Priener Bürgermeister Jürgen Seifert mit Standing Ovations verabschiedet

Aus der Priener Kommunalpolitik verabschiedet wurden (von links, mit dem gebotenen Sicherheitsabstand) Hans-Jürgen Schuster, Klaus Löhmann, Eva-Maria Munkler, Werner Waap, Anton Schlosser, Hans Herzinger, Jürgen Seifert, Dr. Meinolf Schöberl, Michael Schlosser, Gabriele Rau, Rainer Winzek, Alfred Schelhas und Thomas Ganter. In der Sitzung nicht anwesend waren Christoph Bach und Tobias Ihm, die ebenfalls aus dem Marktgemeinderat ausscheiden. Berger
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Aus der Priener Kommunalpolitik verabschiedet wurden (von links, mit dem gebotenen Sicherheitsabstand) Hans-Jürgen Schuster, Klaus Löhmann, Eva-Maria Munkler, Werner Waap, Anton Schlosser, Hans Herzinger, Jürgen Seifert, Dr. Meinolf Schöberl, Michael Schlosser, Gabriele Rau, Rainer Winzek, Alfred Schelhas und Thomas Ganter. In der Sitzung nicht anwesend waren Christoph Bach und Tobias Ihm, die ebenfalls aus dem Marktgemeinderat ausscheiden. Berger

Nach zwölf Jahren endet im Markt Prien die Ära Jürgen Seifert. Der parteilose 57-Jährige hatte nicht mehr für das Bürgermeisteramt kandidiert. Mit ihm scheiden seine beiden Stellvertreter und zwölf weitere Mitglieder aus dem 25-köpfigen Kommunalparlament aus.

Prien – Mit stehenden Ovationen ist Jürgen Seifert nach zwölf Jahren als Bürgermeister vom Marktgemeinderat verabschiedet worden. Der 57-Jährige hatte in der letzten Sitzung der Legislaturperiode zuvor selbst seine beiden Stellvertreter und zwölf weitere Kommunalpolitiker aus dem Gremium verabschiedet. „Es war mir mit Ihnen allen eine Ehre, herzlichen Dank“, beendete Seifert die Sitzung.

„Souverän und vorbildlich“ habe Seifert den Markt Prien geführt, sagte Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster (CSU). Das scheidende Gemeindeoberhaupt, das bei der Kommunalwahl auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte, solle von Amtsnachfolger Andreas Friedrich (ÜWG) noch in größerem öffentlichen Rahmen verabschiedet werden. Corona-bedingt war im Chiemsee Saal nur Platz für eine Handvoll Angehörige der ausscheidenden Mandatsträger und wenige Mitarbeiter der Gemeinde.

Die Gemeinderäte saßen in Sicherheitsabständen von einander getrennt und trugen Plexiglasvisiere, die ein Priener Unternehmen eigens zur Verfügung gestellt hatte, oder Mund- und Nasen-Masken. Wortbeiträge waren wegen der schwierigen Akustik im großen Saal nur im Stehen und ohne Mikrofon möglich.

Wir-Gefühl geschaffen

Schuster attestierte Seifert, für Prien „Hervorragendes geleistet“ zu haben. Er listete einige der Großprojekte auf, die seit 2008 verwirklicht werden konnten, zum Beispiel die Komplettsanierung der Franziska-Hager-Schulen mit Millionen aus einem Förderprogramm des Bundes, die schrittweise Runderneuerung des Rathauses mit Eröffnung eines Bürgerbüros oder das Mehrgenerationen-Wohnen in Eglwies als „Herzensangelegenheit“ Seiferts, wo voraussichtlich heuer im November die Wohnungen bezugsfertig sein werden.

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+++Schuster charakterisierte den Bürgermeister als „wepsigen Kapitän“, der gut zu tun gehabt habe, das Gemeinderats-Schiff mit einigen „Maschinisten und Heizern“ zu steuern. Nach seinere Wahl 2008 sei es ihm gelungen, „sehr unterschiedliche Lager wieder zusammenzuführen und ein Wir-Gefühl zu schaffen“. Als Abschiedsgeschenk gab es eine kleine Skulptur von Marianne Lüdicke.

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Schuster selbst ist neben Drittem Bürgermeister Alfred Schelhas (SPD) der einzige Gemeinderat, der schon vor der Ära Seifert im Gremium saß. Mit 19 Jahren war er der dienstälteste Kommunalpolitiker, der nun ausschied. Seifert würdigte den 76-Jährigen, der ihn „immer zu 100 Prozent in meinem Sinne“ vertreten habe, als Gemeinderat, der sich insbesondere „über alle Maßen für das soziale Prien engagiert hat“. Der CSU-Politiker gehörte ehrenamtlich sehr vielen politischen und sozialen Gremien an (wir berichteten bereits). Nach dem Rückzug von Eva-Maria Munkler (BfP) hatte er auch noch deren Funktion als Sozialreferent übernommen.

Dritter Bürgermeister Alfred Schelhas saß mit einer gesundheitsbedingten Unterbrechung zwischen 2005 und 2008 knapp 16 Jahre für die SPD im Marktgemeinderat. Seit 2014 war er als Sportreferent Sprachrohr und Interessensvertreter der Sportvereine. Auch Schelhas bekleidete zahlreiche weitere Funktionen, die Seifert auflistete und die ihn zur Frage führten: „Wann war er eigentlich mal abends zuhause?“ Zum Dank für den Verzicht gab es für seine Frau, wie auch für Seiferts Gattin und Schusters Lebensgefährtin, Blumen. In Zukunft gibt es im Hause Schelhas vertauschte Rollen: Seine Frau Gabi gehört für die SPD dem neuen Rat an.

Für alle ausscheidenden Räte gab es aus Seiferts Händen eine Ehrenmünze des Marktes Prien, eine Urkunde für das ehrenamtliche politische Engagement sowie einen gerahmten Drucks eines Aquarells mit einem „Blick auf Prien“. Auf symbolische Handschläge zum Dank und Abschied mussten alle Beteiligten bei der Zeremonie verzichten.

Seifert nannte zu jedem der zwölf weiteren Räte, die zur Kommunalwahl nicht mehr angetreten oder nicht wiedergewählt worden waren und deshalb verabschiedet wurden, die Funktionen in Ausschüssen und anderen Gremien, die sie ausgefüllt hatten.

Munkler verzichtet auf neues Mandat

Nur zehn der 25 Mitglieder des Rates werden auch in der neuen Legislaturperiode noch dem Gremium angehören. Darunter sind allein sieben CSU-Politiker. Aus der größten Fraktion der Christsozialen scheiden zwei Männer aus: Klaus Löhmann nach zwölf Jahren, in denen er über zehn Jahre Wirtschafts- und Tourismusreferent war, und Anton Schlosser nach knapp zehn Jahren.

Die Bürger für Prien (BfP) waren bisher mit vier Sitzen vertreten. Im neuen Rat repräsentieren sie zwei neue Gesichter. Vom ausscheidenden Quartett waren zwei nicht zur letzten Sitzung gekommen: Christoph Bach, der 2014 neu in den Rat gekommen war und Anfang dieses Jahres aus der BfP-Gruppierung sowie der Fraktion ausgetreten war, und Tobias Ihm (seit zehn Jahren). Werner Waap wurde nach zwölf Jahren von Seifert ebenso verabschieder wie Eva-Maria Munkler. Sie betonte, dass es ihr eine neue berufliche Herausforderung unmöglich mache, das politische Ehrenamt weiter auszuüben. Munkler war im März als BfP-Bürgermeisterkandidatin angetreten. Sie war zwar im ersten Wahlgang gescheitert, aber von den Bürgern wieder in den Marktgemeinderat gewählt worden. Auf dieses Mandat verzichtet sie nun, für die BfP rückt Johannes Seeliger nach.

Von der bisher dreiköpfigen ÜWG-Fraktion bleibt nur Vereins-Vorsitzender Peter Fischer weiter im Marktgemeinderat. Ausgeschieden sind nach jeweils zwei Legislaturperioden, also zwölf Jahren, Michael Schlosser, der in dieser Zeit Umwelt- und Energiereferent war, sowie Hans Herzinger, der Schlosser seit 2014 im Umweltbereich fachlich unterstützt hat.

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Die Grünen entsenden ein Quintett in den neuen Rat. Bisher hatten sie zwei Sitze. Angela Kind wurde wiedergewählt, Gabriele Rau verabschiedet. Sie hatte sich in den vergangenen drei Jahren zusätzlich als Asylbeauftragte eingebracht. Nicht zur neuen Fraktion der Grünen gehören wird deren Bürgermeisterkandidatin Claudia Sasse. Sie hatte im ersten Wahlgang das drittbeste der sechs Bürgermeisterkandidaten eingefahren. Als Angestellte der Marktgemeinde darf Sasse aber kein politisches Ehrenamt im gleichen Ort ausüben. Die 58-Jährige leitet das kommunale Jugendzentrum PrienAYou.

Gabi Schelhas ist künftig die einzige SPD-Gemeinderätin. Neben ihrem Mann Alfred verabschiedete Seifert auch Thomas Ganter, der 2005 in den Rat nachgerückt war und zuletzt sechs Jahre Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses war.

Die Freien Priener vertritt im künftigen Gremium nur noch der wiedergewählte Martin Aufenanger. Sein bisheriger Mitstreiter Dr. Meinolf Schöberl scheidet aus.

Konstituierung am Freitag, 8. Mai

Die Verabschiedung von 13 Damen und zwei Herren war formell der 15. und letzte Beschluss der letzten Sitzung in dieser Legislaturperiode. Der neue Rat der Marktgemeinde Prien unter Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) kommt zu seiner konstituierenden Sitzung am Freitag, 8. Mai, um 17 Uhr ebenfalls im Chiemsee Saal zusammen.

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