Kriterien erneut erfüllt

Prien trägt weiterhin den Titel Fair-Trade-Gemeinde

Prien hat es geschafft, Fair-Trade-Gemeinde zu bleiben: Bürgermeister Andreas Friedrich überreicht Angela Kind die Urkunde.
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Prien hat es geschafft, Fair-Trade-Gemeinde zu bleiben: Bürgermeister Andreas Friedrich überreicht Angela Kind die Urkunde.

Kriterien für fairen Handel erneut erfüllt: Der Markt Prien bleibt auch in den nächsten zwei Jahren Fair-Trade-Gemeinde. Bürgermeister Andreas Friedrich gab jetzt die Urkunde weiter.

Von Petra Wagner

Prien – Er hat alle geforderten Kriterien erfüllt: Auch in den nächsten zwei Jahren darf der Markt Prien den Titel „Fair-Trade-Gemeinde“ tragen. Die Marktgemeinde steht damit neben den Weltstädten London, Paris, Rom, Brüssel, San Franzisko und Taipeh für einen fairen Umgang mit landwirtschaftlichen Produzenten in Drittländern ein.

Er sei glücklich, dass es Prien wieder geschafft habe, sich als Fair-Trade-Gemeinde zu qualifizieren, sagte Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) in seinem Büro im Rathaus, als er die Urkunde an die Leiterin der gemeindlichen Fair-Trade-Steuerungsgruppe, Angela Kind, überreichte. Die Gemeinderätin (Die Grünen) hatte das Engagement vor vier Jahren initiiert und organisiert.

Die Auszeichnung gilt zwei Jahre und muss neuverdient werden

Die Auszeichnung gilt jeweils für zwei Jahre und muss dann wieder neu verdient werden. Dazu müssen mehrere Kriterien erfüllt werden, die das Engagement für fairen Handel auf verschiedenen Ebenen einer Kommune betreffen. Neben einem Gemeinderatsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels wird gefordert, dass bei allen Sitzungen fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt wird. Es muss zudem eine Steuerungsgruppe mit Mitgliedern aus Politik, Handel und Gesellschaft gegründet werden, die die Aktionen umsetzt. Im Weiteren müssen bei einer Gemeindegröße wie der von Prien mindestens vier Einzelhandelsgeschäfte und zwei Gastronomiebetriebe sowie eine öffentliche Einrichtung gefunden werden, die faire Produkte anbieten. Ebenfalls wird gefordert, dass in der Presse über die Aktionen berichtet wird.

„Aufgrund der Corona-Pandemie war es heuer eher schwierig, die Anforderungen zu erfüllen“, erklärte Angela Kind. So hätten Veranstaltungen wie die Aufführung eines Musicals „Global Players“ für Schüler sowie Probierstände für die faire heimische Schokolade „Priener Fair-Versuchung“ abgesagt werden müssen. Dennoch sei es gelungen, zu den bislang elf Einzelhandelsgeschäften und drei Gastronomiebetrieben weitere zwei Unternehmen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe zu gewinnen, so Kind. Zudem wurden je zwei faire Bälle an Priener Schulen übergeben.

Erneute Titelvergabe wird im Januar nachgefeiert

2018 wurde beim erstmaligen Erreichen der Zertifizierung noch angemessen im Chiemsee Saal gefeiert. „Heuer mussten wir aufgrund der Beschränkungen darauf verzichten“, bedauerte Kind. Geplant sei aber, dies im Januar in einem kleinen Rahmen nachzuholen, so Friedrich.

Nachdem Rosenheim den Titel als „Fair-Trade-Town 2016“ bekommen hat, ist Prien diesem Vorbild auf Initiative der Gemeinderätin Angela Kind gefolgt. Mittlerweile können sich 700 Städte und Gemeinden in Deutschland als Fair-Trade-Gemeinde bezeichnen. Die Idee verbreite sich rasend schnell in der ganzen Welt. Es sei eine gute Sache, denn damit würde Menschen in ärmeren Regionen geholfen, betonte Friedrich.

Mit fairem Handel erzielten die landwirtschaftlichen Produzenten auch in Drittländern ein angemessenes Einkommen, das ihnen das Überleben in der Heimat ermögliche. So müssten sie sich nicht auf die Flucht in ein vermeintlich besseres Leben aufmachen, meinte Kind. Mit einem leistungsgerechten Einkommen werde zudem deren Arbeit entsprechend honoriert.

Zudem verbessere es die Lebensumstände vor Ort, ergänzte Friedrich. So könnten die landwirtschaftlichen Erzeuger selbst für ein gutes Leben sorgen und müssten nicht um Almosen bitten.

Zum fairen Handel gehört auch Kauf der regionalen Produkte

Als nächstes Ziel wird angepeilt, dass die ansässige Hotellerie und Gastronomie in die Fair-Trade-Metropolregion München aufgenommen wird. Derzeit hätten sich das Schlosscafé im Schloss Herrenchiemsee sowie das Yachthotel darum beworben, sagte Kind im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. In beiden Lokalitäten werde fair gehandelter Kaffee angeboten. „Zum fairen Handel gehört aber auch, dass die regionalen Produkte unserer Landwirte gekauft werden“, so die Gemeinderätin. Es gehe um mehr Gerechtigkeit, damit landwirtschaftliche Produzenten – hier wie in Drittländern – ein Auskommen hätten, auch, um Fluchtursachen zu vereiteln.

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