Interview mit Andrea Hübner

Priener Tourismus wieder im Aufwind: Sommersaison kehrt Negativ-Trend um

Die Marktgemeinde Prien wurde nach Aufhebung der Corona bedingten Reisebeschränkung von Juni bis August von Gästen regelrecht überrannt. Berger
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Die Marktgemeinde Prien wurde nach Aufhebung der Corona bedingten Reisebeschränkung von Juni bis August von Gästen regelrecht überrannt. Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
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Nach Aufhebung der Corona bedingten Reisebeschränkungen wurde Prien zwischen Juni und August von Gästen regelrecht überrannt. Damit wurde der Negativ-Trend der touristischen Entwicklung gestoppt, erklärte Andrea Hübner, Geschäftsführerin der Prien Marketing GmbH im Interview mit unserer Zeitung.

Prien – Nur noch Stornos flatterten nach dem Corona bedingten Lock-Down den Hotels und Urlaubsbauernhöfen auch in Prien und Umgebung ins Haus; eine katastrophale Situation auch für viele Vermieter von Zimmern und Ferienwohnungen. Viele standen am Rand ihrer Existenz. Laut Statistischem Landesamt brachen die Übernachtungszahlen um mehr als 40 Prozent ein. Nach Aufhebung der Reisebeschränkungen gab‘s dann einen Ansturm von Gästen auf die Marktgemeinde. Über die touristische Entwicklung in der Marktgemeinde sprach die Chiemgau-Zeitung mit Andrea Hübner, Geschäftsführerin der Prien Marketing GmbH (Prima) in einem Interview.

Wie hat sich die Corona-Pandemie heuer auf die touristische Entwicklung der Marktgemeinde ausgewirkt?

Andrea Hübner: In den Monaten März und April hat sich der Lock-Down stark bemerkbar gemacht, weil unter anderem auch die Hotels schließen mussten. Da gingen die Zahlen runter. Positiv gestimmt hat uns dann die Entwicklung in den Monaten Juni, Juli und August, die wie im Vorjahr vergleichsweise hoch war.

Prima-Geschäftsführerin Andrea Hübner.

Wie haben sich die Zahlen bei den Ankünften und Übernachtungen dargestellt?

Andrea Hübner: Einschließlich August haben wir ohne Kliniken knapp 44 000 Ankünfte verzeichnet, bei den Übernachtungen 152 000.

Wie stellen sich diese Zahlen im Vergleich zum Vorjahr dar?

Andrea H.: Bei den Ankünften hatten wir eine Negativ-Entwicklung von minus 39 Prozent, in Zahlen rund 28 000; bei den Übernachtungen von minus 28 Prozent oder knapp 59 000. Nach der Aufhebung der Corona bedingten Einschränkungen im Mai hatten wir im Vergleich zum Vorjahr ein Defizit von 70 Prozent. Aber die erfolgreiche Sommersaison hat die negativen Zahlen anschließend etwas ausgleichen können.

„Kauf in Prien ein und Gewinner sein“ – was war das Ziel dieser Gewinnspielaktion?

Andrea H.: Wir wollten damit den Einzelhandel, das Handwerk wie auch die Gastronomie und Hotellerie unterstützen, die durch Pandemie bedingte Schließungen gelitten hatten.

Wie stellt sich das Ergebnis in Zahlen dar?

Andrea H.: Die 2643 eingereichten Rechnungen hatten insgesamt einen Wert von knapp 340 000 Euro. Davon entfielen rund 305 000 Euro auf den Einzelhandel, der Rest auf die Gastronomie und Hotellerie.

Welchen Tenor hatten die Rückmeldungen aus den Geschäftsbereichen?

Andrea H.: Einen sehr positiven – es wurde vielfach der Wunsch geäußert, dieses Gewinnspiel zu wiederholen oder eine ähnliche Marketingmaßnahme durchzuführen.

Aus welchen Regionen kamen die Teilnehmer? Waren sie alle aus Prien?

Andrea H.: 2162 kamen aus Bayern, davon haben rund 90 Prozent ihren Wohnsitz in Prien und Umgebung.

Natürlich haben Frauen mehr eingekauft als Männer…

Andrea H.: …ja, tatsächlich, zu 90 Prozent wurden die Rechnungen von Damen eingereicht.

Eine weitere Marketing Aktion war auch heuer der Herrenchiemsee-Lauf. Lässt es sich reflektieren, welche touristische Auswirkung für Prien damit verknüpft war?

Andrea H.: Heuer wird er Ende Oktober stattfinden, am 24. und 25 Oktober. Bisher haben sich 950 Teilnehmer angemeldet; 650 für den Samstag und 300 für den Sonntag. Mit Blick auf 2019: Das Feedback der Hotellerie und Beherbergungsbetriebe war durchweg positiv. Alle Unterkunftsarten von Hotel bis Privatvermieter und die Campingplätze haben Läufer beherbergt, die auch als „gute Gäste“ beurteilt wurden.

Wie lässt sich bei dieser Zahl die Hygiene-Regelung für Veranstaltungen umsetzen?

Andrea H.: Wir könnten eine solch große Sportveranstaltung nicht durchführen, weil wir keine entsprechende Versicherung haben. Deshalb ist die München Marathon GmbH mit im Boot. Die hat zum Beispiel in normalen Zeiten über 20 000 Menschen auf der Straße. Für die Herreninsel hat sie ihr Hygienekonzept angepasst.

Wie wird sich der Herbst aus touristischer Sicht in puncto Nachfrage und Programm gestalten?

Andrea H.:Der Herbst ist noch sehr gut nachgefragt, sogar bis hin zum Dezember. Wir halten auch am Christkindlmarkt fest, das haben wir gestern im Tourismusausschuss des Marktgemeinderats beschlossen – sofern die Behörden das zulassen werden.

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