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Nach Missbrauchsskandal in katholischer Kirche

Rücktritt von Kardinal Marx: Priener Pfarrer äußern Respekt vor der Entscheidung

Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, kurz nach seinem Rücktrittsangebot. Dies löste auch bei heimischen Pfarrern Überraschung aus.
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Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, kurz nach seinem Rücktrittsangebot. Dies löste auch bei heimischen Pfarrern Überraschung aus.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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Klaus Hofstetter und Josef Steindlmüller, beide katholische Priester in und aus Prien, sind überzeugt, Reinhard Marx habe seine Entscheidung wohl überlegt. Das Rücktrittsangebot des Kardinals wegen der Verfehlungen der Kirche im Missbrauchsskandal habe sie dennoch überrascht.

Prien/München – Die Bitte von Kardinal Reinhard Marx an Papst Franziskus, ihn aus Gründen der Mitschuld beim Versagen der Kirche im Missbrauchsskandal aus dem Bischofsamt zu entlassen, hat auch in lokalen Kirchenkreisen hohe Wellen geschlagen. Pfarrer Klaus Hofstetter aus Prien, der den Pfarrverbänden Westliches Chiemseeufer und Bad Endorf vorsteht und ab 1. September in einen neuen Dienst des Erzbistums München-Freising wechselt, zeigte sich gegenüber der Chiemgau-Zeitung überrascht: „Ich finde den Schritt von unserem Erzbischof einen sehr großen. Man spürt, dass er ihn wohl überlegt hat vor seinem Gewissen und vor seinem Herrgott.“ Bewegt habe ihn, als Marx im Rahmen der Pressekonferenz gesagt habe, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde falle und sterbe, bleibe es allein.

Pfarrer Klaus Hofstetter aus Prien meint, man spüre, dass es Marx sehr ernst sei.

Dynamik des Evangeliums erkennen

„Es erinnert mich an meinen Primiz-Spruch, dass es nicht darum geht, Karriere zu machen, immer toller und immer besser zu werden“, sinniert Hofstetter, „sondern die Dynamik des Evangeliums Jesu ist, zu verlieren, hintanzustehen, in die Tiefe zu gehen, auch zu sterben und von Jesus Christus her ist dann neues Leben möglich, Leben in Fülle.“

Immer wieder gerne zurück in seine Priener Heimatpfarrei „Mariä Himmelfahrt“ kommt Pfarrer Josef Steindlmüller vom Pfarrverband Esting-Olching. In Prien und im nahen St. Salvator, wo seine Familie zu Hause ist, schaut er, wann immer es geht, gerne vorbei. Zuletzt spendete er für eine befreundete Familie das Sakrament der Taufe. Vor der Priener Pfarrkirche äußerte er sich gegenüber unserer Zeitung zur aktuellen Entscheidung von Kardinal Marx.

Pfarrer Josef Steindlmüller, gebürtig aus Prien und vom Pfarrverband Esting-Olching, wurde von Kardinal Marx zum Priester geweiht.

Erinnerungen an Marx und Psalm 16

Auch Steindlmüller hat sich die Pressekonferenz angesehen. „Dabei habe ich den Kardinal als sehr authentisch und nachdenklich erlebt“, sagt der Pfarrer. „Man merkte ihm an, dass er einen langen, inneren Weg zu dieser Entscheidung hinter sich hat“, ist sich Steindlmüller wie sein Priesterkollege Klaus Hofstetter sicher.

Kardinal Marx hat Steindlmüller einst zum Diakon und Priester geweiht. „Das ist eine Verbindung, die immer bleiben wird“, findet er und erzählt: „Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie er uns Weihekandidaten am Vorabend der Priesterweihe in der Freisinger Marienkapelle den Psalm 16 ausgelegt hat. Am Donnerstag kommt der Psalm 16 im Nachtgebet der Priester vor. Dann muss ich immer dran denken, was der Kardinal uns damals auf den Weg gegeben hat.“

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Als er im Jahr 2012 in der „Berufungspastoral“ eine Stelle antrat – diejenige, die nun in neuer Form Klaus Hofstetter antreten wird, Anm. d. Red. – zeigte sich schnell, dass Marx und er in diesem Bereich unterschiedliche Ansätze und Vorstellungen hatten, führt Steindlmüller aus: „Unter anderem deswegen endete meine Zeit in der Berufungspastoral wieder nach relativ kurzer Zeit.“ Nichtsdestotrotz habe er ihn immer geschätzt und respektiert, „gerade auch aufgrund seines Arbeitspensums, das er zu leisten imstande ist.“ Als Pfarradministrator hatte er selbst, abgesehen von ein paar flüchtigen Treffen, keinen Kontakt mehr zu ihm. „Allerdings hat er mir zum Tod meines Vaters im Jahr 2016 handschriftlich kondoliert, was mir sehr gutgetan hat“, erinnert sich der Pfarrer.

Sehr beeindruckend findet Steindlmüller, dass Marx seine aktuelle Entscheidung auch im Gebet reflektiert habe und somit einen geistlichen Weg gegangen ist. Ein wenig irritiert aber habe ihn die Aussage, dass die deutsche Kirche an einem „toten Punkt“ sei.

Kirche ist immer noch lebendig, solange Rituale stattfinden

Für das „System Kirche“ mag das zutreffen, aber Kirche ist mehr als ein System, bekräftigt Steindlmüller: „Sie ist trotz allem der mystische Leib Christi. Und solange es in der Kirche Menschen gibt, die redlich ihren Glauben leben wollen, solange in ihr Kinder getauft werden, Jugendliche gefirmt werden und die Heilige Messe gefeiert wird, lebt die Kirche, weil Christus in ihr lebt.“

Das könne auch das marodeste System nicht kaputtmachen, ist er überzeugt. „Für mich ist dieser Gedanke deswegen wichtig, damit man trotz dem Schlimmen und Schweren, das uns derzeit bedrängt, nicht auch den Wert von `Kirche-Sein´ übersieht.“

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