„April und Mai werden kritisch“

Priener Händler und Hoteliers fordern einen Zeitplan, wann der Corona-Lockdown gelockert wird

Mit Essen oder anderen Waren „to go“ halten sich Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomen wie hier in Prien momentan notdürftig über Wasser und signalisieren damit ein Lebenszeichen. Doch wird die finanzielle Situation für viele immer enger. PrienPartner-Vorsitzender Dr. Herbert Reuther sprach bei einer Videokonferenz von „staatlich unterstütztem Wachkoma“. Und auch die Kunden sehnen sich die Öffnung herbei.
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Mit Essen oder anderen Waren „to go“ halten sich Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomen wie hier in Prien momentan notdürftig über Wasser und signalisieren damit ein Lebenszeichen. Doch wird die finanzielle Situation für viele immer enger. PrienPartner-Vorsitzender Dr. Herbert Reuther sprach bei einer Videokonferenz von „staatlich unterstütztem Wachkoma“. Und auch die Kunden sehnen sich die Öffnung herbei.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Hotellerie und Gastronomie brauchen wahrscheinlich vor Ostern nicht mit einer Öffnung zu rechnen, für den Handel könnte es im März erste Lockerungen geben. An diese Perspektive glaubt der Rosenheimer CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner.

Prien/Rosenheim – Er sagte dies bei einer Videokonferenz mit über 40 Teilnehmern aus Handel, Hotellerie und Lokalpolitik am Mittwochabend auf konkretes Nachfragen. Eingeladen zu dem digitalen Treffen hatte der Gewerbeverein PrienPartner. Der neue IHK-Chef Jens Wucherpfennig von der Geschäftsstelle Rosenheim beleuchtete die Situation des Handels. Corona sei ein Beschleuniger des Strukturwandels.

Jens Wucherpfennig.

Viel „Schindluder“ bei Coronahilfen

Zur Corona-Wirtschaftshilfe erklärte er, dass die IHK die Bewilligungsstelle „für sämtliche Coronahilfen in Bayern“ sei. 1,5 Milliarden Euro seien seit Oktober geflossen, dem standen 138.000 Anträge gegenüber. Hier knüpfte Dr. Herbert Reuther, Vorsitzender der PrienPartner mit einer schriftlich im Chat gestellten Frage aus dem Zuhörerkreis an. Ob denn nämlich ein solch großer bürokratischer Aufwand notwendig sei. Die Anträge müssten über Steuerberater laufen. Dem entgegnete Wucherpfennig, dass beim ersten Lockdown „viel Schindluder“ getrieben worden sei.

Kastastrophen- und Gesundheitsschutz über Datenschutz

MdL Klaus Stöttner bestätigte dies und sprach von „teilweisen betrügerischen Fällen“ und von einem Anteil von 15 Prozent. Stöttner stellte auch infrage, ob der Datenschutz in Zeiten wie diesen nicht geringer einzuschätzen sei, als Katastrophen- und Gesundheitsschutz. Es gehe darum, schneller helfen zu können durch eine bessere Verfügbarkeit von Daten.

Öffnungsfrage muss strategisch gesehen werden

Hotelier und Gastronom Klaus Löhmann vom Luitpold erkundigte sich nach einem Zeitplan und ob erfasst werde, „wo die Infektionen passieren“. Stöttner erklärte, dass die Inzidenzzahlen sinken. Die Maßnahmen wie Maske, Abstand und Schichtarbeit in den Firmen zeigten Wirkung. Einzig im Handwerk habe er das Gefühl, dass dort zu wenig gehandelt werde. Der Landtagspolitiker fügte an: „Was passiert, wenn wir jetzt wieder aufmachen? Dann steigen vielleicht die Zahlen und wir haben im März wieder einen Lockdown?“ Das sei eine strategische Frage.

„Unternehmen sind im staatlich unterstützten Wachkoma“

Dr. Reuther meinte: „Wichtig ist, wie können wir uns aufstellen, wie locken wir die Leute wieder in den Ortskern?“ Er hatte die aktuelle Situation im Lockdown für die Betriebe in seiner Einführung „desaströs“ und „ernüchternd“ genannt. Verglichen mit einer Covid-Erkrankung befänden sich die Unternehmem im „staatlich unterstützten Wachkoma“, der Atem der „Patienten“ werde immer dünner.

Ladenöffnungszeiten lockern und verkaufsoffene Sonntage ermöglichen

Klaus Stöttner gab ihm recht und lobte die Aktionen, wie das Riesenrad am Hafen in Prien im vergangenen Jahr. Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer brachte damit unweigerlich das Thema Ladenöffnungszeiten ins Spiel, dass in Bayern wegen der kirchlichen Sonntagsruhe in Deutschland noch streng gehandhabt wird.

In Bayern müsse ein verkaufsoffener Sonntag zum Beispiel an ein „wesentliches Marktgeschehen“ geknüpft sein, in Bad Endorf sei man vergangenes Jahr an der Erlaubnis des Landratsamts gescheitert. „Kann man das in diesen Zeiten nicht ausnahmsweise genehmigen?“ fragte Loferer und kündigte an, im Frühjahr wieder beim Landratsamt Rosenheim vorstellig zu werden. Auch er sprach sich für Konzepte vor Ort aus, um Kaufanreize zu schaffen und Kaufkraft zu binden.

MdL Klaus Stöttner.

Prien geht mit gutem Beispiel voran

Loferer lobte Prien für die „generalstabsmäßige Abwicklung“ der Gutscheine. Diese gibt es bei der PrienMarketing und sie können in Prien in vielen Geschäften eingelöst werden. Die Gemeinden von Prien über Bernau und Aschau Frasdorf nach Bad Endorf könnten sich tageweise mit Aktionen abwechseln. Händlerin Gabriele Degler von Second Hand Exclusive in Prien betonte eindringlich: „Die Ortschaften leben von uns, es ist an der Zeit, dass wir Freiraum bekommen. Das Internet hat Tag und Nacht geöffnet. Es muss dringend etwas passieren.“

„Wir brauchen einen Masterplan“

„Wir brauchen einen Masterplan“, forderte Dr. Reuther. „Wir als Gewerbeverein können nur Ideen geben.“ Modehändler Norbert Reipert aus Breitbrunn wies auf die Not hin, dass im vergangenen Jahr die Ware geordert werden musste und diese demnächst zu bezahlen sei. „April und Mai wird kritisch.“

Zahlungsaufschub ist Vertragsangelegenheit

Er fragte nach der Möglichkeit eines Zahlungsaufschubs. IHK-Chef Wucherpfennig erklärte, dies seien Vertragsangelegenheiten. Er bestätigt aber, dass die Liquidität in den Unternehmen fehle und wichtig sei. Er betonte: „Wir brauchen eine Öffnungsperspektive zum Ende des Monats.“

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