Prien: Schulden des Märchenkönigs bedeuten heute touristisches Gold für die Chiemsee-Region

Als Standort für sein neues Schloss Herrenchiemsee erwarb König Ludwig II. die Herreninsel im Jahr 1873. Als Abbild von Versailles sollte dieses Schloss ein „Tempel des Ruhmes“ für König Ludwig XIV. von Frankreich werden, den der bayerische Monarch grenzenlos verehrte.
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Als Standort für sein neues Schloss Herrenchiemsee erwarb König Ludwig II. die Herreninsel im Jahr 1873. Als Abbild von Versailles sollte dieses Schloss ein „Tempel des Ruhmes“ für König Ludwig XIV. von Frankreich werden, den der bayerische Monarch grenzenlos verehrte.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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  • Anton Hötzelsperger
    Anton Hötzelsperger
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Schloss Herrenchiemsee ist ein Magnet für Besucher aus aller Welt: „Was wären Prien, der Chiemsee und die Tourismusregion ohne das Schloss?“ Diese Frage stellte Priens Bürgermeister Andreas Friedrich in den Mittelpunkt seiner Festrede anlässlich eines Festaktes zum 175. Geburtstag König Ludwig II.

Prien/München – Durch 101 Kanonenschüsse wurde am 25. August 1845 kurz nach Mitternacht die Münchner Bevölkerung aus dem Schlaf gerissen: Im Schloss Nymphenburg hatte der bayerische Thronfolger Prinz Otto Ludwig Friedrich Wilhelm von Bayern, der spätere König Ludwig II., soeben das Licht der Welt erblickt.

Ebenso laut, aber erheblich weniger und am hellichten Tag krachte es 175 Jahre später auf den Schären im Priener Ortsteil Stock durch den Ehren-Salut der königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft. Der Anlass war ähnlich: In einem Festakt mit Blick auf Schloss Herrenchiemsee – des hoch verschuldeten Königs letztes und größtes Bauprojekt – erinnerten die Marktgemeinde und die Prien Marketing GmbH an dessen Geburtstag.

Ehren-Salut der königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Prien.

Ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt

„Was wären Prien, der Chiemsee und die Tourismusregion ohne Schloss Herrenchiemsee?“ Diese Frage stellte Priens Bürgermeister Andreas Friedrich in den Mittelpunkt seiner Festrede. „Ich bin überzeugt, dass sich der Tourismus anders entwickelt hätte, dass die Chiemseebahn, wenn sie denn überhaupt gebaut worden wäre, längst eingestellt wäre, dass die Schifffahrt in roten Zahlen wäre und dass tausende von Arbeitsplätzen rund um den See nicht entstanden wären.“ Bis heute präge das Schloss als „bayerisches Versailles“ das Bild der Region und gelte als kostbares Erbe für Einheimische und Magnet für Besucher aus aller Welt, betonte Friedrich.

Gästenachfrage ist seit Ende Mai ungebrochen

Schloss Herrenchiemsee im Rohbau um 1880.

Das diese Wirkung ungebrochen ist, aber durch die Corona-Pandemie derzeit etwas abgeschwächt wurde, zeigt ein Blick auf die Tourismuszahlen. „Wie überall hat das ‚Corona-Frühjahr‘ die Statistik stark verändert. Umso mehr freut es uns, dass wir eine beliebte Destination sind“, so Geschäftsführerin Andrea Hübner auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Die Gästenachfrage ist seit Ende Mai ungebrochen und das Tief von minus 68 Prozent bei den Ankünften Ende Mai hat sich um über ein Fünftel verbessert“, so Hübner. In Zahlen: Von Januar bis einschließlich Juli wurden knapp 30 000 Gästeankünfte verzeichnet; im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es rund 56000. Um ein Drittel brach allerdings heuer im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Übernachtungen ein: Bis Ende Juli wurden 100 000 gemeldet, 2019 waren es 150 000 Übernachtungen.

Der Kini hat die Bekanntheit des Chiemsees gesteigert

„Bis zum Jahresende werden wir die Negativentwicklung aber noch stark verkleinern können“, zeigte sich gestern PRIMA-Geschäftsführerin Hübner überzeugt. Auch davon: „Es besteht kein Zweifel, dass unser Märchenkönig die Bekanntheit des Chiemsees gesteigert hat. Zur weltweiten Erwähnung in Reiseführern über Deutschland hat unser ‚Kini‘ maßgeblich beigetragen.“

Dabei immer im Mittelpunkt: Schloss Herrenchiemsee. „Auch wenn das Schloss nach dem Tod Ludwigs im Jahr 1886 unvollendet blieb, stellt es eine beeindruckende Kombination von Architektur, Kunst, Inszenierung und Technik dar“, hatte Bürgermeister Friedrich in seinen Ausführungen betont. „Die Schlösserbauten bedeuteten eine hohe Förderung der Handwerkskunst in Bayern.“

Vor Fahnenabordnungen Priener Traditionsvereine: Bürgermeister Andreas Friedrich bei seiner Festrede.

In den Genuss dieser Förderung war um 1880 Josef Kobras gekommen, der als junger Baumeister nach Prien zog, wie sich sein Urenkel Dr. Thomas Bogenberger im Gespräch mit unserer Zeitung erinnert. „Mein Urgroßvater wurde vom Bauleiter und Geldgeber König Ludwigs II., Ritter Franz von Brandl als Bauführer auf die Herreninsel geholt, weil er durch eine besonders akkurat ausgeführte Eisenbahnbrücke aufgefallen war“, so der Priener.

Zur Belohnung gab es Geld für einen Bauplatz in Prien

Zur Belohnung seiner Arbeiten habe Brandl seinem Urgroßvater Geld für einen Bauplatz in Prien geschenkt.

Der Festakt an den Schären endete nach der Bayernhymne, gespielt von der Blasmusik Prien, so lautstark, wie er angefangen hatte: Mit donnerndem Salut, geschossen von Michael Feßler, Geschäftsführer der Chiemseeschifffahrt mit einer „Uralt“-Kanone und Bauhofmitarbeiter Erwin Nischbach mit einer Vorderlader-Kanone.

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