb gibt es immer mehr betreute Kinder als Plätze, weil sich oft Kinder einen rechnerischen Platz teilen.

Fast 400 Plätze

Zur Zeit gibt es in Prien rein rechnerisch 399 Kindergartenplätze: Die meisten (125 = fünf Gruppen) im katholischen Kindergarten St. Irmingard, 113 im evangelischen Haus für Kinder Marquette und 74 im Waldorfkindergarten. Die übrigen verteilen sich auf die Waldorf-Krippe, den Caritas-Kinderhort Wirbelwind und den Waldkindergarten.

Die Betriebserlaubnis durch das Landratsamt ist mit einer Maximalzahl verknüpft. Deshalb gibt es für Familien, die unterm Jahr zuziehen, eigentlich nie sofort einen Platz, weil die Kapazitäten aller Einrichtungen dann in der Regel voll ausgeschöpft sind.

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