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Knapper Zeitplan

Prien will heuer ein Nahwärmenetz bauen - es drohen jedoch Lieferschwierigkeiten

Zwischen Hohertinger Weg (unten) und Bernauer Straße wird auf dieser Wiese neben dem Wertstoffhof ein Hackschnitzelheizwerk gebaut. Inklusive Nahwärmenetz wird der Markt Prien über drei Millionen Euro investieren.
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Zwischen Hohertinger Weg (unten) und Bernauer Straße wird auf dieser Wiese neben dem Wertstoffhof ein Hackschnitzelheizwerk gebaut. Inklusive Nahwärmenetz wird der Markt Prien über drei Millionen Euro investieren.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Gleich drei Beschlüsse in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats standen im Zusammenhang mit dem geplanten Hackschnitzelheizwerk (HSHW) am Hohertinger Weg. Aber bis dort Wärme für benachbarte Betriebe und Häuser produziert wird, ist es noch ein weiter Weg.

Prien – Das ambitionierte Ziel, pünktlich zum Beginn der Heizperiode im November den Betrieb aufnehmen zu können, scheint kaum noch zu halten zu sein.

„Sportlich“ nennt Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) mit einem vielsagenden Lächeln im Gesicht den Zeitplan auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung. Lieferschwierigkeiten, deutet er an, könnten dazu führen, dass es heuer nichts mehr wird mit regenerativ erzeugter Nahwärme aus Prien.

„Extrem angespannt“ vor der Ausschreibung

Auch die Kostenkalkulation geriet angesichts der Entwicklung in der Baubranche in den vergangenen Monaten zeitweise ins Wanken. Friedrich erinnerte vor allem an die explodierten Stahlpreise.

Angesichts dieser Entwicklung hat der Markt Prien wohl gerade nochmal Glück gehabt. „Wir sind extrem angespannt in die Ausschreibung gegangen“, erinnert sich Friedrich. In der Planungsphase hatte die Verwaltung für den Bau der Rohrleitungen aus Stahl 504.000 Euro angesetzt. Vier von zehn angefragten Firmen hatten Angebote abgegeben. Der Marktgemeinderat folgte ohne Diskussion und einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung, den Auftrag an den wirtschaftlichsten Anbieter zu vergeben. Die Rohrleitungen wird die Imro Fernwärmetechnik aus Graz in Österreich bauen – für gut 558.000 Euro. In dieser Summe sei auch die Montage der Wärmeübergabestationen enthalten, ein Posten, den der Markt Prien in seiner Kalkulation extra mit 30.000 Euro angesetzt hatte. Insofern ist der Gemeinde mit der Auftragsvergabe rechnerisch fast eine Punktlandung geglückt.

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Die Imro GmbH hat Friedrich zufolge in der Region unter anderem schon vergleichbare Aufträge in Grassau und Grabenstätt abgewickelt. Das Unternehmen liefert die Rohre und schweißt sie vor Ort zusammen. Die Erdarbeiten werde die Firma Wohlschlager erledigen im Rahmen eines pauschalen Jahresauftrags, ergänzte Friedrich.

Sperrungen noch völlig offen

Wann die Anwohner mit Sperren und Umleitungen rechnen müssen, ist noch völlig offen. Der Leitungsbau soll abschnittweise erfolgen. Angeschlossen ans Nahwärmenetz werden ein Großteil der Betriebe im Gewerbegebiet am Reitbach sowie Wohngebäude an der Alten Bernauer Straße bis zum Förderzentrum Kampenwandschule (über dessen Anschluss der Landkreis als Betreiber noch nicht entschieden hat) und in Trautersdorf bis zum Caritas-Altenheim St. Josef. Mit den meisten potenziellen Abnehmern hat die Gemeinde Vorverträge abgeschlossen.

Der mögliche Neubau des Altenheims in den nächsten Jahren könnte eine Kapazitätserweiterung der Anlage nach sich ziehen. Friedrich zufolge ist sie im Endausbau auf den Verbrauch von 6.000 Schüttraummetern Hackschnitzel ausgelegt.

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Woher die kommen, ist eine der vielen noch ungelösten Fragen. Nach Möglichkeit sollten örtliche Landwirte als Holzlieferanten berücksichtigt werden, betonte der Bürgermeister auf Nachfrage.

Sicher ist dagegen seit der jüngsten Sitzung, dass der Bau des Gasanschlusses für den so genannten Spitzenlastkessel knapp 40.000 Euro kosten und von der Energienetze Bayern GmbH erledigt wird. Auch diesen Auftrag vergab der Rat auf Empfehlung der Verwaltung ohne Gegenstimme.

Dieser Spitzenlastkessel kommt vor allem zum Einsatz, wenn bei langem und starkem Frost allein mit Hackschnitzeln nicht mehr genug Wärme produziert werden kann.

In einem ersten Beschluss in Zusammenhang mit dem HSHW hatte der Rat die Beantragung eines KfW-Förderdarlehens nachträglich abgesegnet. Gestellt hatte ihn der Bürgermeister bereits. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gewährt Tilgungszuschüsse von knapp 280.000 Euro – aber nur, wenn der Antrag vor der ersten Auftragsvergabe gestellt wird. Um kein Geld zu verschenken, hatte Friedrich den Antrag eingereicht und ließ ihn im Nachhinein legitimieren. Es gab keinerlei Einwände gegen diese Vorgehensweise.

Gesamtinvestition über drei Millionen

Insgesamt rechnet der Markt Prien mit einer Investitionssumme von gut drei Millionen Euro. In 15 Jahren sollen sich die Ausgaben amortisiert haben. Herzstück der Anlage auf der Wiese zwischen Hohertinger Weg und Bernauer Straße, die an den Wertstoffhof angrenzt, wird ein Hackschnitzelheizkessel mit einer Heizleistung bei der Inbetriebnahme von 1,0 Megawatt (MW). Der zusätzliche, gasbetriebene Spitzenlastkessel wird eine Leistung von 1,2 MW haben. Der Bau der Gebäudehülle für diese Anlagen ist aber noch gar nicht ausgeschrieben.

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Im Endausbau, wenn zu den 30 Kunden, die schon mit im Boot sind, noch Altenheim und eventuell ein geplantes Wohnbauprojekt des Landkreises in Trautersdorf dazukommen, könnte die Heizleistung auf 1,6 MW gesteigert werden.

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