Priener Realschulen verabschieden ihre Absolventen Corona-gemäß und trotzdem feierlich

Andrea Dorsch, Direktorin der kommunalen Realschule Prien (rechts) mit den Jahrgangsbesten (von links): Kilian Huber, Michael Oischinger, Patrick Seibel, Marina Ettenhuber, Linus Schirm, Franziska Buchner, Lina Reichenberger, Bernadette Stein, Rebekka Blank, Magdalena Obermeier und Johanna Schneider. Berger
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Andrea Dorsch, Direktorin der kommunalen Realschule Prien (rechts) mit den Jahrgangsbesten (von links): Kilian Huber, Michael Oischinger, Patrick Seibel, Marina Ettenhuber, Linus Schirm, Franziska Buchner, Lina Reichenberger, Bernadette Stein, Rebekka Blank, Magdalena Obermeier und Johanna Schneider. Berger

Alle Abstandsregeln und Hygienevorschriften sowie die Sperrung des König Ludwig Saals wegen Umbau konnten die beiden Priener Realschulen nicht aufhalten: Sie bereiteten ihren Absolventen feierliche Abschiede. Trotz Homeschooling in der Vorbereitung schafften die Zehntklässler ihre Mittlere Reife.

Von Dirk Breitfuß

Prien/Aschau – „Ihr habt unsere Vertrauen verdient“, sagte deshalb Andrea Dorsch, Direktorin der kommunalen Realschule. Sie sagte es dreimal in der Turnhalle. Denn um den nötigen Abstand zu wahren und zumindest auch den Eltern die Chance zu geben, , dabei sein zu können, fand die Abschlussfeier klassenweise statt. Rosenheims Landrat Otto Lederer grüßte jedesmal von der Videoleinwand und die Mikrofone wurden zwischen allen Rednern desinfiziert und mit neuer Schutzhülle umhüllt.

Dorsch und Elternbeiratsvorsitzende Stefanie Kuss vergaßen auch nicht auf die Rolle und Herausforderungen der Eltern in den vergangenen Monaten hinzuweisen. „Am, Anfang war es verlockend, nicht in die Schule zu müssen“, aber nach zwei Wochen wollten viele Schüler doch lieber wieder in die Schule“, erinnerte sich Kuss, selbst zweifache Schülermutter. „Sie haben sich von ihrer stärksten Seite gezeigt“, lobte Dorsch die Eltern, die ihren Kindern trotz eigener Sorgen beigestanden und ihnen Mut gemacht hätten.

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„Vor allem wir Mädchen haben uns seit der fünften Klasse auf den Abschlussball gefreut. Aber immerhin können wir heute ein bisschen zusammensein“, gewann Schülersprecherin Angelina Schneider der Situation am Ende bei aller Enttäuschung über den geplatzten Abschlussball noch etwas Positives ab. Die Lehrer hätten in der Zeit des Homeschoolings „Großartiges geleistet“, dankte Schneider dem Kollegium im Namen aller Abschlussschüler.

Die drei Feiern der kommunalen Realschule verteilten sich inklusive der drei vorangehenden Gottesdienste vom frühen Morgen bis in den Nachmittag.

Die staatliche Chiemsee-Realschule verabschiedete ihre beiden Abschlussklassen gemeinsam am Mittag in der Aschauer Festhalle. Dort war genug Platz, um die Zeugnisübergabe mit Abstand über die Bühne zu bringen. Während in der Turnhalle in Prien Musiklehrer Alexander Mangstl leibhaftig an der Harfe saß und unter anderem „Can you feel the love tonight“ spielte, trat die Schulband der Chiemsee-Realschule in Aschau mit „Stay“ nur virtuell auf. Auch hier gratulierte der Landrat per Videobotschaft und attestierte den Absolventen das „Rüstzeug, um die Zukunft gut zu meistern“.

Sogar Sprachgebrauch hat sich verändert

Wie ihre Kollegin hat auch Kerstin Haferkorn, Direktorin der Chiemsee-Realschule, den Lockdown am 13. März als Impuls erlebt, der die Schulfamilie zusammengeschweißt habe. „Die Resonanz war überwältigend. Es hat sich gezeigt, dass wir in der Krise auch sehr schnell zusammenwachsen können und gemeinsam stark sind und Dinge, welche uns noch vor kurzer Zeit unmöglich erschienen (siehe digitaler Unterricht), plötzlich funktioniert haben“, sagte Haferkorn.

Corona habe vieles verändert, bis zum Sprachgebrauch: „,Bleib gesund!‘ ist eine der häufigsten Verabschiedungen, die ich in den vergangenen Wochen gehört und gelesen habe und ich muss sagen: das gefällt mir!“

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Haferkorn ging angesichts des außergewöhnlichen Schuljahres in ihrer Festrede noch auf weitere grundsätzliche Aspekte ein, von der Wertschätzung der persönlichen Freiheit bis zur Erkenntnis, dass „Normalität“ auch etwas sehr Schönes sein könne. „Nicht zuletzt die ,Hamster‘-Diskussionen zeigen, dass wir alle bisher in einer Zeit gelebt haben, die kaum Ängste mit sich brachte. Unsere Gedanken kreisten um die neuesten Handys, den nächsten Urlaub oder die angesagtesten Sonnenbrillen. Corona hat unser Augenmerk auf Toilettenpapier, Nudeln und Mehl gelenkt.“

Haferkorn dankte allen, die zur Überwindung der schweren Zeit einen Beitrag geleistet hatten. Besonders hob sich unter anderem den scheidenden Elternbeiratsvorsitzenden Klaus Amberger hervor, der auch verabschiedet wurde. „Unser Miteinander war jederzeit von gegenseitiger Akzeptanz und Unterstützung geprägt“, so die Direktorin.

Das sind die besten Schüler

Kommunale Realschule:Rebekka Blank (1,2), Michael Oischinger (1,27), Franziska Buchner (1,58), Magdalena Obermeier (1,6), Marina Ettenhuber und Johanna Schneider (beide 1,67), Kilian Huber (1,72), Lina Reichenberger (1,8), Linus Schirm (1,9) und Patrick Reichel (1,91)

Chiemsee Realschule:Tanja Schmidt (1,08), Andreas Fischer (1,17), Florian Fischer (1,36), Antonia Barenbrügge und Anna Dangl (beide 1,50), Luisa Fischer und Melissa Ranhard (beide 1,58) sowie Lukas Wolf (1,82).

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