Quarantäne und Distanzunterricht

Priener Schulleiter fordern: Corona darf keine Nachteile für Schüler bringen

Unterrichtsende am Mittwoch Mittag am LTG: Weil die Hälfte der Gymnasiasten wegen des „Hybridunterrichts“ zuhause lernt, ist die Grüppchenbildung im Pausenhof sehr überschaubar.
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Unterrichtsende am Mittwoch Mittag am LTG: Weil die Hälfte der Gymnasiasten wegen des „Hybridunterrichts“ zuhause lernt, ist die Grüppchenbildung im Pausenhof sehr überschaubar.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Quarantäne und Homeschooling erschweren es Schüler und Lehrern, den Lernstoff wie geplant durchzunehmen. Das kann sich auch in Noten auswirken. Dadurch sollen den Schülern aber keine Nachteile entstehen. Darin sind sich Priener Schulleiter einig.

Prien – Das Schuljahr 2020/21 verlangt Lehrern, Schülern und Eltern sehr viel ab. Homeschooling bei Quarantäne, Masken tragen im Unterricht: Angesichts der besonderen Umstände wurden schon Forderungen laut, Lehrpläne anzupassen oder gar die Notengebung zu verändern, damit Corona-Jahrgänge nicht durchfallen und wegen schlechterer Zeugnisse keine Nachteile haben, zum Beispiel bei Bewerbungen. Die Chiemgau-Zeitung hat vier Leiter weiterführender Schulen im Ort gefragt, wie sie dazu stehen.

Kerstin Haferkorn, Direktorin der staatlichen Chiemsee-Realschule: „Aufgrund der regionalen Schulschließungen wird es wohl schwierig werden, eine einheitliche Lösung zu finden. Ich denke, jede Schule hat aus dem letzten Jahr bereits viele Lehren gezogen. Ich fände es sehr hilfreich, wenn sowohl Politik als auch Eltern ein wenig mehr Vertrauen zu den Schulleitungen haben würden. Diese finden geeignete Wege für ihre Schülerinnen und Schüler, damit wir auch dieses Schuljahr überstehen.“

Andrea Dorsch, Direktorin der kommunalen Realschule Prien: „Die Schülerinnen und Schüler hätten gegenüber anderen Jahrgängen Nachteile auf dem Stellenmarkt. Insofern sollten wir alles dran setzen, die Ansprüche konstant zu halten.“

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Andreas Schaller, Direktor des Ludwig-Thoma-Gymnasiums: „Ich meine, eine Anpassung des Lehrplans und der Notengebung ist dann angebracht, wenn sich Hybridunterricht oder gar eine Schulschließung über viele Wochen hinzieht und sowohl geordneten Unterricht als auch vernünftige Leistungserhebung unmöglich macht. Dann muss der Grundsatz sein: Die Pandemie darf unseren Schülerinnen und Schülern nicht zum Nachteil gereichen. Das war im letzten Schuljahr so und sollte auch in diesem Schuljahr wieder Gültigkeit haben.“

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Marcus Hübl, Rektor der Franziska-Hager-Mittelschule: „Eine Anpassung des Lehrplans und der Notengebung ist aus meiner Sicht für die Mittelschule nicht notwendig. Es gibt in allen Fächern Bereiche, die nicht grundlegend für die nachfolgenden Jahrgangsstufen sind. Als verantwortliche Lehrkraft muss man den Mut haben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und gegebenenfalls Abstriche in anderen Teilbereichen zu machen.

Wichtig fände ich, klare Regelungen für unsere Abschlussschüler zu schaffen, so dass für sie rechtzeitig Transparenz und Klarheit für die Abschlussprüfungen herrschen. Derzeit findet zum Beispiel kein Sportunterricht statt und somit können auch keine Leistungsfeststellungen in diesem Fach erfolgen. Damit ist es schwierig, eine aussagekräftige Jahresfortgangsnote zu bilden, die jedoch Voraussetzung für die Prüfung ist.“

Nach den Herbstferien sind in den weiterführenden Schulen Priens unterschiedlich viele Schüler positiv auf Corona getestet worden. Ein aktueller Überblick mit Informationen der Schulleiter:

Staatliche Chiemsee-Realschule: Seit Dienstag befinden sich zwei Klassen in Quarantäne, nachdem ein Schüler Corona-positiv getestet worden war. Von zuletzt zehn weiteren Schülern, die in Einzel-Quarantäne, waren, sind vier bereits zurückgekehrt. Alle Schüler, die nicht in Quarantäne müssen, befinden sich Präsenzunterricht.

Kommunale Realschule Prien: Zuletzt waren eine fünfte Klasse und ein Lehrer in Quarantäne, nachdem bei einem Fünftklässler zu Beginn der Herbstfeein ein positiver Corona-Test erfolgt war. Bei den Mitschülern waren die folgenden Tests allesamt negativ. Seit Mittwoch sind alle wieder im Haus und haben „ungeteilten Präsenzunterricht“.

Franziska-Hager-Mittelschule: Derzeit sind drei einzelne Schüler nach Corona-Infektionen in den Familien in Quarantäne. Die Schule hatte zuvor einen Fall einer Klasse mit 17 Schülern und dem Lehrer in Quarantäne.

Alle Schüler bleiben im Präsenzunterricht. Der Unterricht erfolgt weiter im gesamten Klassenverband und mit vollem Stundenumfang. Auch das Angebot der gebundenen Ganztagsklassen sowie der offenen Ganztagsschule wird in vollem Umfang weiter aufrechterhalten.

Siebte und achte Klassen nutzen für ihren Unterricht zum Teil die Turnhalle. Sportunterricht mit Maske findet bis auf Weiteres nicht statt. Stattdessen führen die Sportlehrkräfte alternative Bewegungsangebote an der frischen Luft durch.

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Ludwig-Thoma-Gymnasium: Die gesamte Q11 mit 115 Gymnasiasten sowie je eine sechste und eine neunte Klasse sind noch in Quarantäne mit Homeschooling. Nach einzelnen positiven Corona-Fällen mussten sich die Kontakt-Klassen und -gruppen Reihentests unterziehen. Dadurch ist die Zahl der Corona-positiven Schüler auf 17 geklettert. Von ihnen haben aber nur drei leichte Krankheitssymptome gehabt.

Das Tragen der Maske im Unterricht schildern alle vier Schulleiter als äußerst anstrengend. Gerade deshalb loben sie die disziplinierte Umsetzung an ihren Schulen.

Weil die Schüler an Gymnasien durch den Lehrplan sehr oft in wechselnden Gruppen zum Unterricht zusammenkommen, praktiziert das LTG laut Direktor Andreas Schaller derzeit für alle, außer die Fünftklässler, so genannten Hybridunterricht, um Kontakte zu reduzieren. Das heißt, dass die eine Hälfte einer Klasse montags und mittwochs im Schulhaus ist, an den anderen Tagen ist die zweite Hälfte im Präsenzunterricht im Haus. In der folgenden Wochen werden die Tage zwischen den Gruppen getauscht. Dagegen sind alle 83 Lehrkräfte derzeit präsent.

Weitere Informationen rund um die Corona-Pandemie finden Sie auf unserer OVB-Themenseite.

Zur Teilnahme am Unterricht im Homeschooling gibt es Schaller zufolge drei Möglichkeiten. Schüler können über das Programm MS Teams den Unterricht 1 : 1 live als Stream mitverfolgen. „Das klappt in vielem Fällen sehr gut“, berichtet der Direktor. Alternativ verschickt der Lehrer am Nachmittag Arbeitsblätter und anderen Material digital an seine Schüler daheim. Oder er beruft mit den Gymnasiasten im Homeschooling eine Videokonferenz ein.

Damit alle Schüler technisch so ausgestattet sind, dass sie alle Möglichkeiten zur Teilnahme am Homeschooling haben, hat das LTG nach einer Umfrage bei den Eltern aus Mitteln des Landkreises und des Fördervereins kürzlich rund 30 Schüler mit geeigneten Geräten ausgestattet.

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