"PriMa" plant Verkehrsforum

Der Brucker Kreisel an der Ortseinfahrt aus Rimsting und Atzing war das bisher letzte größere Verkehrsprojekt, das der Markt Prien verwirklicht hat.  Foto Archiv Berger
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Der Brucker Kreisel an der Ortseinfahrt aus Rimsting und Atzing war das bisher letzte größere Verkehrsprojekt, das der Markt Prien verwirklicht hat. Foto Archiv Berger

Touristen fühlen sich in aller Regel wohl in Prien - wenn da der viele Verkehr nicht wäre. Anläufe, ihn anders zu leiten und zu beruhigen, gab und gibt es immer wieder - punktuelle Verbesserungen auch, wie zum Beispiel den Bau des Brucker Kreisels vor einigen Jahren.

Martin Aufenanger, Geschäftsführer der Prien Marketing GmbH ("PriMa"), möchte nun einen neuen Versuch unternehmen, den Priener Verkehr nach Verbesserungsmöglicheiten zu durchleuchten. Am 19. und 20. Juni plant er ein "Verkehrsforum" und hofft auf viele Beiträge aus der Bürgerschaft.

Prien - "Experten: Tunnel nicht machbar" und "Kleine Umfahrung für Ortskern": Zwei Überschriften aus Chiemgau-Zeitungen der Jahre 1998 und 1999. Sie belegen stellvertretend, dass der Verkehr die Kommunalparlamente seit vielen Legislaturperioden umtreibt. Den Tunnel unter Trautersdorf als Herzstück einer Ortsumfahrung hielten Fachleute damals für unrealistisch, weil eine Verkehrszählung ergeben hatte, dass nicht der gewünschte Entlastungseffekt zu erzielen ist. Über zwei Drittel des Priener Verkehrs waren nämlich - und sind wahrscheinlich immer noch - von den Einheimischen hausgemacht, nur der geringere Teil Durchgangsverkehr.

Kleine Umfahrung war nicht durchsetzbar

Die (damals beschlossene) kleine Umfahrung über Beilhack-, Bach- und Geigelsteinstraße, die heutzutage immer wieder als Umleitungsstrecke praktiziert wird, wenn Bernauer und Alte Rathausstraße bei Großveranstaltungen gesperrt sind, erwies sich als dauerhaft nicht mach- und durchsetzbar. Die Anwohner der schmalen Straßen protestierten, Kurvenradien sind für große Lkw-Gespanne zu eng.

Diese und andere Varianten kleiner Ortskernumfahrungen wurden auch im Bürgerbeteiligungsverfahren "Ortskernentwicklung und Verkehr" 2004/2005 diskutiert. Aus diesem professionell begleiteten Programm mit diversen Bürgerinformationsveranstaltungen und Arbeitskreisen entstand ein 42-seitiges Handbuch mit Visionen und einem umfangreichen Maßnahmenkatalog. Auf Platz eins der Wunschliste: ein Kreisel am damaligen "Chiemsee Center", also an der Ortseinfahrt aus Rimsting und Atzing, der dann tasächlich auf den Weg gebracht und 2008/09 gebaut werden konnte. Auf Platz zwei: ein Kreisel am Marktplatz, von dem in der Öffentlichkeit seither so gut wie nie mehr etwas zu hören war. Einige andere kleinere Maßnahmen wie Radschutzstreifen wurden umgesetzt, andere wie ein Anrufsammeltaxi scheiterten.

Entspannung an einem neuralgischen Verkehrsknotenpunkt soll ein "Minikreisel" an der Kreuzung See-/Hochriesstraße bringen, dessen Bau der Gemeinderat vor Jahren beschlossen, aber zwischenzeitlich wieder zurückgestellt hat, weil der kleine Kreisverkehr am Rande des Planungsgebiets Bahnhof liegt, für das zurzeit ein Bebauungsplan entworfen wird mit Wohn- und Geschäftshäusern auf einem Bahngrundstück direkt neben dem Kreisel. Eine Tiefgarage ist Bestandteil des Konzepts, aber noch unklar, ob die Zu- und Ausfahrt über die See- oder die Hochriesstraße gebaut wird. Das wiederum beeinflusst den "Minikreisel".

Im Oktober 2014 hat der Marktgemeinderat zwei Anträge aus der Bürgerschaft für Tempo-30-Zonen in Wohngebieten bis auf Weiteres zurückgestellt. Das Tempo-30-Thema soll flächendeckend für ganz Prien in ein Gesamtkonzept gegossen werden, das ein fraktionsübergreifender "runder Tisch Verkehr" erarbeiten soll. Nach Informationen der Chiemgau-Zeitung hat dieses Gremium aber bisher noch nicht einmal getagt, weil es keine Einigkeit über den politischen Proporz am runden Tisch gab.

"Tourismus braucht eine Stimme"

Diese und andere Beispiele aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zeigen, wie komplex und vielschichtig das Thema Verkehr ist. Umso umfangreicher könnte das Verkehrsforum werden, das "PriMa"-Chef Aufenanger am Freitag, 19., und Samstag, 20. Juni, im kleinen Kursaal plant. Besonders die touristischen Aspekte interessieren ihn.

"Der Tourismus braucht eine Stimme", sagt Aufenanger im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung und verweist auf den Status Priens als Luft- und Kneippkurort. Im Foyer soll eine Ausstellung nicht nur Fahrräder und E-Mobilität zeigen, sondern auch Unterlagen früherer Verkehrsuntersuchungen und Bürgerbeteiligungen. Auch die Chiemgau-Zeitung wird aus ihrem Archiv dazu beitragen.

Im Kursaal sollen sich Vorträge und Diskussionen abwechseln, Referenten können und sollen Aufenanger zufolge nicht nur Fachleute sein. Auch Bürger können sich bei ihm unter maufenanger@tourismus.prien.de melden, wenn sie Ideen vorstellen und zur Diskussion stellen möchten. Thematische Stichpunkte in der Mail wären hilfreich. Eine Podiumsdiskussion am Samstag Abend soll das Verkehrsforum abschließen.

Der "PriMa"-Chef selbst, der sein Interimsamt voraussichtlich im Herbst an einen neuen Geschäftsführer abgeben wird und auch im Marktgemeinderat sitzt, sieht Handlungsbedarf vor allem bei der Anbindung des Hafenbereichs an den Ortskern und bei der "Entschleunigung" der Seestraße. Einen ersten Vorschlag, wie die Verkehrsache zwischen Zentrum und Chiemsee Allee-artig mit großzügigen Geh- und Radwegen umgestaltet und der Autoverkehr deutlich beruhigt werden könnte, hatte vor Jahren ein Arbeitskreis Ortsentwicklung skizziert, nachdem die bisherige Kreisstraße vom Landkreis per Vertrag in kommunale Hand übergegangen war und der Markt Prien damit auch die Planungshoheit gewann. Seitdem ruht dieses Thema.

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