Gemeinderat beschließt Veränderungssperre

Erholungsgebiet erhalten: Herrnberg in Prien soll bleiben wie er ist

Ein neuer Bebauungsplan soll den Norden des Herrnbergs vor zu massiver Bebauung schützen. Der Marktgemeinderat verhängte in seiner jüngsten Sitzung sogar eine Veränderungssperre.
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Ein neuer Bebauungsplan soll den Norden des Herrnbergs vor zu massiver Bebauung schützen. Der Marktgemeinderat verhängte in seiner jüngsten Sitzung sogar eine Veränderungssperre.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Der Herrnberg ist eine der ersten Wohnadressen in Prien. Überdies hat als Landschaftsschutz- und Erholungsgebiet auch für die Allgemeinheit eine große Bedeutung.

Prien – Der Marktgemeinderat will diesen Zustand erhalten und beschloss in seiner jüngsten Sitzung eine Veränderungssperre sprich es darf vorerst nicht mehr gebaut werden. Zuvor fiel der einstimmige Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan „Herrnberg Nord“.

Rechtsstreit wegen eines Projektes

Auslöser war ein Bauvorhaben Am Herrnberg 24 (wir berichteten). Dort möchte der Grundstückseigentümer zwei neue Einfamilienhäuser mit einer über 100 Quadratmeter großen Hanggarage bauen. Dem Marktgemeinderat war das Vorhaben zu wuchtig, und er verweigerte sein Einvernehmen.

Die Marktgemeinde Prien ist mit dem Landratsamt im Rechtsstreit

Das Landratsamt Rosenheim ersetzte diese Entscheidung mit einer Baugenehmigung. Die Gemeinde klagte dagegen, der Rechtsstreit dauert aktuell noch an. In der jüngsten Sitzung hatte sich der Priener Marktgemeinderat mit einer neuen Bauvoranfrage des Eigentümers zu befassen.

Trotz Minimierung widerspricht das Bauvorhaben immer noch den Plänen der Gemeinde

Zwar seien Maße verringert worden, doch widerspreche das Vorhaben immer noch den Planungen der Gemeinde, informierte Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) in der Sitzung. Bei der Gegenstimme von Sepp Schuster (AfD) lehnte das Gremiums diesen „Antrag auf Vorbescheid“ ab.

Der freie Blick vom Aussichtspunkt auf Prien soll erhalten bleiben

Der Beschluss war die logische Konsequenz der beiden vorher behandelten Punkte, die sich mit der Grundsatzfrage um die Zukunft des Bereichs „Herrnberg Nord“ befassten.

Der Marktgemeinderat sprach sich einstimmig für eine Veränderungssperre aus. Im Gespräch mit unserer Zeitung führte Bürgermeister Friedrich aus, dass sich der Bauausschuss die Situation vor Ort angesehen habe. Man sei übereingekommen, den freien Blick auf Prien vom Aussichtspunkt beim „Schwammerl“ aus erhalten zu wollen, ebenso den Blick nach Osten entlang der Häuserreihe. Auch der Baumbestand soll bestehenbleiben, er präge das Ortsbild.

Große Grundstücke mit viel Grün

„Die Leute gehen dort oben gerne spazieren und genießen die Aussicht“, so Friedrich. Die „Sichtachsen“ sollten nicht verbaut werden. Die bestehende Wohnbebauung sei zurückhaltend und von großen Grundstücken „mit viel Grün“ geprägt. Angrenzend liegt das Landschaftsschutzgebiet aus der Chiemsee-Schutzverordnung. „Der Herrnberg ist in dieser Kombination in der Marktgemeinde ein einmaliges Fleckchen Erde“, so der Bürgermeister. „Diesen Charakter wollen wir nicht verbauen.“

Gebäudegröße soll im neuen Bebauungsplan geregelt werden

Bauamtsleiter Thomas Lindner führte all diese Punkte in der Sitzung des Marktgemeinderates aus. Der westliche Teil des Herrnbergs sei bereits durch einen Bebauungsplan geregelt. Nun solle auch einer für den rund 36 000 Quadratmeter großen nördlichen Bereich folgen. Darin soll zum Beispiel festgelegt werden, wie groß Gebäude im Verhältnis zur Grundstücksgröße gebaut werden dürfen, ebenso wie hoch. Einhergehend mit der Aufstellung des neuen Bebauungsplans, beschloss der Marktgemeinderat, den Baumbestand dort zu erfassen und als erhaltenswert festzusetzen.

Grundstückspreise von 800 bis 1500 Euro und mehr pro Quadratmeter in Prien

Nicht der Herrnberg, sondern ganz Prien ist begehrte Wohngegend. Das wirkt sich auf die Grundstückspreise aus, die laut Schätzungen des Bürgermeisters inzwischen bei 800 bis 1500 Euro und mehr pro Quadratmeter liegen. „Der Platz ist begrenzt“, sagt er. Selbst Einheimische tun sich inzwischen schwer, Grundstücke zu finden oder gar zu finanzieren. Zwar habe die Marktgemeinde ein Einheimischenmodell geregelt, doch besitze sie keinen Baugrund. Der Bauentwicklung seien weitere Grenzen gesetzt. „Es ist auch unsere Aufgabe, die Wohnqualität zu erhalten und Flächen zu sparen.“

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