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Prien wohl älter als es offiziell ist

Im Jahr 1810 war Prien noch ein vergleichweise kleiner Ort, wie dieses Modell aus dem Heimatmuseum zeigt, das die Gemeinde von Nordwesten her darstellt. Links oben im Bild ist noch keine Bahnlinie zu sehen. Mit ihrem Bau begann 50 Jahre später dann das schnelle Wachstum Priens.  Foto  Archiv Berger
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Im Jahr 1810 war Prien noch ein vergleichweise kleiner Ort, wie dieses Modell aus dem Heimatmuseum zeigt, das die Gemeinde von Nordwesten her darstellt. Links oben im Bild ist noch keine Bahnlinie zu sehen. Mit ihrem Bau begann 50 Jahre später dann das schnelle Wachstum Priens. Foto Archiv Berger

Prien - Zum Abschluss des Kirchenjahres wird in der Pfarrei "Mariä Himmelfahrt" und in der Marktgemeinde Prien am 25. November das Fest der heiligen Katharina von Alexandrien gefeiert. Sie ist eine der sogenannten 14 Nothelferinnen und die Marktpatronin von Prien.

Beim festlichen Essen am Montagabend im Restaurant des "Medical Park Prien Kronprinz" fesselte Heimatpfleger Karl Aß die geladenen Gäste mit einem spannenden und sehr informativen Streifzug durch die Ortsgeschichte. Die ist länger als weithin bekannt. Das Jahr 1158, das zuletzt Grundlage für die großen 850-Jahr-Feierlichkeiten 2008 war, ist laut Aß wohl nicht das Gründungsjahr Priens.

Als offizieller Geburtsbrief Priens gilt eine Urkunde vom 12. September 1158. Darin hat Erzbischof Eberhard I. von Salzburg die Vogteirechte über die kirchlichen Güter im westlichen Chiemgau an Graf Siboto verliehen. In dem Dokument ist unter anderem festgehalten, dass Siboto zweimal im Jahr Gericht zu halten habe und die Herreninsel mit ihrem damaligen Kloster nur betreten darf, wenn er dorthin gerufen wird. Siboto musste also auf dem Festland, zwischen der Insel und dem damaligen Bistum Pinswang, einen Verwaltungs- und Gerichtsort einrichten. Das wurde Prien.

Die Urkunde von 1158 wurde in den 1950er-Jahren von Historikern als "Geburtsbrief" Priens erstmals offiziell verwendet. So kam es zur 800-Jahr Feier 1958, dem ersten großen Fest zum Gründungsjubiläum.

Wie Aß auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung ausführte, ist aber inzwischen bekannt, dass es vor dem genannten Siboto schon einen Grafen gleiches Namens gab, der sein Onkel und wohl auch schon Vogt war. Dieser lebte 20 bis 30 Jahre früher.

Dass 1158 zwar das offizielle, aber nicht das tatsächliche Gründungsjahr Priens war, ist für hiesige Historiker keine Überraschung. Funde einer römischen "Villa Rustica", die in der Nähe vom "Moar z'Bruck" am heutigen Ortsausgang in Richtung Rimsting stand und wohl um das Jahr 250 nach Christus aufgegeben worden ist, können aber laut Aß nicht mit dem Ort Prien in Zusammenhang gebracht werden. Gesicherte Erkenntnisse gibt es für die heutigen Ortsteile Trautersdorf und Ernsdorf, die schon in den Jahren 790 beziehungsweise 963 als Siedlungen nachgewiesen werden können.

An der Bedeutung Priens schon im späten zwölften und folgenden Jahrhunderten besteht indes kein Zweifel. Als Gerichtsort wird es beispielsweise 1331 urkundlich erwähnt, der jährliche Katharinenmarkt ist erstmals 1468 nachweislich belegt und damit wohl der älteste bekannte Markt im ganzen Chiemgau, aus dem Jahr 1468 sind mehrere handwerkliche Zünfte beurkundet. Sogar schon aus dem Jahr 1180 datiert die erste Namensnennung eines Priener Pfarrers.

Trotzdem wuchs Prien bis ins 19. Jahrhundert nur sehr langsam. Das Gries, das wegen seiner gut erhaltenen Handwerkerhäuser auch heute noch oft fälschlicherweise als ältester Ortsteil bezeichnet wird, Aß zufolge aber "erst" ab zirka 1400 besiedelt wurde, wuchs damals pro Jahrhundert gerade mal um drei Häuser.

Die letzte Hinrichtung im Gerichtsort Prien ist Aß zufolge übrigens aus dem Jahr 1780 überliefert. Meist seien in diesen Zeiten Diebe am Galgen gelandet, einmal aber auch eine "Hexe".

Das Wachstum der heutigen Marktgemeinde beschleunigte sich fast explosionsartig ab dem Jahr 1860, für Aß "die zweite Geburtsstunde" Priens. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie München-Salzburg und des örtlichen Bahnhofs wurde die heutige Chiemseemetropole für die Städter aus München schnell erreichbar. Nicht wenige betuchten Münchener kauften Grund von örtlichen Bauern und bauten hier. Sehr gut nachempfunden werden kann dieser Entwicklungssprung anhand von zwei Ortsmodellen aus den Jahren 1818 und dem schon wesentlich größeren von 1890, die im Heimatmuseum zu sehen sind. Ihre historische Bedeutung ist an ihren Inventarnummern aus der Gründungszeit des Museums vor genau 100 Jahren in der Sammlung zu ermessen: 1 und 2.

Die tatsächliche Gründung Priens wird wohl für immer ein ungelöstes Rätsel und die Urkunde aus dem Jahr 1158 das älteste bekannte und somit belastbare Dokument bleiben.

Vor dem Streifzug von Aß durch die Historie hatte Bürgermeister Jürgen Seifert das zu Ende gehende 2013 rückblickend unter das Motto "Ein Jahr in der Gemeinschaft gestellt". Vor allem erfülle es ihn mit Stolz, dass die Menschen das Jahrhunderthochwasser Anfang Juni zusammen gemeistert hätten. Da habe man gesehen, dass Prien "ein Ort mit Herz und Seele ist".

Seifert nutzte den festlichen Rahmen auch, um seine Stellvertreterin Renate Hof zu würdigen. Wie berichtet, kandidiert die Senioren- und Behindertenreferentin der Marktgemeinde nicht mehr auf der CSU-Liste für die Kommunalwahl im März. Hof habe sich über viele Jahre für die Schwachen in der Gemeinde eingesetzt, erinnerte Seifert, dies sei beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Der Festabend wurde von drei Dirndln der Musikschule volksmusikalisch sehr stimmungsvoll umrahmt.

Beim Festgottesdienst, der von den Mitgliedern des Kirchenchores und des Chores Capella Vocale musikalisch gestaltet wurde, hatte zuvor Monsignore Bruno Fink an das vorbildliche Glaubenszeugnis der heiligen Katharina erinnert, die in den Jahren 303 und 304 nach Christus aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt und getötet wurde. Fink feierte den Gottesdienst in Konzelebration mit den Ruhestands-Geistlichen Walter Kronast und Josef Dengl sowie mit Kaplan Konrad Roider. db/hö

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