Prien: Rettung mitten in der Krise – Sanierung der Hefter-Gruppe durch Unternehmer Gerhard Mey

Die Hefter Unternehmensgruppe mit Sitz in Prien am Chiemsee ist vor allem im Maschinenbau tätig. Jetzt ist der insolvente Betrieb gerettet. Der Münchner Unternehmer Gerhard Mey übernimmt mit seiner MEY Industry GmbH die Gruppe. Berger
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Alles andere als ein Aprilscherz war die Nachricht von Hefter-Sanierungsgeschäftsführer Wolfgang Ströbele: Die Priener Unternehmensgruppe ist gerettet. Nach dem Notartermin am Montag, 30. März, erfolgte zum Mittwoch bereits die Hefter-Übernahme durch den Münchner Unternehmer Gerhard Mey.

Prien – Mey kauft mit seiner Beteiligungsgesellschaft Mey Industry GmbH den Geschäftsbetrieb der Hefter Maschinenbau GmbH & Co. KG sowie sämtliche Anteile der ungarischen Tochtergesellschaft Hefter Hungary Kft. „An sich hätte die Transaktion bereits Ende Februar abgeschlossen werden können“, so der für den M&A Prozess verantwortliche Baker Tilly-Partner Dr. Andreas Fröhlich: „Aber aufgrund der aktuellen Corona-Krise sagte uns ein Interessent kurzfristig vor dem Notartermin ab. In den vergangenen vier Wochen wurde deshalb weiter an einer Lösung mit anderen Interessenten gearbeitet.“

Transaktion binnen fünf Tagen abgewickelt

„Herr Mey kam tatsächlich erst fünf Tage vor dem Abschluss des Unternehmenskaufvertrags in den Prozess“, ergänzt der Sanierungsgeschäftsführer Wolfgang Ströbele von der Restrukturierungs- und Sanierungsberatung TrueNorth Management Consultants. Dank der großartigen und schnellen Arbeit aller an der Transaktion Beteiligten konnte ein so schneller Abschluss erreicht werden. Alle laufenden Geschäftsbetriebe in der Hefter-Gruppe in Deutschland und Ungarn konnten aus der Insolvenz veräußert werden. „Ein Glücksfall“, so Ströbele gegenüber unserer Zeitung.

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Gerhard Mey betont: „Ich sehe für das Unternehmen Hefter große Perspektiven, gerade im Verbund mit meinen weiteren Beteiligungen, so der Unternehmer. Man erhoffe sich zudem Synergieeffekt mit seinen bisherigen Betrieben. Die Hefter Maschinenbau GmbH & CO. KG ist als Maschinenbauunternehmen, ausschließlich als Auftragsfertiger beziehungsweise als verlängerte Werkbank tätig ist. Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung werden Maschinen im Kundenauftrag entwickelt und gebaut. Das Leistungsportfolio umfasst dabei sämtliche Schritte vom Entwurf über den Prototypenbau bis hin zur Serienfertigung.

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Insgesamt rund 230 der 300 Arbeitsplätze konnten so gesichert werden. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Ausnahmesituation ein herausragendes Ergebnis, stellt Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt Jens Weber von Baker Tilly heraus. Gestern informierten die Verantwortlichen die Mitarbeiter.

Tochtergesellschaften ebenfalls unter neuer Führung

Alle drei Unternehmen befanden sich seit dem 1. November beziehungsweise 1. Januar in Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Zum Sachwalter bestellte das Amtsgericht Rosenheim jeweils den Rosenheimer Rechtsanwalt Dr. Michael Miersch. Die Eigenverwaltung wurde im Insolvenzverfahren von einem großen Team des Beratungshauses Baker Tilly unter Federführung des Frankfurter Partners, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt Jens Weber und Dr. Andreas Fröhlich (M&A) beraten.

Außerdem konnten Anfang Februar beziehungsweise Anfang März bereits die Geschäftsbetriebe der Tochtergesellschaften Hefter Systemform GmbH und Hefter cleantech GmbH verkauft werden. Die Hefter Systemform ist im Bereich Postbearbeitung tätig und wurde von Francotyp Postalia-Gruppe erworben. Die Hefter cleantech vertreibt innovative Reinigungsmaschinen für den gewerblichen Bereich. Das Unternehmen wurde von der Vermop Salmon GmbH übernommen. „In beiden Fällen ist es gelungen, die Standorte in Prien am Chiemsee mit sämtlichen Arbeitsplätzen zu erhalten“, so Ströbele.

Die Hefter Unternehmensgruppe mit Sitz in Prien am Chiemsee ist vor allem im Maschinenbau tätig.

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