Masken für 20 statt 1 Euro und andere Herausforderungen für Priener Pflegedienste

Stefan Scheck im Lagerraum für Hygieneartikel. Nur wenige Mitarbeiter haben einen Schlüssel. Früher nahmen sich die Pflegekräfte, was sie brauchten. In Zeiten von Corona sind Desinfektionsmittel kostbar. Breitfuß
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Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten müssen in diesen Zeiten nicht nur besondere hygienische Vorgaben erfüllen. Bei Patienten und deren Angehörigen herrscht viel Verunsicherung. Aufklärungsarbeit ist gefragt, berichten die Geschäftsführer von zwei großen Priener Pflegediensten.

Prien – Die beiden größten ambulanten Pflegedienste aus der Marktgemeinde sind bisher von Corona-Infektionen verschont geblieben. Von Patienten und Mitarbeitern wurde bei wenigen krankheitsbedingten Verdachtsfällen noch niemand positiv getestet. Die Arbeit fordert das Personal insbesondere auch psychisch momentan enorm.

Stefan Scheck, Geschäftsführer von „Mayer – Reif – Scheck (MRS) – Ambulante Pflege und Betreuung“, und Beate Bolz, Geschäftsführerin der Ökumenischen Sozialstation, stehen im engen Austausch Auf Schecks Initiative ist vor einiger Zeit ein Pflege-Netzwerk geknüpft worden, zu dessen regelmäßigen Treffen drei weitere ambulante Pflegedienste aus Aschau, Bernau und Bad Endorf gehören.

Preise für Hygieneartikel explodiert

In der Marien-Apotheke gibt es für Priener Gewerbetreibende einen Liter Desinfektionsmittel und zehn Masken kostenlos, gibt Bolz dieser Tage bei einer morgendlichen Besprechung ihrem Kollegen Scheck anfangs gleich einen wertvollen Tipp. Die Beschaffung von Hygienematerial ist eine der besonderen Herausforderungen zurzeit.

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Vor ein paar Wochen kostete eine sogenannte FFP2-Maske, die vor allem in medizinischen Bereichen zum Einsatz kommt, noch einen Euro. Inzwischen verlangen einzelne Anbieter 20 Euro für ein Exemplar, erzählt Scheck im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Und Bolz nennt ein anderes Beispiel für die Preisexplosionen, die die Pflegedienste wirtschaftlich spüren: Die Packung Mund- und Nasen-Masken aus Stoff gab es früher für acht Euro. Heute werde ihr die gleiche Menge für 42 Euro angeboten.

Vor Corona haben sich die einzelnen Pflegekräfte am Stützpunkt mit allen nötigen Materialien eingedeckt, bevor sie zu ihren Patientenrunden aufgebrochen sind. Jetzt haben nur ausgewählte Mitarbeiter Zugang zu den Vorräten. Das „neue Gold“, wie Scheck die Vorräte von Desinfektionsmitteln, Handschuhen, Schutzanzügen und anderen Hygieneartikeln mit einem Anflug von Sarkasmus nennt, lagert in einem abgeschlossenen Raum der MRS-Zentrale.

Nach Engpässen in den ersten Wochen der Corona-Krise hat sich die Beschaffung nach Angaben der beiden Geschäftsführer inzwischen offenbar ganz gut eingespielt. Scheck und Bolz loben unisono das Krisenteam des Katastrophenschutzes im Landkreis Rosenheim. Sie bekommen, was sie dort wöchentlich bestellen, sind beide froh. Und wenn gerade kein Mitarbeiter Zeit hat, zur zentralen Material-Ausgabe nach Bruckmühl zu fahren, ruft Bolz Andrea Fischer an, und die Abteilungsleiterin der TuS-Fußballer organisiert die Abholung. Da sind die kurzen Wege zwischen Priener Organisationen, Firmen und Vereinen wieder einmal Gold wert. Man hilft sich gegenseitig.

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Corona hat nicht nur bei Patienten und deren Angehörigen Ängste und Verunsicherung geschürt, über die Scheck und Bolz viele und lange Aufklärungsgespräche führen. Beide Geschäftsführer erzählen zudem von vielen langen Gesprächen mit Pflegekräften aus ihren Reihen. Unter den fast 50 Mitarbeitern, mit denen beide Anbieter zusammen aktuell rund 200 Patienten in Prien und Nachbargemeinden betreuen, sind viele Mütter, die mitunter besonders große Sorge haben, sich und dann auch ihren Nachwuchs irgendwo anzustecken. „Pflegekräfte sind ja auch nur ganz normale Menschen“, umschreibt Scheck.

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Die Mitarbeiter sind angehalten, im Dienst ständig Mund- und Nasenschutz zu tragen. Das ist für manche gewöhnungsbedürftig, vor allem im Auto auf der Fahrt von einem Patienten zum nächsten. „Du sollst ja am Mund- und Nasenschutz nicht ständig rumfingern, wenn er verrutscht ist“, erklärt Bolz, dass die verschärften Hygienevorschriften auch für pflegerisches Fachpersonal erstmal Übungssache sind.

Mitarbeiter und Patienten bisher nicht erkrankt

Von Corona sind Mitarbeiter und Patienten der beiden großen Pflegedienste bisher verschont geblieben. Es habe drei Verdachtsfälle in den Reihen des Personals gegeben, die sich bei Tests aber nicht bestätigt hätten, berichtet Scheck. Weil die meisten Patienten ohnehin wenig bis gar nicht außer Haus kommen, sei das Ansteckungsrisiko dort nicht so groß. Natürlich hoffen auch Scheck und Bolz, dass sich die Lage bald entspannt. Denn neben den explodierten Beschaffungskosten für Hygieneartikel hat die Corona-Krise einen weiteren negativen Aspekt für die Pflegedienste. Zahlreiche Angehörige von Patienten sind in Kurzarbeit oder im Homeoffice und übernehmen die häusliche Pflege zur Zeit selber. Bei der ökumenischen Sozialstation fehlen deshalb momentan Bolz zufolge gut 20 Kunden.

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