Priener starten Senegal-Projekt

Uta Mewes, Babakar Sider Signane und Helke Fussell (von links) wollen ein Hilfsprojekt im Senegal starten. rucker
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Uta Mewes, Babakar Sider Signane und Helke Fussell (von links) wollen ein Hilfsprojekt im Senegal starten. rucker

Zwei Priener Frauen wollen gemeinsam mit einem Flüchtling aus dem Senegal ein Projekt auf die Beine stellen. Sie wollen Musa, ein senegalesisches Dorf in Armut, mithilfe von Arbeit in der Landwirtschaft entwickeln. Um das Ganze aber zeitnah verwirklichen zu können, sind die Organisatoren noch auf finanzielle Hilfe angewiesen.

Prien – Babakar Sider Signane aus dem Senegal kam vor zwei Jahren nach Deutschland. Seit einem Jahr und elf Monaten ist er jetzt in Prien. Der 32-Jährige kennt viele Leute hier, erzählt er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Auch hat er zum Beispiel bei „Klang der Welt“ in Prien getanzt und getrommelt. Da Senegal aber als sicheres Herkunftsland gilt, durfte er hier nicht arbeiten und muss nun wieder zurück in seine Heimat.

Uta Mewes hat mit Babakar Deutsch geübt und ihn so näher kennengelernt. Als klar wurde, dass Babakar wieder zurück in den Senegal muss, entstand eine ganz besondere Idee – zusammen ein landwirtschaftliches Projekt in Babakars Heimatdorf Musa auf die Beine zu stellen. Ziel des Projektes ist es, die Armut der etwa 300 Menschen in Musa zu bekämpfen und durch Arbeit in der Landwirtschaft ein regelmäßiges Einkommen zu sichern. Das Projekt nennt sich „Sukouli sense Musa“, was Babakar mit „Entwicklung von Musa“ übersetzt.

Zuerst waren sie nur zu zweit, Hauptorganisatorin Mewes suchte aber irgendwann Hilfe bei ihrer Freundin Helke Fussell, die sehr gut Französisch spricht. Babakar spricht zwar ein bisschen Deutsch, kann sich aber oftmals in Französisch besser ausdrücken. Zuerst übersetzte Fussell nur, bis sie dann plötzlich „mitten im Projekt steckte“. „Wir haben uns super ergänzt und sind einfach ein Dreamteam“, so Fussell weiter.

Die Prienerin Uta Mewes, selbst Gärtnerin, teilt mit Babakar auch die Liebe zur Landwirtschaft. Seit Babakar sechs Jahre alt war, arbeitete er auf den Feldern in Musa – so wie schon sein Großvater. Babakars Vater versuchte dann alles, um das Dorf zu entwickeln. Ihm gehörten mehrere Hektar Land und er brachte allen bei, wie man Gemüse anbaut. Auch bezahlte er eine Wasserversorgung für die Felder. Somit konnte auch außerhalb der Regenzeit etwas angebaut werden.

Für Bewässerung der Felder fehlte das Geld

Doch vor sieben Jahren starb Babakars Vater, die Felder gingen an seine vielen Kinder. Babakar erbte zusammen mit vier Geschwistern fast zehn Hektar Land. Genutzt werden konnte das Land aber ausschließlich in der Regenzeit, da für die Bewässerung das Geld fehlte. Deswegen haben sie auch kein Gemüse anbauen können – nur Mais und Erdnüsse.

Ziel des Projektes ist es nun, die Landwirtschaft wieder richtig aufzubauen und die Existenz der Dorfbewohner zu sichern. „Ich will den Leuten in Musa zeigen, dass wir auch im Senegal gut leben können“, so Babakar.

Es sollen zum Beispiel Tomaten, Karotten, Auberginen, Mais und Erdnüsse angebaut werden. Zudem will er auch Hühner züchten. Damit das alles funktioniert, müssen aber noch einige Dinge gekauft und gebaut werden – wie zum Beispiel eine Bewässerungsanlage, eine Lagerhütte und ein Hühnerstall. Die Erträge werden dann in Dakar, der Hauptstadt des Senegals, verkauft. Natürlich wird die Ernte auch zum großen Teil für die Versorgung der Dorfbewohner genutzt. „Mein Vater hat sich immer um alle im Dorf gekümmert, jetzt will ich das machen“, erklärt Babakar.

Das Projekt soll möglichst zeitnah verwirklicht werden. Mitte Mai soll Babakar schon zurück in sein Dorf fliegen. „Es ist wichtig, dass das Projekt in dieser Zeit startet, weil da Regenzeit im Senegal ist. So herrschen die besten Bedingungen für den Anbau“, erklärt Mewes. Auch sie will nach Musa fliegen, „wenn alles klappt“.

Jetzt sei es aber erstmal wichtig, die Finanzierung zu klären, so Mewes. Das Projekt wurde von mehreren Personen und Institutionen durchkalkuliert, berichten die beiden Frauen. Ein Startkapital haben sie schon von der „Zentralen Rückkehrberatung“ – eine Institution, die Flüchtlingen hilft, in ihr Heimatland zurückzureisen und Existenzgründung fördert – bekommen, nun sind sie auf zusätzliche Hilfe und Spenden angewiesen.

Babakar erhofft sich von dem neuen Projekt, dass die Landwirtschaft in seinem Dorf, in Musa, wieder funktioniert und die Menschen dort ein besseres Leben haben. Ein großer Traum von ihm sei auch, dass ihn irgendwann seine Freunde aus Prien im Senegal besuchen kommen.

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