Priens Zweiter Bürgermeister Michael Anner führt derzeit die Amtsgeschäfte der Marktgemeinde

„Ein gutes, aber auch ungewohntes Gefühl“ für Michael Anner junior: Derzeit vertritt der Zweite Bürgermeister der Marktgemeinde Prien den Ersten, der in Urlaub weilt.
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„Ein gutes, aber auch ungewohntes Gefühl“ für Michael Anner junior: Derzeit vertritt der Zweite Bürgermeister der Marktgemeinde Prien den Ersten, der in Urlaub weilt.

Der Erste Bürgermeister der Marktgemeinde Prien, Andreas Friedrich genehmigt sich nach Wahlkampf und Amtsantritt eine Woche Urlaub. Vertreten wird er in dieser Zeit von Michael Anner junior. Über seine Erfahrung sprach der Zweite Bürgermeister jetzt mit der Chiemgau-Zeitung.

Prien – Der neue Marktgemeinderat hatte Anfang Mai Michael Anner junior (CSU) mit 19:6 Stimmen zum Zweiten Bürgermeister gewählt – jetzt lenkt er auf dem Chefsessel im Rathaus für kurze Zeit die Geschicke Priens. Denn Erster Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) hat Urlaub. Wie sich diese Vertretungssituation für ihn „anfühlt“, erfuhr die Chiemgau-Zeitung im Gespräch mit dem 50-Jährigen, der hauptberuflich als Privatkunden-Berater eines Finanzunternehmens arbeitet.

Der Zweite auf dem Chefsessel des Ersten – was ist das für ein Gefühl?

Ein gutes Gefühl – auch ein ungewohntes, weil ich seit Mai erst ein Mal die Vertretung von Andreas Friedrich übernommen habe. Jetzt hat er eine Woche Urlaub – und mir macht die Arbeit hier Spaß…

…weil Sie endlich mal am Ziel Ihrer politischen Träume angekommen sind – auf dem Chefsessel im Rathaus?

Nein – ich muss sagen, ich bin mit dem Amt des Zweiten Bürgermeisters sehr zufrieden. Ich habe bei der Kommunalwahl ja nicht kandidiert für den Ersten.

Welche Aufgabe haben Sie in der Vertretungsphase zu bewältigen?

Die Woche beginnt mit dem Treffen der Fachbereichsleiter am Montag, in der besprochen wird, was ansteht. Das ist für mich nichts Neues, weil ich bisher an diesen Besprechungen teilgenommen habe, um informiert zu sein. Am Donnerstag steht die Nächste an mit den Meistern des Bauhofs, der Gewerke und Gärtnerei; montags geht’s um die Theorie, donnerstags um die Umsetzung.

Wie gestaltet sich dabei die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?

Ich habe dass Gefühl, dass ich voll integriert bin.

Wie hat sich in der Vertretungsphase Ihr Blickwinkel auf die arbeitstechnische Situation in der Gemeinde verändert?

Der hat sich schon bei meinem Antritt als Zweiter Bürgermeister geändert, weil ich durch Andreas Friedrich gleich von Anfang an zum Beispiel in die Entwicklung von Vorlagen eingebunden worden bin und seitdem auch in der Verantwortung stehe.

Drei Bürgermeister aus drei politischen Lagern – wie funktioniert da eine harmonische Arbeit?

Wir haben eine sehr sachliche Sicht der Dinge. Mit dem Ersten Bürgermeister bin ich bei den Themen, die mir wichtig sind, ziemlich deckungsgleich. Das erleichtert die Zusammenarbeit wesentlich; er nimmt auch Anregungen auf und wir sind stark im Austausch. Auch mit dem Drittem Bürgermeister Martin Aufenanger (Freie Priener) habe ich im alten Gemeinderat schon sechs Jahre gut zusammengearbeitet. Das passt alles gut auf sachlicher Ebene.

Wie weit gehen die Befugnisse des Zweiten in Vertretung des Ersten?

Ich bin berechtigt, das zu tun, was der Erste macht; auch alles abzuzeichnen.

Haben sie Ihre politische Gesinnung in dem Amt zurückdrängen müssen?

Schon in der Zeit, als ich im Gemeinderat Fraktionssprecher der CSU war, habe ich immer versucht, sachlich bezogene Arbeit zu leisten, die gut ist für Prien. Die Parteipolitik steht im Gemeinderat für mich an zweiter Stelle. Da hat sich nichts geändert.

Hat es Ihnen auf dem Chefsessel schon die Schweißperlen auf die Stirn getrieben?

Direkt nicht – aber am Freitag hatte ich ein etwas ungutes Gefühl beim Blick auf den Wetterbericht. In dieser kurzen Wahlperiode hatten wir schon zwei Unwetterlagen in Prien. Da habe ich den Ersten Bürgermeister in die Feuerwehreinsatzzentrale begleitet, um mir ein Bild zu machen, was zu tun ist, wenn die Vertretungssituation für mich greift.

Beruf und Ehrenamt – beides fordert hohe Verantwortung. Wie funktioniert das?

In dieser Vertretungsphase teile ich Beruf und Amt je zur Hälfte, das funktioniert ganz gut. Beruflich werde ich meine Arbeitszeit aber zukünftig etwas reduzieren, damit ich meine Amtsaufgaben auch mit gutem Gewissen erfüllen kann.

Interview: Ulrich Nathen-Berger

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