Laden der Familie Ganter

Priener Bahnhofsbuchhandlung findet dank Gemeinde neue Heimat zum 50. Geburtstag

Wegen der Farbe kaum zu übersehen ist der neue Laden der ehemaligen Bahnhofsbuchhandlung. Presse und Buch Ganter (im Bild Peter Ganter) hat den früheren Imbiss von der Gemeinde gemietet und für seine Zwecke umgebaut.
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Wegen der Farbe kaum zu übersehen ist der neue Laden der ehemaligen Bahnhofsbuchhandlung. Presse und Buch Ganter (im Bild Peter Ganter) hat den früheren Imbiss von der Gemeinde gemietet und für seine Zwecke umgebaut.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Es ging ein Aufschrei durch den Ort, als die Nachricht von der Schließung der Bahnhofsbuchhandlung die Runde machte. Der Laden der Familie Ganter im Bahnhofsgebäude war eine Institution – bis die Bahn den Mietvertrag nicht verlängerte. Jetzt können die Brüder Peter und Michael Ganter wieder lachen.

Prien –Nach vielen Gesprächen und Verhandlungen haben die Ganter-Brüder den früheren Döner-Laden an dem alten Ladebahnhof zwischen Gleisen und Busbahnhof vom Markt Prien gemietet und neu eröffnet.

Gleiches Sortiment, kleinere Stückzahlen

Die orangefarbene Fassade ist kaum zu übersehen und genau das ist auch der Zweck des Anstrichs, erklärt Peter Ganter beim Ortstermin mit der Chiemgau-Zeitung. Auf gut 60 Quadratmetern kann „Ganter Presse & Buch“, so der offizielle Firmenname, das gleiche Sortiment anbieten wie früher im Bahnhof, nur „von allem ein bisschen weniger“, so Ganter. Der Bauausschuss des Marktgemeinderats hat die Nutzungsänderung der Räume in seiner jüngsten Sitzung ohne Diskussion einstimmig durchgewunken, sodass auch die Rechtsgrundlage für die Neueröffnung geschaffen wurde.

Viele Stammkunden sind längst wieder da, aber wegen der Pandemie kommen weniger Pendler und Schüler vorbei. Ob es am neuen Standort ähnlich gut läuft wie am alten, wollen die Ganter-Brüder erst beurteilen, wenn im Bahnhof ihre Nachfolger eröffnet haben. Es war wohl eine strategische Entscheidung der Bahn, die der Bahnhofsbuchhandlung im denkmalgeschützten Gebäude den Garaus gemacht hatte. Mitte August hatten die Ganters den Laden räumen müssen. Seitdem tut sich dort nichts.

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Ein Bahnsprecher kündigte auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung dieser Tage an: „Anfang nächsten Jahres wird ein DB Service-Store eröffnen. Er wird typischen Reisendenbedarf wie Getränke, Snacks und Zeitschriften verkaufen. Noch in diesem Jahr sollen Handwerker im Auftrag der Bahn die Räume so weit vorbereiten, dass der Mieter Anfang 2021 dort einziehen kann. Den genauen Eröffnungszeitpunkt legt der Mieter fest.“

Peter Ganter räumt die druckfrischen Chiemgau-Zeitungen im neuen Laden ins Regal.

Ob die Ganter-Buchhandlung am neuen Standort eine dauerhafte Bleibe gefunden hat, ist unklar. Der Gebäudetrakt soll eigentlich abgerissen werden, wenn das Bahnhofsumfeld umgestaltet wird. Nur wann dieses Jahrhundertprojekt, das vor zehn Jahren angestoßen worden war, Wirklichkeit wird, weiß niemand. Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) sicherte auf Anfrage aber zu, die Standortfrage des Ladens in weitere Überlegungen mit einzubeziehen. Ziel ist es, dass die Ganter-Brüder ihr Geschäft im Umfeld des Bahnhofs betreiben können. Im neuen Laden bereiten sie sich jetzt auf ein großes Jubiläum vor. Anfang 2021 ist es genau 50 Jahre her, dass die Eltern Marie-Luise und Peter Ganter, am Bahnhof einen Kiosk übernommen hatten. Das soll im nächsten Jahr gefeiert werden, kündigte Peter Ganter an.

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Er und sein Bruder hatten das Geschäft vor 20 Jahren übernommen und immer mehr ausgebaut. Neben dem Stammsitz Prien gehörten zuletzt Filialen in Bahnhöfen in Bad Endorf, Freilassing, Berchtesgaden, Garmisch, Weilheim und Freising zum Unternehmen.

Bad Endorf und Freilassing mussten ebenfalls geschlossen werden, weil die Mietverträge ausliefen und von der Bahn nicht verlängert wurden. In Freilassing haben die Ganters neue Räume in Bahnhofsnähe gefunden, Dagegen haben sie die Suche nach einem alternativen Standort in Bad Endorf aufgegeben.

Fast alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt

Von den 15 Mitarbeitern, die von den Schließungen betroffen waren, konnten Peter und Michael Ganter 13 weiterbeschäftigen. Die beiden anderen hätten sie an andere Arbeitgeber vermittelt. Die Ganters und ihr Team blicken nun wieder nach vorn. Über den sechsstelligen Betrag, den die Umsatzeinbußen der vorübergehenden Schließung gekostet hätten, wollen sie nicht mehr nachdenken. Sie verhandeln lieber mit dem Landratsamt, damit sie auch am neuen Platz sonntags öffnen dürfen. Direkt im Bahnhof war das gesetzlich möglich, weil sie Reisebedarf verkauft haben. Den gibt es weiterhin, aber ob die Nähe zum Bahnhof reicht, muss noch geklärt werden.

Aufmerksam beobachten die Entwicklung im Bahnhof nicht nur die Ganter-Brüder, sondern auch Luitpold Müller, Geschäftsführer der gleichnamigen Priener Familienbäckerei. Er hat zwar gerade erst die Öffnungszeiten seiner Filiale im Bahnhof auf Sonntag ausgeweitet, um den Andrang in anderen Filialen zu entzerren. Über den langfristigen Fortbestand des Ladens im Bahnhof will er aber erst entscheiden, wenn er die Auswirkungen der neuen Konkurrenz im früheren Ganter-Laden einschätzen kann, kündigte Müller im Gespräch mit der Redaktion an. „Food-Convenience wäre für uns der Super-Gau.“ Er fürchtet, dass die Umsätze einbrechen, wenn nebenan auch Backwaren verkauft werden.

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