Prien: Millionen-Deal in fünf Tagen besiegelt – Hefter Maschinenbau bekommt neuen Namen

Aus Hefter Maschinenbau wird eine neue Maschinenfabrik:Das Priener Unternehmen voranbringen und für die Zukunft rüsten, das wollen nach der erfolgreichen Übernahme durch Gerhard Mey (Mitte) die beiden Geschäftsführer Wolfgang Ströbele und Josef Guggenberger. Berger
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Aus Hefter Maschinenbau wird eine neue Maschinenfabrik:Das Priener Unternehmen voranbringen und für die Zukunft rüsten, das wollen nach der erfolgreichen Übernahme durch Gerhard Mey (Mitte) die beiden Geschäftsführer Wolfgang Ströbele und Josef Guggenberger. Berger
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Die blauen Buchstaben „Hefter“ verschwinden aktuell mehr und mehr von Tafeln und Bannern. Die neue Maschinenfabrik Prien ist geboren. Unter welchem Namen Unternehmer Gerhard Mey seinen jüngst erworbenen Betrieb in der Marktgemeinde wieder zum Erfolg führen will, wird noch geklärt.

Prien – Mit dem neuen Namen soll gleichzeitig auch ein sichtbares Zeichen für einen Neuanfang gesetzt werden. Und für diesen steht Gerhard Mey (63) zugleich selbst. Denn er kümmert sich um seine Firmen und wird häufig vor Ort sein, um am Puls der Zeit zu sein und das Ohr bei seinen Mitarbeitern zu haben.

Die Vergangenheit würdigen, die Zukunft im Blick haben

Dabei will man keineswegs die Firmenhistorie eliminieren. Schließlich habe der Betrieb 1963 mit der Gründung von Hefter Maschinenbau durch Georg Hefter in Prien am Chiemsee seine Ursprünge genommen. Damals geschah dies auf 80 Quadratmetern Produktionsfläche.

Prien bleibt der Firmenstammsitz des Unternehmens

Der Stammsitz blieb immer am Chiemsee. Dort sind Beratung, Entwicklung und Konstruktion, Fertigungsplanung und Verwaltung angesiedelt. Seit 2004 erfolgt die Produktion der Maschinen, Anwendungen, Komponenten und Lösungen auch an den zwei Standorten in Ungarn, in Nyúl und Györ. Diese beiden Standbeine gehören seit 1. April Gerhard Mey. Er stammt aus einer alteingesessenen Industriellenfamilie in der sechsten Generation und kennt sich im Maschinenbau aus. Zusammen mit seinem Onkel ist er als Miteigentümer und Aufsichtsratsmitglied in einem der weltweit 100 größten Zulieferbetriebe der Automobilindustrie, Webasto, verwurzelt.

Kauf trotz Corona-Krise mit Blick auf die Forschung

Dass der 63-Jährige gerade inmitten der Corona-Krise an die Zukunft denkt und ein Unternehmen kauft, quittiert er mit dem einfachen Satz: „Man muss zur rechten Zeit kaufen.“

Apropos Zeitfaktor: Hier macht Mey schnell Nägel mit Köpfen. Binnen fünf Tagen war die Transaktion abgeschlossen. „Wir saßen schon beim Notar und haben noch die letzten Feinheiten abgestimmt“, schildert Rechtsanwalt Florian Brandrack vom Beratungsunternehmen Baker-Tilly. „Ich habe von Baker-Tilly von der Kaufmöglichkeit erfahren. Hefter ist ein gutes Unternehmen, das ich weitereinwickeln möchte. Ich habe mir den Betrieb zweimal angesehen und dann gekauft. Wenn ich mich für etwas entschieden habe, dann gehe ich die Sache mit Entschlusskraft, Konsequenz und Hartnäckigkeit an“, so Mey.

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Dabei habe er auch nicht lange hinsichtlich des Kaufpreises gepokert. „Ich habe das Angebot des kurzfristig abgesprungenen Interessenten erhöht. Herr Mey sagte dennoch zu und der Gläubigerausschuss gab ebenfalls rasch grünes Licht“, beschreibt Brandrack den Fünf-Tages-Deal.

Kauf zum einstelligen mittleren Millionenbetrag

Den Kaufpreis nennen die beiden nicht. „Es war ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag“, verrät Mey aber doch. In Unternehmerkreisen gilt er als integer, solide und glaubwürdig. Die ehemaligen Hefter-Mitarbeiter informierte Mey zusammen mit den beiden Geschäftsführern Wolfgang Ströbele und Josef Guggenberger über die Veränderungen, die erfolgte Übernahme und damit die Rettung aus der Insolvenz. Neben dem Maschinenbau an sich, will er mit dem Unternehmen auch außerhalb der Kernkompetenz Felder erschließen. Das Augenmerk liege auf dem Prototypenbau sowie auf Apparate für die Biochemie und Forschung. „Neben Prototypen möchte ich, dass wir auch weiterhin die Produktionsanlagen selbst machen.“ Aktuell läuft zudem bereits ein Forschungsprojekt mit den bayerischen Universitäten. Autonome Maschinen, die den Menschen nicht ersetzen, sondern unterstützen, sind weitere Ziele.

Die drei Säulen der Priener Fabrik sollen Fahrzeugbau, Maschinenbau und Biochemie werden. Die Ziele seien hochgesteckt und dabei zugleich aufgrund der Auftragslage realistisch. 2021 werde ein Umsatz von 23 bis 25 Millionen Euro anvisiert. Die Kunden bleiben bei der Stange, neue Aufträge würde es auch geben. „Das ist absolut unüblich. Die Loyalität zum Unternehmen ist enorm, sowohl von Mitarbeitern als auch Kunden“, bescheinigt auch Insolvenz-Geschäftsführer

107 Arbeitsplätze bleiben in der Marktgemeinde

Wolfgang Ströbele. 107 Arbeitsplätze bleiben in Prien erhalten sowie 78 in Ungarn. „Wir wollen jetzt gerade in den schwierigen Zeiten mit Corona den Resetknopf drücken, neustarten und loslegen. Eine Wiederaufstockung der Mitarbeiter ist anvisiert. Wir wollen hier aber einen Schritt nach dem nächsten gehen.“

Während in der Firma alles auf Neuanfang steht, dauert nach Angaben der Rechtsanwälte die endgültige Abwicklung des Insolvenzverfahrens in Eigentümerhand noch mindestens sechs Monate.

Gerhard Mey ist in Ising zur Schule gegangen

Der Region ist Mey überdies sehr verbunden. Nicht nur wegen der Nähe zu München. Er besuchte am Chiemsee das Landschulheim Gut Ising und kennt den Chiemgau. Als Privatmann wollte er 2017 den Fußballverein 1860 München kaufen und zurück in die Bundesliga führen – bis dato aber ohne Erfolg.

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Seine Mey Industry GmbH ist eine Beteiligungsholding mit dem Branchenfokus Maschinenbau. Investiert wird in Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum mit einer Umsatzgröße von mindestens zehn Millionen Euro.

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