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EIN JAHR IM AMT

Priens Gemeindeoberhaupt Andreas Friedrich spürt noch kein „Bürgermeisterfeeling“

Bürgermeister Andreas Friedrich an seinem Schreibtisch im Rathaus.
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Bürgermeister Andreas Friedrich an seinem Schreibtisch im Rathaus.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Mit 52,5 Prozent der Stimmen setzte sich Andreas Friedrich (ÜWG) in Prien bei der Bürgermeister-Stichwahl Ende März 2020 gegen Annette Resch (CSU) durch und wurde Nachfolger von Jürgen Seifert (parteilos). Nach dem ersten Corona-Amtsjahr hat die Chiemgau-Zeitung mit dem 33-Jährigen eine Zwischenbilanz gezogen.

Als im Herbst 2019 Ihr Entschluss fiel, zu kandidieren, ahnte niemand etwas von der Corona-Pandemie. Wie sehr hat sie Ihr erstes Amtsjahr geprägt, was ist alles anders als in „normalen“ Jahren?

Andreas Friedrich: Man muss definitiv kurzfristiger auf die vielen, sich oft verändernden Regelungen und Bestimmungen aus München oder Berlin reagieren. Das erfordert von allen Beteiligten mehr Flexibilität. Als extrem schwierig sehe ich die fehlenden Kontaktmöglichkeiten. Es fehlt der persönliche Austausch beim Wirt oder bei Vereinsveranstaltungen, wo man zu normalen Zeiten Ideen austauschen und diskutieren und auf diese Weise verschiedenste Ansichten zu einem Thema sammeln kann, bevor man dann final entscheidet.

Sind Sie trotz aller Hürden und Schwierigkeiten schon voll und ganz im Amt angekommen?

Friedrich: Zum Teil. Im Rathaus sitze ich fest im Sattel. Auch bei Themen, mit denen ich in meinem Berufsleben zuvor nicht konfrontiert gewesen bin, wie zum Beispiel dem sehr komplexen Baurecht. Was fehlt, sind die öffentlichen Auftritte. Ein richtiges „Bürgermeisterfeeling“ ist da bisher noch nicht aufgekommen. Momentan ist das Bürgermeisteramt leider mehr ein reiner Bürojob.

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Wie interpretieren Sie Ihre Rolle? Sind Sie ein Rund-um-die-Uhr-Bürgermeister, der immer und überall ansprechbar ist?

Friedrich: Mit dem Amt habe ich nicht nur die Verantwortung für fast 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch für die Gestaltung der Lebensbedingungen von fast 11 000 Einwohnern übernommen. Da gehört es natürlich dazu, dass Handy oder den Laptop nicht beim Verlassen des Rathauses auszuschalten, sondern auch nachts oder am Wochenende erreichbar zu sein.

Auch beispielsweise beim Einkaufen ist es mir schon öfters passiert, angesprochen zu werden. Das waren aber jedes Mal sehr nette Begegnungen und natürlich gehört auch das zum Amt dazu.

Wenn ich einmal wirklich meine Ruhe haben möchte, dann nehme ich mir aber auch das Recht heraus, dies ganz offen zu sagen.

Nicht nur auf dem Chefsessel gab es einen Wechsel. Im 24-köpfigen Marktgemeinderat gibt es zwei Drittel neue Gesichter. Haben Sie das mehr als Chance für Neues oder als Verzögerung für eine Zeit der Einarbeitung und Eingewöhnung wahrgenommen?

Friedrich: Insgesamt betrachtet arbeitet der Gemeinderat sehr gut zusammen. Ich glaube, jeder im Gremium hat genauso wie ich großes Interesse daran, unsere Heimat positiv zu gestalten. Die „Neuen“ bringen zum Teil andere Ansichten und frischen Wind ins Gremium. Das sehe ich tatsächlich als Chance für Neues.

Schwierig würde es aber dann werden, wenn plötzlich wichtige Vorarbeiten aus Gremien oder Workshops aus der Vergangenheit im Kern angezweifelt oder verworfen werden sollten.

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Der Markt Prien steht vor großen Aufgaben, zum Teil erfolgten die Weichenstellungen in der alten Legislaturperiode. Für Großprojekte einen neuen Kinderhort, einen Kindergarten in Wildenwart, ein Hackschnitzelheizwerk oder die Umgehung von Prutdorf sind enorme finanzielle Ressourcen gebunden. Fühlen Sie sich sehr im eigenen Gestaltungsspielraum eingeengt?

Friedrich: Es ist richtig, dass diese Wahlperiode zum großen Teil noch von Projekten des vorherigen Gemeinderates geprägt sein wird. Diese sind aber nach der Wahl ja nicht weniger wichtig und drängend geworden. Auch sind Kontinuität und Verlässlichkeit enorm wichtig, was die Gemeindeentwicklung angeht. Entscheidend ist einfach, dass diese ganzen offenen Baustellen nun entschlossen angegangen werden.

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Und zu den genannten Großprojekten gibt es überwiegend nur Grundlagenbeschlüsse; Detailplanungen etc. fehlen, sodass man die Fußspuren aus der vergangenen Legislaturperiode auch verlassen und neue Wege gehen kann. Insofern fühle ich mich hier nicht im Gestaltungsspielraum eingeengt.

Das öffentliche Leben liegt seit Ihrem Amtsantritt weitestgehend lahm. Wo sonst oft ein Abendtermin den nächsten jagt, passiert kaum etwas. Was tun Sie, um trotzdem das Ohr ganz nah an den Prienern zu haben?

Friedrich: Ich führe viele Telefonate und nutze auch Kanäle wie Facebook oder Instagram, um mit den Prienern in Kontakt zu kommen.

Zum Bürgermeister kommen viele, die etwas auf dem Herzen haben, die einen Wunsch haben. Haben Sie sich schon dran gewöhnt, auch mal nein zu sagen, wenn ein Wunsch zum Beispiel aus rechtlichen Gründen nicht erfüllt werden kann?

Friedrich: Das ist in der Tat nicht immer ganz leicht, denn viele Wünsche haben auch eine gewisse Vorgeschichte oder sind in sich sehr schlüssig und vor allem auch oft persönlich nachvollziehbar.

Meine Aufgabe sehe ich dann darin, gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten oder Kompromissen zu suchen. Wo das aber nicht geht, ist es wichtig, dies frühzeitig und offen zu kommunizieren.

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Hand aufs Herz: Wie erleben Sie es, wenn die Mehrheit im Gemeinderat mal gegen den Bürgermeister stimmt?

Friedrich: Diese Situation soll tatsächlich vorkommen (lacht). Beim ersten Mal war ich ehrlich gesagt noch ziemlich enttäuscht. Das war der Beschluss, ob wir den neuen Kinderhort jetzt mit oder ohne Keller bauen. Sich darüber zu ärgern bringt einen aber weder persönlich, noch in der Sache weiter und im Übrigen muss die Meinung eines Bürgermeisters nie die allein gültige sein.

Wichtig ist dann, zu versuchen, das Beste aus dem vorliegenden Beschluss zu machen – wenn wir bei meinem Beispiel bleiben habe ich mir also überlegt, wie man diesen Keller nun für eine sinnvolle Nutzung gestalten könnte und diese Planung wurde dann ja auch bei nur einer Gegenstimme vom Gemeinderat angenommen.

Was war der bisher schönste Moment, welcher der schwierigste?

Friedrich: Einer der bewegendsten Momente war, als ich unserem früheren Zweiten Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster die Ehrenbürgerwürde verleihen durfte und wir uns dabei lange in die Augen gesehen und ganz fest die Hände gedrückt hatten.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Der schönste Moment war die Eröffnung der Kunstzeit im vergangenen Jahr. Es war die erste kleine Veranstaltung, die nach dem Lockdown hat stattfinden können. Ein spürbares Aufatmen und die Gespräche mit den Anwesenden sowie mit den Künstlern habe ich noch in guter Erinnerung.

Der schwerste Moment war die Beisetzung von Robert Gmeiner (unter anderem ehemaliger Friedhofswärter und Bauhofmitarbeiter, Anm. d. Red.). Bei meiner kurzen Rede am Grab gefasst zu bleiben war nicht einfach, da ich Robert auch privat ganz gut kannte. Interview: Dirk Breitfuß

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