Prien will seinen Läden mit 100.000 Euro durch Corona-Krise helfen, darf aber nicht

Die Aktion „Prien hoid zam“ soll dem örtlichen Gewerbe in Zeiten der Corona-Pandemie helfen. Gemeinde, PriMa und PrienPartner werben gemeinsam dafür. Berger
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„Prien hoid zam“: Unter diesem Motto stehen Aktionen, die den gebeutelten Betrieben helfen sollen, die Corona-Krise zu überstehen. Die Marktgemiende wollte dafür 100000 Euro locker machen. Aber der bayerische Gemeindetag hat etwas dagegen.

Prien – Eigentlich wollte der Markt Prien jedem Bürger, egal welches Alters, zur Wiedereröffnung der örtlichen Geschäfte einen Einkaufsgutschein über zehn Euro in den Briefkasten werfen. Eine fünfköpfige Familie zum Beispiel hätte also immerhin 50 Euro bekommen, um in Priener Geschäfte einzukaufen und diese Läden nach der wochenlangen Zwangsschließung zu unterstützen.

Bürgermeister ist „schockiert“

Aber daraus ist nichts geworden. Der bayerische Gemeindetag und der kommunale Rechnungsprüfungsverband hätten bei der Prüfung des gemeindlichen Vorhabens mitgeteilt, dass eine direkte Unterstützung der örtlichen Betriebe durch die Gemeinde, auch in Zeiten der Corona-Pandemie, nicht erlaubt sei, erklärte Bürgermeister Jürgen Seifert (parteilos) in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats. „Ganz ehrlich: Ich bin schockiert“, kommentierte er das Veto der übergeordneten Stellen.

Prien bläst Gutscheinaktion ab

Eine Klärung durch die Rechtsaufsicht des Landratsamtes Rosenheim sei so kurzfristig bis zur Sitzung noch nicht möglich gewesen, bedauerte Seifert, dass die Gemeinde die Gutscheinaktion aus rechtlichen Gründen abblasen musste.

Der Aufsichtsrat der Prien Marketing GmbH (PriMa) hatte zuvor einstimmig beschlossen, die Hilfsinitiative „Prien hoid zam“ mit 100.000 Euro zu unterstützen. Gemeinde, PriMa und der Gewerbeverein PrienPartner hatten sich unter diesem Motto zusammengetan, um den örtlichen Betrieben zu helfen.

„Jetzt ist Hilfe nötig, nicht später“

Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster (CSU) appellierte in der Sitzung, sehr zeitnah andere Möglichkeiten auszuloten, dem örtlichen Handel zu helfen. „Jetzt ist es wichtig, nicht später“, betonte Schuster.

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Viel Lob für die Idee aus Prien

Werner Waap (BfP), selbst Einzelhändler mit Bioladen („Werners Naturalien“) lobte die zupackende Zusammenarbeit und die gut koordinierten Aktionen der Beteiligten, mit denen seit Wochen die Priener Betriebe unterstützt werden. So hatten die PrienPartner beispielsweise an Gewerbetreibende kostenlos Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Masken für das Personal verteilt, kurz bevor die Läden wieder öffnen durften. „Als Händler habe ich mich sehr gut wahrgenommen gefühlt“ freute sich Waap.

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Prien denkt über Alternativen nach

Wirtschaftsreferent Gunther Kraus (CSU) erklärte, dass es inzwischen bereits Gespräche gegeben habe, um auszuloten, welche Aktionen mit den 100.000 Euro alternativ angestoßen werden könnten. „Wir haben schon etwas in der Schublade“, kündigte Kraus an.

Varianten zur Gutscheinaktion

Sein Vorgänger als Wirtschaftsreferent, Klaus Löhmann (CSU), präzisierte, dass derzeit drei alternative Möglichkeiten zur Gutscheinaktion geprüft würden: ein Bonussystem mit dem Namen „Prientaler“, eine Finanzspritze für das Programm „Preana Platzerl“, mit dem die Aufenthaltsqualität zwischen See und Zentrum im Vorfeld der bayerischen Landesausstellung 2021 auf der Herreninsel verbessert werden soll, sowie eine Unterstützung der PrienPartner-Initiative, in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rosenheim die Internet-Präsenz der örtlichen Betriebe zu verbessern.

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