Nach Verkehrsschau

Sturzgefahr am Bahnübergang Seestraße in Prien: „Nasen“ sollen Sicherheit verbessern

Immer wieder bleiben Radler mit den Reifen in den diagonal verlaufenden Schienen des Bahnübergangs in der Seestraße hängen und stürzen. Heuer im Sommer waren es besonders viele, die sich verletzten.
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Immer wieder bleiben Radler mit den Reifen in den diagonal verlaufenden Schienen des Bahnübergangs in der Seestraße hängen und stürzen. Heuer im Sommer waren es besonders viele, die sich verletzten.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Der Bahnübergang in der Seestraße gilt bei vielen Radfahrern als Gefahrenstelle. Immer wieder bleiben Radler mit den Reifen in den Schienen hängen und stürzen. Heuer waren es besonders viele. Jetzt sollen sogenannte Betonnasen die Unfallstelle entschärfen.

Prien – Darauf haben sich Gemeinde, Landratsamt, Polizei und die Chiemsee-Schifffahrt am Montag bei einer Verkehrsschau verständigt.

Das hat Bürgermeister Andreas Friedrich auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung erklärt. Die Redaktion durfte an den Ortstermin nicht teilnehmen. Das Landratsamt Rosenheim als Veranstalter wollte wegen der Corona-Pandemie keine zusätzlichen Teilnehmer.

Zehn aktenkundige Stürze in nur drei Monaten

Die Stelle, an der die Chiemseebahn auf ihren Weg zwischen Bahnhof und Hafen die Seestraße diagonal quert, gilt bei Radfahrern seit vielen Jahren als gefährlich. Die Zahlen sprechen für sich. 14 Unfälle mit teilweise erheblichen Verletzungen der Radler stehen 2019 für diese neuralgische Stelle in der Statistik von Wolf´gang Schlemer. Der Verkehrssachbearbeiter der Polizei Prien nahm heuer zwischen Juni und August allein schon zehn Stürze dort auf. Auch hier dürfte die Dunkelziffer viel höher sein.

Ein Muster sei nicht erkennbar, gestürzt seien Junge und Ältere, Einheimische und Urlauber. Den eklatanten Anstieg heuer macht Schlemer an dem Umstand fest, dass in der Corona-Zeit noch mehr Menschen aufs Rad umgestiegen seien und wegen des Trends zum Urlaub im eigenen Land im Sommer noch mehr Touristen Prien bevölkert haben als sonst in der Hauptsaison.

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Weil die Beschwerden aus der Priener Bürgerschaft immer wieder aufflammten, hatte der Markt Prien 2019 zusätzlich zu den schon vorhandenen Hinweisschildern Warmsymbole auf den Asphalt gemalt– ohne messbaren Erfolg.

Mehr Unfälle durch Angebotsstreifen für Radfahrer?

Immer mehr gerieten die sogenannten Radschutzstreifen in Verdacht, die Sturzgefahr zu erhöhen. Sie waren vor einigen Jahren aufgebracht worden und sollen eigentlich die Sicherheit für Radfahrer verbessern. Am Übergang Seestraße ist offenbar das Gegenteil passiert. Offenbar hemmen die gestrichelten Linien Radler, diese in Richtung Fahrbahnmitte kurz zu überfahren, um auszuholen und in einem sicheren Winkel die Gleise queren zu können.

Michael Feßler, Geschäftsführer der Chiemsee-Schifffahrt, bestätigt das: „Seit es die Angebotsstreifen für Radfahrer gibt, steigt die Unfallzahl. Das sind unsere Beobachtungen. Die Radler wollen sich dort an die Vorgabe halten, wo sie zu fahren haben. Früher haben sie einen Schlenker gemacht, um die Schienen besser kreuzen zu können.“

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So ähnlich wie an der Kreuzung Stocker Spinne in Hafennähe könnten die Verkehrsinseln ausschauen, die den Übergang in der Seestraße entschärfen sollen.

Deshalb sollen die Schutzstreifen auf Höhe der Bahngleise jetzt abgefräst werden. Statt des Radschutzstreifens sollen zeitnah sogenannte Nasen installiert werden, kündigte Friedrich nach der Bahnverkehrsschau an. Die Verwaltung prüfe nun, welche Modelle am sinnvollsten seien. Die Hindernisse am Fahrbandrand sollen Radler zwingen, auszuholen, damit sie in einem sicheren Winkel mit den Reifen die Gleise überfahren, erläuterte Verkehrsexperte Schlemer von der Polizei den erhofften Effekt.

Einen neuen Gefahrenherd durch eine erzwungene Verengung der Fahrbahnen für den motorisierten Verkehr fürchten Bürgermeister und Polizei nicht.

„Der sichere Betrieb des Eisenbahnverkehrs ist von hohem Stellenwert und die Überquerung der Schienen, die auch ausreichend kenntlich und beschildert sind, liegt in der Eigenverantwortung des jeweiligen Verkehrsteilnehmers.“

Martin Plenk, Leiter Ordnungsamt Prien, über die jüngsten Gerichtsurteile

Die Chiemsee-Schifffahrt, die die Chiemseebahn zwischen Zentrum und Hafengelände seit 1887 betreibt, hatte immer wieder beim Aufflammen der Beschwerden betont, dass von ihrer Seite alles Mögliche unternommen worden sei, die Unfallgefahr zu minimieren Zuletzt war bei der vorangegangnen Bahnverkehrsschau im Mai 2018 von den Aufsichtsbehörden bestätigt worden, dass der Übergang rechtlich nicht zu beanstanden sei und von Gemeindeseite sämtliche Maßnahmen zur Unfallverhütung ausgeschöpft worden seien, hatte zuletzt auf Nachfrage Ordnungsamtsleiter Martin Plenk bekräftigt.

Zwei Fälle landen vor Gericht

Zwei Radunfälle am Bahnübergang in der Seestraße, die mit Verletzungen endeten, landeten in jüngerer Vergangenheit vor Gericht. „Bei beiden Verfahren wurde vor Urteilsverkündung die Klage zurückgenommen. Jeweils stellte das Gericht die Gewichtung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes in den Vordergrund“, so Ordnungsamtsleiter Martin Plenk, mit dem Tenor: „Der sichere Betrieb des Eisenbahnverkehrs ist von hohem Stellenwert und die Überquerung der Schienen, die auch ausreichend kenntlich und beschildert sind, liegt in der Eigenverantwortung des jeweiligen Verkehrsteilnehmers.“

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