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Priens Pfarrer ruft zur Corona-Weihnacht zu Kreativität auf: „Maria und Josef ging es auch so“

Pfarrer Klaus Hofstetter wünscht sich, dass die Menschen an Weihnachten der Kreativität Raum geben und daraus etwas entsteht.
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Pfarrer Klaus Hofstetter wünscht sich, dass die Menschen an Weihnachten der Kreativität Raum geben und daraus etwas entsteht.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Prien – Pfarrer Klaus Hofstetter hat das Ohr ganz nah an den Menschen. Der Geistliche ist vielen wichtiger Ansprechpartner in der belastenden Corona-Zeit, gerade jetzt zu Weihnachten. Die Chiemgau-Zeitung sprach mit ihm über Sorgen, die überzogenen Erwartungen an Weihnachten und die Herausforderung, aufeinander acht zu geben.

Viele Menschen sind verunsichert, ängstlich, manche sogar depressiv, weil die Krise nicht enden will. Wie erleben Sie die Stimmung?

Pfarrer Klaus Hofstetter: Sie bringen es ganz gut ins Wort. Einerseits sagen Leute ,Ah‘, es wird dieses Jahr ein ruhigeres Weihnachten. Auf der anderen Seite, was nicht gleich gesagt wird: Sorge, Angst, manchmal auch Panik, Angst vor Vereinsamung.

Die Traditionen, über die man denken kann, was man will, sind aber auch wertvoll und geben Halt. Vieles davon geht dieses Jahr nicht. Das merke ich, weil das Seelsorge-Handy öfter klingelt, weil vermehrt Menschen kommen mit der Bitte um ein Gespräch. Das sind dann nicht nur kurze Gespräche, da kommt manchmal das ganze Leben raus.

Haben Sie das Gefühl, dass da Dinge angesprochen werden, über die vielleicht Jahre nicht mehr nachgedacht und gesprochen wurde?

Hofstetter: Manche Menschen haben mehr Zeit und kommen ins Nachdenken. Aber ich glaube, dass jeder spürt: ,Was trägt mich denn, was gibt mir Halt, was ist mir wichtig, was bricht gerade weg von meinem Fundament?‘ Und dann kommen Dinge hoch. Und dann ist es wertvoll, wenn jemand sagt, oh, jetzt rühr ich mich bei der Kirche, beim Seelsorger.

Dadurch werden wir zurückgeworfen auf das Wesentliche, nämlich für die Menschen dazu sein.

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Was treibt die Menschen gerade um in dieser Zeit?

Hofstetter: Ich würde sagen das Thema Nummer eins sind Beziehungen. Jetzt wird einem bewusst, wie wertvoll sie sind. Da ist auch die Sorge um die, die man jetzt nicht besuchen kann, um Alte und Kranke.

Dann sind es existenzielle Ängste, finanzielle, um den Arbeitsplatz.

Bei Jugendlichen erlebe ich auch die Angst, dass ihnen die ganze Zukunft verbaut wird.

Hofstetter: Und noch ein Drittes: Schuld. Bin ich schuld, wenn jemand erkrankt ist, wenn meine Mutter allein im Krankenhaus sterben muss? Die Schuld, weil man vielleicht früher etwas versäumt hat.

Der Jugend wurde ja heuer öfter nachgesagt, zu sorglos zu sein. Erleben Sie die jungen Leute anders?

Hofstetter: Ich denke, es gibt in jeder Generation solche und solche. Ich merke ja manchmal auch selber, dass ich im Frühjahr viel vorsichtiger war und mir jetzt wieder sagen muss: Klaus, gib Obacht, vor allem, um der andern willen.

Ich erlebte auch in der jüngeren Generation Verantwortung, auch Ernsthaftigkeit, aber auch die Freude, leben zu wollen.

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Auch für die Kirchen gelten Corona-Auflagen. Ist es aus Ihrer Sicht möglich, Weihnachten richtig zu feiern?

Hofstetter: Ich habe schon die letzten Jahre immer versucht, die Erwartungen zurückzuschrauben. Was ist denn, wenn alles perfekt geplant ist und die Rahmenbedingungen stimmen und dann entsteht wegen einer Lappalie ein Streit in einer Familie um den Christbaum? Dann ist auch das nicht unbedingt ein schönes Weihnachtsfest.

Dieses Jahr ist vieles, was man lieb gewonnen hat, nicht möglich. Das ist schmerzlich. Aber ich hoffe und wünsche, dass jeder von uns der Kreativität und der Leere Raum gibt und das daraus etwas entsteht.

Für mich ist das Symbol dieser Weihnacht die leere Krippe, das Stroh – in dieser Armseligkeit.

Wer weiß, was Gott dort hineinlegt in unser Herz, in unsere Gemeinschaft, die Gesellschaft, in die ganze Welt.

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Wie oft sind Sie mit Ihrem Seelsorgeteam in den vergangenen Wochen zusammengesessen und haben sich den Kopf zerbrochen, wie Sie mit den immer neuen Vorschriften das Beste machen können?

Im Herbst hatte ich bei einem Treffen mit den Pfarrverbandsräten die Ehrenamtlichen eingeladen, sich zu fragen:: Was ist Dir wichtig an Weihnachten 2020? Es kam ganz viel ,Stille Nacht‘, Familie, Licht, Wärme. Und es kam ganz selten Kirche und Feierlichkeit.

Dann haben wir geplant. Natürlich hat es uns die Planungen über den Haufen geschmissen, das erfordert viel Flexibilität, aber letztlich ging es Maria und Josef auch so, die keine Herberge gefunden haben, vor verschlossenen Hotels und Restaurants standen und letztlich im Stall gelandet sind.

Wir können zum Glück im Freien die Kinderkrippenfeiern und Andachten im Friedhof machen – und wir haben Weihnachten ausgedehnt bis Sonntag, 27. Dezember, wo wir auch noch festliche Gottesdienste feiern. So hoffe ich, dass für jeden was dabei ist.

Und Sie können das Internet aufmachen: kimmst.de, da können Sie ,Stille Nacht‘ oder ,Oh Du Fröhliche‘ mitsingen.

Zum Schluss ein Blick voraus: Es deutet vieles drauf hin, dass wir noch eine Weile durchhalten müssen. Was haben Sie für ein Gefühl für 2021?

Hofstetter: Ich selber merke, das es zehrt, aber ich bin nicht der, der jammert. Ich möchte das Beste daraus machen. Realistisch ist, dass uns die Corona-Pandemie noch viele Monate begleitet und dass wir gefordert sein werden, aufeinander acht zu geben und miteinander das Beste aus dieser Situation zu machen.

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