CORONA-Impfung

Zu weit, zu technisch: Priener (89) beklagt große Impf-Hürden für die Ältesten

Johannes Schubert macht sich für die ältesten Mitbürger stark, die sich mit der Anmeldung für einen Impftermin schwer tun. Viele von ihnen sind zudem nicht mehr mobil genug, um ins Impfzentrum zu kommen.
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Johannes Schubert macht sich für die ältesten Mitbürger stark, die sich mit der Anmeldung für einen Impftermin schwer tun. Viele von ihnen sind zudem nicht mehr mobil genug, um ins Impfzentrum zu kommen.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Die Themen Impfen und Impfstoff dominieren aktuell die Debatten um die Bekämpfung der Corona-Pandemie. Kein Wunder, liegen doch darauf größte Hoffnungen. Gerade die am meist gefährdeten Menschen im hohen Alter kämpfen allerdings mit manchen Schwierigkeiten beim Zugang zur Impfung.

Prien – Die älteren Menschen sind eine der ersten Bevölkerungsgruppen, die möglichst bald geimpft und geschützt sein sollen. Doch gerade sie haben mitunter mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Das beginnt mit technischen Hürden beim Anmelden und endet bei der Möglichkeit, zum Impfzentrum zu kommen. Der Priener Johannes Schubert, selbst bald 90 Jahre alt, macht auf die Not in seiner Altersgruppe aufmerksam.

Der Ruheständler hilft Gleichaltrigen

Der weitgereiste Entwicklungsingenieur und ehemals begeisterte Segler verlegte seinen Wohnsitz im Jahr 2000 an den Chiemsee, als er in den Ruhestand ging. Er ist inzwischen mit seiner Bratsche nicht nur der älteste Musikant beim Chiemgau-Orchester, sondern steht Gleichaltrigen mit Rat und Tat zur Seite. Er selbst sei rüstig und könne sich gut helfen.

Manch alte Menschen sehen sich nicht in der Lage, zum Impfzentrum nach Rosenheim zu kommen

Aber: „Viele hochbetagte Leute in meinem Alter haben mich angesprochen“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie wüssten nicht, wie sie ins Impfzentrum nach Rosenheim gelangen sollen. „Sie sind oft nicht mehr mobil, haben kein Auto und wegen Corona Angst, mit der Bahn zu fahren.“ Nicht jeder könne sich ein Taxi leisten, sagt er. „Sie sehen sich nicht in der Lage, dorthin zu kommen.“

Kompliziertes Verfahren bei der Online-Anmeldung

Die nächste Hürde sei die Technik beim Anmelden. „Zum Teil sind keine Kinder oder Enkel da, die helfen können.“ Manche von ihnen wüssten noch nicht einmal, was ein Link ist. Klickt man einen solchen auf einer Homepage an, wird man direkt auf eine andere Internetseite geleitet. Ein Link ist also eine Verknüpfung. Manche ältere Menschen besäßen auch kein Smartphone. Dieses würde aber benötigt, um sich bei der Anmeldung am Computer mit einem Code zu identifizieren. Überhaupt bezeichnet er das Anmeldeprozedere als „kompliziertes Verfahren“. Er sagt: „Manche kapitulieren.“ Bezüglich Mobilität schlägt er Taxigutscheine oder mobile Teams für diese Betroffenen vor. Die jetzigen Maßnahmen, so sagt er, gingen an der Realität der über 80-Jährigen vorbei.

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Von „relativ seltenen Beschwerden“ aus dieser Altersgruppe berichtet Michael Fischer, Pressesprecher des Landkreises Rosenheim. In den zurückliegenden Wochen seien es jeweils drei bis fünf gewesen.

Das Landratsamt beantwortet Fragen und eine Hotline steht zur Verfügung

Allerdings habe es sich überwiegend um Anfragen von Personen gehandelt, die die alten Menschen unterstützen. Die überwiegenden Anfragen bezüglich Problemen bei der Onlineregistrierung hätten meist durch kurze technische Hinweise oder einen Verweis auf die Registrierungshotline gelöst werden können. Der Landkreis betreibe zusammen mit der Stadt Rosenheim eine Hotline unter der Nummer 08031/3 65 88 99. Außerdem beantworte das Landratsamt Fragen, die per E-Mail oder Post eintreffen. Fischer berichtet auch von örtlichen Hilfsangeboten, die sich bereits gebildet hätten, zum Beispiel von der Caritas.

Grundsätzlich sollen die Menschen ins Impfzentrum kommen

„Grundsätzlich sollen alle Menschen außerhalb der stationären Einrichtungen wie Alten- und Pflegeheime möglichst ins Impfzentrum kommen“, so Fischer. „Es wird jedoch nach unseren Informationen aktuell vom Bayerischen Gesundheitsministerium an einem Konzept für die Impfung nicht mobiler Personen gearbeitet, zum Beispiel für bettlägerige Senioren.“

Telefonnummer für Problemfälle

Die Stadt Rosenheim betreibt das Impfzentrum in Rosenheim gemeinsam mit dem Landkreis. Pressesprecher Christian Schwalm erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass auch ihm solche Sorgen älterer Menschen bekannt sind. Er erklärt, dass bei technischen Problemen eine telefonische Anmeldung möglich ist unter der Nummer 116 117. „Dort werden die Personen durch den Registrierungs-Prozess geführt.“

Sobald ein robuster Impfstoff zur Verfügung steht, können Hausärzte vor Ort impfen

Auch Pläne für sehr alte und nicht mehr mobile Menschen gebe es. „Sobald ein robuster und besser transportabler Impfstoff zur Verfügung steht, der nicht die hohen Kühlanforderungen von BioNTech-Pfizer hat, können auch zum Beispiel bettlägerige Einzelpersonen erreicht werden.“ Im Vordergrund stehe in Rosenheim der Einsatz der mobilen Impfteams und des stationären Impfzentrums. Taxi-Gutscheine oder ein Impfbus seien derzeit nicht geplant.

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