Blick in die Vereinsgeschichte

Prien: Obst- und Gartenbauverein gartelt bereits seit über 100 Jahren

Von 78 Gründungsmitgliedern ist der Verein auf aktuell 413 angewachsen. RE
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Von 78 Gründungsmitgliedern ist der Verein auf aktuell 413 angewachsen. RE

Die Gründung des Obstbauvereins Prien erfolgte bereits 1908, wie aus handschriftlichen Aufzeichnungen in einem Kassenbuch hervorgeht. Der Verein startete mit 78 Mitgliedern – 50 Pfennig betrug der Mitgliedsbeitrag. Ein Blick in die Vereinsgeschichte.

Prien – Als erste Anschaffung erwarb der Verein 1910 einen „Weckapparat“, der von den Mitgliedern ausgeliehen werden konnte. In diesem Jahr wurde auch die erste Sammelbestellung von Obstbäumen durchgeführt.

1920 eine Kelterei errichtet

Während des Ersten Weltkriegs lief die Vereinstätigkeit weiter, allerdings mit anderen Schwerpunkten: Im Dezember 1914 organisierte der Verein den Versand von Obst für die Soldaten an der Front. Ab 1915 gingen regelmäßige Obstlieferungen an das Rote Kreuz für die „Suppenschule Prien“, die Kinder im Rahmen einer Schulspeisung erhielten. 1920 wurde eine Kelterei eingerichtet; 1922 gründete die Obstverwertung eine eigene Genossenschaft, die heute noch am Eingang zum Eichental besteht. Schwierige Zeiten waren in den Jahren 1927 bis 1929 zu überstehen: Am 11. Juni 1927 gab es die schwersten Hagelschläge seit Menschengedenken, am 22. Mai 1928 fügten strenge Nachtfröste während der Hauptblüte und lang anhaltende Kälte im Winter 1928/29 große Schäden zu. Allein in Prien und Umgebung erfroren knapp 1100 Obstbäume, vor allem Zwetschgen. 1938 galt ein Versammlungsverbot, da die Maul- und Klauenseuche wütete. Während im Ersten Weltkrieg das Vereinsleben ohne Unterbrechung weiterbestand, ruhte es im Zweiten Weltkrieg von 1942 bis 1945 und nach Kriegsende bis 1947 vollkommen. Erst am 14. Dezember 1947 wurde der Verein neu lizenziert.

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Beschränkte sich das Vereinsinteresse zu Beginn hauptsächlich auf den Obstanbau, kam erstmals Mitte der 50er-Jahre in einer Versammlung das Thema „Blumenschmuck“ auf. Folgende Vorsitzende führten den Verein: Von 1908 bis 1933 Lorenz Obermüller aus Leiten, von 1933 bis 1965 dessen Sohn Lorenz, von 1965 bis 1981 Lorenz Scheck aus Weisham, von 1981 bis 2010 Günther Krumrey aus Prien und seit 2010 Felix Perl aus Prien. Da viele Mitglieder aus umliegenden Gemeinden, insbesondere aus Rimsting, stammen, wurde der Verein zwischenzeitlich in Obst- und Gartenbauverein Prien und Umgebung umbenannt. Mittlerweile ist der Verein auf 413 Mitglieder angewachsen. Der Jahresbeitrag in Höhe von derzeit zehn Euro ist nach wie vor moderat, hiervon werden 3,50 Euro pro Person an den Landesverband abgeführt.

Im Rahmen des Obst- und Gartenbaus fördert der Verein die Landespflege und den Umweltschutz zur Erhaltung einer schönen Kulturlandschaft und der menschlichen Gesundheit. Durch die Ortsverschönerung dient er der Verschönerung der Heimat, der Heimatpflege und somit der gesamten Landeskultur.

Im Corona-Jahr fielen fast alle Termine aus

Ein vielfältiges Programm mit Veranstaltungen und Ausflügen soll den Wünschen der Mitglieder gerecht werden und erhält den Verein beständig und lebendig. Auch im Ortsleben ist der Verein eingebunden. So wurde zur 850-Jahr-Feier des Marktes Prien ein eigener Festwagen aus Blumen gesteckt, Blumenschmuck bei Primizen sowie bei der Gedenkmesse für die Gefallenen auf der Kampenwand im August 2017 erstellt.

Blumenbeete und Grünanlagen wurden mithilfe des Vereins gestaltet, wie der Rafenauer Weiher, die Blumenwiese an der Seestraße beim Kreisel oder das Beet bei der Eule am Heimatmuseum. Die Pflege des Obst- und Kulturwegs Ratzinger Höhe, der in 1993 angelegt wurde, wird mit dem Nachbarsverein Hirnsberg-Pietzing durchgeführt.

Der Priener Weinberg, erstmals 1985 mit 77 Rebstöcken errichtet, befindet sich derzeit nach Rodung und Ruhepause zur Erholung des Bodens im Wiederaufbau. Mit gegen Mehltau resistenten neuen Rebsorten soll wieder ein qualitativ guter Ertrag erzielt werden.

Nachwuchsgartler sind gefragt

Seit 2005 ist der Verein jeweils Anfang Oktober Ausrichter für den „Tag des heimischen Obstes“ in Rimsting. Der Regionalmarkt mit heimischen Produkten und Erzeugnissen ist beliebt; besonders gefragt die selbst gemachte Kürbissuppe. Aufgrund der Corona-Krise müssen dieses Jahr leider die meisten Angebote entfallen. Natur und Garten liegen im Trend, und obwohl die Angebote gut angenommen werden und großen Zulauf haben, plagen den Verein Nachwuchssorgen. Schön wäre es, wenn jemand Interesse an der Gründung einer Kinder- und Jugendgruppe hätte. Nur so kann der Obst- und Gartenbauverein Prien und Umgebung auf Dauer bestehen. Als ein umweltbewusster, bürger- und realitätsnaher Verein, der auch künftig für die Belange der Gartler und Naturliebhaber aller Altersgruppen ein offenes Wort, Infos und Ratschläge hat.

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