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Videoclip für Wettbewerb

Priener Realschülerinnen tanzen online gegen die Einsamkeit: Nach Meistertitel jetzt Pokal das Ziel

  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Vor zwei Jahren gelang der Tanz-AG der Chiemsee-Realschule eine Sensation: Die Schützlinge von Trainerin Jasmin Striffler holten sich in Bad Kreuznach den deutschen Meistertitel der Schulen. Jetzt will die Truppe wieder einen Pokal nach Prien holen.

Prien – 22 Mädchen der Klassen sechs bis neun haben dafür daheim getanzt – jeder für sich vor der Kamera. Entstanden ist aus den Clips ein Gesamtkunstwerk für den Bavarian Online Dance Contest.

Tanztraining 2021: Die Mädels der Tanz-AG der Chiemsee-Realschule treffen sich jeden Donnerstag um 14 Uhr mit Trainerin und Lehrerin Jasmin Striffler (links, Zweite von oben) online.

Nur noch drei Mädchen vom Überraschungssieg 2019 sind an der Schule und tanzen mit. Aber seit dem Triumph im Bad Kreuznach kann sich Striffler über mangelnden Zulauf nicht beklagen. 40 Mädchen hat sie aktuell unter ihren Fittichen.

Seit November kein gemeinsames Training

Hochmotiviert waren alle im September zum Schuljahresbeginn ins Training eingestiegen. Aber sie durften nur ein paar Wochen zusammen in der Turnhalle Elemente von Strifflers Choreografie einstudieren – mit Abstand und Maske.

Ab 23. Oktober bis in den Januar zog sich eine tänzerische Zwangspause. Als sich abzeichnete, dass der Lockdown immer länger wird und an Präsenzunterricht vorerst nicht zu denken war, trommelte die Trainerin ihre Truppe über Microsoft-Teams online zusammen.

Dass die 38-Jährige mit „Waves“ („Wellen“) von Dean Lewis einen vielsagenden Titel in Corona-Zeiten fürs neue Programm ausgewählt hatte, wurde ihr erst heuer langsam bewusst, erzählt sie lachend im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Freischaufeln aus dem Loch

Seit Januar schätzen die Realschülerinnen die wöchentliche Trainingsstunde immer mehr als Treffpunkt, Ablenkung und Abwechslung in öden Homeschooling-Alltag. „Jede war in ein Loch gefallen und musste sich erstmal freischaufeln“, hat die Trainerin beobachtet. Das scheint gelungen, zum Training schalten sich Striffler zufolge immer mindestens 30 Mädels zu – so viele, dass sie nicht auf einen Bildschirm passen und in Gruppen und Etappen getanzt wird.

Auch für die Trainerin war die neue Form des Übens gewöhnungsbedürftig. „Eigentlich schrei ich in der Halle gern über die Musik drüber, das geht online nicht“, schmunzelt die leidenschaftliche Vortänzerin, die in ihrer Wahlheimat Rosenheim auch seit vier Jahren die Faschingsgilde trainiert.

Lesen Sie auch Deutschlands beste Schultanzgruppe kommt aus Prien: Auszeichnung vom Tanzsportverband (Plus-Artikel ovb-online.de)

„Unglaublich schwer“ sei es wegen der technischen Hürden mit zeitversetzten Übertragungen, synchrone Abläufe einzustudieren. Striffler filmt sich selbst und verschickt unzählige Videos an die Mädchen, damit die ihr nacheifern können. „Das läuft erstaunlich gut.“

Regularien für Wettbewerb wurden extra geändert

Dann stieß Striffler im Netz durch Zufall auf den Wettbewerb, der eigentlich Corona-bedingt nur für Einzeltänzer und Paare ausgelobt war. Nach einem Anruf der Priener Lehrerin beim ausrichtenden Verband wurden kurzerhand die Regularien geändert“, erzählt sie verschmitzt.

Schnell waren alle Feuer und Flamme, legten zusätzlicher Trainingseinheiten ein und tanzten – jede für sich – in den Osterferien zuhause ein 1:30 Minuten langes Video ein. 22 Mädchen schafften die Herausforderung – alle in weißem Outfit, mit gleichen Frisuren.

Zwölf Stunden Nacharbeit am PC

Zwölf Stunden saß die Trainerin dann noch am heimischen Computer und schnitt aus dem Material ein Gesamtkunstwerk zusammen. Dass der Clip Schwarz-weiß wurde, ist ein Kunstgriff Strifflers, verrät sie. So konnte sie Ungleichheiten der Ausleuchtung und der Hintergrundfarben besser ausgleichen. Jetzt hoffen allle, dass die Jury die Begeisterung und Leistung der Priener Realschülerinnen wieder mit einem Preis belohnt.

Der Link zum Video

Den Wettbewerbsbeitrag der Prienerinnen mit dem Titel „Gemeinsam gegen einsam“ kann sich jeder online anschauen unter

Das sagen die Tänzerinnen

Jasmin Strifflers Schützlinge sind schon gespannt, ob ihr Videoclip einen Preis beim Bavarian Online Dance Contest abbekommt. Die Chiemgau-Zeitung hat stellvertretend mit drei der 22 Mittänzerinnen telefoniert.

Magdalena Scheck aus der 9a räumt ein, dass das gemeinsame Training in der Halle natürlich mehr Spaß macht. Online-Training ist „kompliziert, weil man die anderen nicht sieht“. Aber die Wörter des Lied-Testes taugten als Stichworte für die einstudierten Bewegungen.

Das Video sei sehr schön“ geworden, aber das sei zweitrangig, im Vordergrund stand für Magdalena der Spaß.

Giorgia Beninca (8c) hätte es „natürlich schöner gefunden, wenn wir beim Training mehrere gewesen wären“. Aber das Training im heimischen Wohnzimmer habe trotzdem Spaß gemacht – bei allen Schwierigkeiten: „Du stehst vor dem Computer und musst es Dir selber beinbringen.“ Das Video für den Wettbewerb sei schön geworden, auch wenn sich Giorgia sicher ist, dass beim gemeinsamen Training ein noch besserer Ergebnis rausgekommen wäre.

Cäcilia Regauer (6a) erzählt vom heimischen Training: „Du host ned so vui Platz und muasst aufpassen ,dass Du ned irgendwo orennst.“ In Zeiten von Homeschooling findet es Cäcilia aber „voll cool“, dass Striffler die Online-Tanz-AG überhaupt anbietet. Die Schritte zu lernen, sei machbar, weil sich die Trainerin beim Vorführen der Figuren immer groß mache am Bildschirm. Mit dem Ergebnis der Arbeit ist Cäcilia sehr zufrieden: „I hätt ned gmoant, dass mir des so guad hikriagn.“

Ausfall des Sportunterrichts „fast schon fahrlässig“

Tanztrainerin und Sportlehrerin Jasmin Striffler sieht den Ausfall jeglichen Sportunterrichts wegen Corona „unglaublich kritisch und fast schon fahrlässig“. Der zunehmende Bewegungsmangel sei seit Jahren ohnehin schon spürbar. „Zu uns kommen immer mehr Fünftklässler, die nicht rückwärts laufen oder eine einfache Rolle vorwärts können.“

Durch den Ausfall des gemeinsamen Trainings gehe die Gruppendynamik verloren, bedauert die frühere aktive Eiskunstläuferin. Es seien doch genau solche Gemeinschaftserlebnisse, an die man sich später im Leben aus der Schulzeit erinnere, gibt sie zu bedenken. Striffler fürchtet, dass die Folgen des ausgefallenen Sportunterrichts noch längst nicht absehbar sind.

Rubriklistenbild: © privat

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