VIER MÄNNER TEILEN SICH KIRCHLICHES EHRENAMT

Priener Kirchenschweizer passen auf

Gunther Kraus ist seit 2015 einer von vier Männern, die sich das Amt des Kirchenschweizers in Prien teilen.
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Gunther Kraus ist seit 2015 einer von vier Männern, die sich das Amt des Kirchenschweizers in Prien teilen.

An Fronleichnam schreitet morgen wieder einer von ihnen würdevoll und wachen Auges voran bei der Prozession durch die Priener Straßen von Altar zu Altar: Vier Männer teilen sich seit gut drei Jahren das Ehrenamt des Kirchenschweizers in der katholischen Priener Pfarrei Mariä Himmelfahrt. Kirchenschweizer gibt es sonst nirgends in der Erzdiözese.

Prien – „Der Kirchenschweizer ist ein Türhüter und Aufseher in katholischen Kirchen. Seine Aufgabe ist es, bei der Liturgie und im Kirchengebäude für Ordnung und Ruhe zu sorgen. Beim Gottesdienst sorgt bei besonderen Anlässen der Kirchenschweizer mit seiner festlichen Gewandung ... für Ordnung, hilft bei der Platzsuche und kümmert sich darum, dass der liturgische Ein- und Auszug sowie der Empfang der heiligen Kommunion würdevoll und geordnet verlaufen. In der Regel ist der Kirchenschweizer Angestellter einer Kirchengemeinde, Pfarrei oder der Diözese.“

So wird das seltene Amt auf Wikipedia beschrieben. An großen Bischofskirchen ist der Dienst üblich, so etwa im Kölner Dom, Speyrer Dom, Bamberger Dom, Aachener Dom. Dort sind diese Aufseher allerdings Angestellte der Kirche und verdienen ein Gehalt. In vergleichsweise kleinen Kirchengemeinden wie Prien sind diese uniformierten Aufpasser die absolute Ausnahme. In Bayern gibt es sie auch in der Basilika Vierzehnheiligen und der Basilika Gößweinstein. Den Kirchenschweizern gemein ist die Uniform mit Zweispitz, Schärpe und Stulpen. Die Uniform in Prien ist blau mit silbernen Bordüren und Knöpfen, also in den Landesfarben gehalten. Das ist kein Zufall, erfährt man im Priener Heimatbuch, denn die Vorgänger-Uniform stammte aus Kleiderbeständen des letzten bayerischen Königs Ludwig III.

Die Bezeichnung soll von Schweizern abgeleitet sein, die außer Landes gegangen waren und unter anderem als Soldaten oder als Wachpersonal ihr Einkommen verdienten. So wurde ein Türhüter oder Hausmeister eines reichen Privathauses im 17. und 18. Jahrhundert auf Französisch Suisse (Schweizer) genannt.

Seit dem Frühjahr 2015 teilen sich Raimund Gmeiner, Gunther Kraus, Fritz Seipel und Claus Wappmannsberger die Aufgabe. Alle vier sind schon seit jungen Jahren in der Kirche in verschiedenen Ämtern aktiv, zum Beispiel als Oberministrant, Lektor oder Pfarrgemeinderat.

Sie traten das Erbe von Bartholomäus Kink an, der es bis zu seinem Tod am 27. Dezember 2011 ausgeübt hatte. Kink wiederum hatte es 1989 übernommen, nachdem es nach dem Tod des Vorgängers Josef Standl zuvor gut vier Jahre unbesetzt war. Standl war von Mai 1947 bis zum 11. Dezember 1984 Kirchenschweizer. Wie lange es die Funktion in der Priener Pfarrgemeinde schon gibt, ist nicht bekannt.

Die Aufteilung auf vier Köpfe soll auch verhindern, dass das Ehrenamt einem Einzelnen zu viel wird. Denn bei den großen kirchlichen Festen braucht der Kirchenschweizer im wahrsten Sinn des Wortes Stehvermögen. Denn wie es überliefert ist, steht er während des Gottesdienstes hinten in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Und wenn zum Beispiel an Weihnachten sich Gottesdienst an Gottesdienst reiht, würde er viele Stunden fast am Stück stehen. Da ist es gut, wenn sich die vier Männer abwechseln.

Obwohl sie von unterschiedlicher Statur sind, kommen die vier mit einer Uniform aus. Der eine schließt einfach weniger Knöpfe als der andere. Und der Zweispitz passt auf alle vier Köpfe, erzählt Kraus im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Er wird an Fronleichnam im Einsatz sein und der Prozession vo ranschreiten. Das richtige Tempo anzuschlagen ist Erfahrungssache, weiß Kraus. Beim Auszug aus der Kirche nach der Erstkommunion zum Beispiel geht er besonders langsam, damit die Kinder genug Zeit haben, ihre Kerze aufzunehmen und der Zug nicht auseinanderreißt, sondern ein geschlossenes Bild abgibt.

Wenn es an Fronleichnam ähnlich heiß wird wie bei der Erstkommunion vor ein paar Wochen, wird Kraus wieder ins Schwitzen kommen, denn der blaue Samtstoff ist ziemlich dick, und die Kopfbedeckung tut ein Übriges.

Bevor sich die Prozession am Donnerstag in Bewegung setzt, wird Kraus unter anderem vor dem Rathaus nach dem Rechten sehen, ob trotz des Baugerüsts der Freialtar dort einen würdevollen Platz hat.

Solche Ortstermine sind für den jeweiligen Kirchenschweizer Tagesgeschäft. Routine nennt es Gunther Kraus zum Beispiel, am Palmsonntag morgens noch über die Brücke ins Gries zu gehen, damit der Pfarrer später unter der Linde nicht direkt neben einem Mülleimer stehen muss. Den hängt der Kirchenschweizer vorher dezent aus und bringt ihn hinterher natürlich zurück.

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