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PFARRVERBÄNDE AM CHIEMSEE VOR ZÄSUR

Priener Pfarrer Klaus Hofstetter über seinen Weggang: „Auch mit Abschiedsschmerz“

Amtseinführung im Oktober 2014: Der Kirchenzug mit Geistlichen, Ministranten und Fahnenabordnungen lief weiter in Richtung Kirchenportal, der neue Pfarrer Klaus Hofstetter stoppte aber vor einem Kinderwagen…
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Amtseinführung im Oktober 2014: Der Kirchenzug mit Geistlichen, Ministranten und Fahnenabordnungen lief weiter in Richtung Kirchenportal, der neue Pfarrer Klaus Hofstetter stoppte aber vor einem Kinderwagen…
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Es wird eine heftige Zäsur für die Pfarrverbände Westliches Chiemseeufer und Bad Endorf. Ab 1. September werden sich Pfarrer Klaus Hofstetter und Kaplan Joshy beruflich verändern und ihren bisherigen Wirkungskreis verlassen. Warum, erklärt Pfarrer Hofstetter im Interview.

Prien/Bernau/Bad Endorf– Pfarrer Klaus Hofstetter und Kaplan Joshy werden Ende August die Pfarrverbände Westliches Chiemseeufer und Bad Endorf verlassen. Hofstetter wird auf Bitten von Kardinal Marx ab 1. September eine neue Aufgabe in der Diözese übernehmen, die erst Ende April öffentlich vorgestellt werden soll. Pater Joshy wird zum gleichen Zeitpunkt die Leitung der Pfarrei St. Maria Himmelfahrt in Marienthal, Hamminkeln, im Bistum Münster übernehmen. Diese Nachricht hatte für heftige Irritationen in der kirchlichen wie auch weltlichen Gemeinschaft gesorgt. Die zentrale Frage: Warum? In einem Exklusivinterview mit den OVB-Heimatzeitungen hat Pfarrer Hofstetter diese Frage jetzt ausführlich beantwortet.

Die Nachricht von Ihrem Weggang hat hohe Wellen geschlagen in den Pfarrverbänden. Haben Sie die Ausläufer mittlerweile verarbeitet oder stehen Sie noch mitten in der Brandung?

Klaus Hofstetter: Ich stehe eigentlich noch mitten in der Brandung. Zum einen direkt auf der Straße in vielen Gesprächen; auch vom Seelsorge-Team bekomme ich Rückmeldungen, wie die Nachricht von meinem Weggang aufgefasst wurde. Ich habe diese Phasen der Gefühle selbst auch durchgemacht, auch mit Abschiedstrauer.

Was sind es für Kommentare oder Gefühlsäußerungen, die Sie bislang als Echo entgegennehmen mussten?

Hofstetter: Zum einen heißt es, schön, dass Sie da waren, aber total schade, dass Sie gehen. Ich erlebe Traurigkeit, Enttäuschung, Dankbarkeit für das Erlebte, zum Teil auch ganz persönliche Worte, die ich hier nicht wiedergeben kann. Zum Teil erlebe ich auch Wut auf die Kirche, aufs Ordinariat. Da grätsche ich allerdings sofort dazwischen, weil weder das Ordinariat noch die Diözese Schuld tragen.

Welche Antwort haben Sie auf die Frage, die alle beschäftigt: Warum?

Hofstetter: Wenn Gott ruft, überlegt man sich gut, ob man Nein sagt. Im weltlichen Leben ist es doch auch so: Wenn der Arbeitgeber sagt, ‚ich hätte da etwas, wofür Sie genau der Richtige sind‘, dann gilt es, die Entscheidung gut abzuwägen. Bleibe ich hier, wo es jetzt richtig gut läuft, oder breche ich auf zu neuen Ufern? Ich hatte dafür genügend Zeit und habe mich für den neuen Weg entschieden. Für mich war es wie ein Ruf Gottes.

Das dürfte auch eine klare Antwort für Kritiker hier in den Pfarrverbänden sein, die ihnen unter anderem zu viel ökumenische Bestrebungen vorgeworfen haben…

Hofstetter: …es gab in den letzten Jahren sogar Beschwerden über mich beim Generalvikar des Erzbischöflichen Ordinariats, Christoph Klingan und bei Kardinal Reinhard Marx. Aber: All das, was ich aktiv bewegt und gestaltet habe, all das, was manche kritisiert haben, hat nicht bewirkt, dass ich einen Hinterkammer-Job bekomme oder die Betreuung der kleinsten Pfarrei in der Diözese, sondern eine schöne Aufgabe.

Ihr Aufgabenbereich in den vergangenen sieben Jahren hat sich in den beiden Pfarrverbänden stark erweitert – bei gleicher Personalgröße. War die Arbeit zu viel für Sie? Wie es kolportiert wird aus dem Umfeld…

Hofstetter: Eindeutig: nein. Es gibt ein tolles Team hier, das die Arbeit fortführen will. Alle haben gesagt, dass sie gerne hierbleiben, obwohl es sicherlich anstrengend werden kann, weil bislang nicht bekannt ist, wie es weitergeht. Aber die Arbeit ist nicht der Grund. Im Gegenteil. Ich hatte zwar im letzten Jahr eine Auszeit aufgrund eines Burn-Outs. In dieser Zeit wurde mir dennoch erneut klar, hier ist mein Ort, hier will ich weiterhin Pfarrer sein und noch ein paar Jahre verbringen. Dass es jetzt anders kommt, sind die Überraschungen des Lebens.

Ihre Nähe zu Menschen macht ein Pressefoto deutlich: Beim Kircheneinzug anlässlich Ihrer Amtseinführung vor sieben Jahren gehen Sie vor einem Kinderwagen in die Knie und sprechen fröhlich das Kind an. Jetzt heißt es in Reaktionen auf Ihren Weggang: Es sei Ihnen gelungen, Kirche und Glauben den Menschen wieder näher zu bringen…

Hofstetter: …das wurde mir auch gesagt, und es bewegt mich. Es ist mein innerer Antrieb: Ich fühle mich so wahnsinnig von Gott geliebt. Ich mag diese Liebe nicht für mich behalten, sondern weiter schenken. Und das auf Augenhöhe, nicht von oben herab, egal ob es ein Kleinkind ist, der Bürgermeister oder der Kardinal. Mir ist wichtig: einfach gemeinsam Leben zu teilen.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrem Wirkungskreis mit?

Hofstetter: Die Erfahrungen, die ich gemacht habe mit den Menschen, die mir begegnet sind, ihre Vielfalt, ihre Verschiedenheit. Ich hatte schon Respekt vor der Aufgabe. Ich war damals der zweitgrößte Bauer im Bistum mit zwei Pfarrverbänden, 16 000 „Schäfchen“, bei knapp 30 000 Einwohnern in fünf politischen Gemeinden. Verlangt wurde von mir als leitender Pfarrer Geschick und Führungsqualitäten, um das alles zusammenzuführen und zu koordinieren – was uns im Zusammenspiel von Ehren- und Hauptamtlichen eigentlich gelungen ist. Ich wollte aus meiner Arbeit keine Ein-Mann-Show machen – die Bewertung möchte ich aber den Menschen hier überlassen.

Warum gibt’s einen Weggang im Doppelpack? Auch Pater Joshy verlässt die Pfarrverbände Prien und Bad Endorf.

Hofstetter: Es gibt Momente im Leben, wo der Spruch passt: blöd gelaufen. Bei mir hat der Erzbischof angeklopft, bei Pater Joshy, der ein Ordensmann ist, sein Provinzoberer. Das lief gleichzeitig im Dezember, auch unsere Entscheidungen. Wir wussten das voneinander, haben dies auch unseren Verantwortlichen kommuniziert. Sie meinten, dass wir für die jeweiligen Aufgaben genau die Richtigen seien und dass die Gemeinden das verkraften würden.

Auch einen Reset auf Null? Oder geht es nahtlos weiter, wo Sie aufgehört haben?

Hofstetter: Davon gehe ich aus. Wenn jetzt alles zusammenbricht, habe ich schlechte Arbeit gemacht, weil ich alles an mich gebunden hätte. Wenn ein Nachfolger alles kaputtmacht, was hier gewachsen ist, war die Nachfolgeregelung eine Katastrophe. Ich vertraue aber darauf, dass die Szenarien ab 1. September positiv und segensreich sein werden für die Menschen hier – und nicht nur für mich.

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