Dritter Bürgermeister Martin Aufenanger

Prien mietet Wohnraum an: Sozial Schwache vor Obdachlosigkeit bewahren

Martin Aufenanger will mit Freiwilligen die Rampe am alten Ladebahnhof mit einem Holzbelag zur längsten Bank Priens umgestalten. Berger
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Martin Aufenanger will mit Freiwilligen die Rampe am alten Ladebahnhof mit einem Holzbelag zur längsten Bank Priens umgestalten. Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Die Suche nach Wohnungen für Menschen in Not ist eine der Aufgaben, die Dritter Bürgermeister Martin Aufenanger in seinem neuen Amt als Sozialreferent beschäftigt. Aber er hat auch noch andere Pläne.

Prien – Es war nicht nur für ihn selbst eine Überraschung: In der konstituierenden Sitzung Ende Mai hatte der neue Marktgemeinderat Martin Aufenanger /Freie Priener) mehrheitlich zum Dritten Bürgermeister gewählt und ihn auch gleich noch zum Sozialreferenten ernannt. In dieser Funktion treibt ihn jetzt besonders die Beschaffung von Wohnraum um. Er will und muss verhindern, dass Mitbürger unverschuldet obdachlos werden.

Das soziale Netz in Prien ist dicht geknüpft, die Fäden laufen beim Sozialreferenten zusammen. In den ersten Monaten im Amt musste Aufenanger nicht beobachten, dass mehr Bürger der Marktgemeinde durch Corona und die Folgen in Not geraten ist, berichtet er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Trotzdem gibt es Not. Besonders Eigenbedarfskündigungen seien immer wieder Auslöser dafür, dass Menschen ihre Wohnungen räumen müssen und angesichts der hohen Preise keine neue, bezahlbare Bleibe finden. Die Gemeinde selbst besitzt nicht allzu viele Wohnungen für solche Fälle. Deshalb ist Aufenanger jetzt dazu übergegangen, den Markt Prien als Mieter zwischenzuschalten und an Bürger in Not unterzuvermieten, damit die nicht auf der Straße stehen.

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„Sehr verhaltene Resonanz auf öffentlichen Aufruf

Ein öffentlicher Aufruf an Besitzer freier Wohnungen vor einigen Wochen, sich im Rathaus zu melden, sei auf „sehr verhaltene Resonanz“ gestoßen.

Dass die soziale Situation mancher Menschen im vermeintlich wohlhabenden Prien schiwierigetr wird, lässt sich auch daran erkennen, dass die Gemeinde die Zahl der Wohncontainer für Obdachlose kürzlich von acht auf zwölf aufgestockt habe, wie Martin Plenk, der Leiter des Ordnungsamtes bestätigt. Die alten Container waren in einem so schlechten Zustand, dass sie ohnehin erneuert werden mussten.

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Ein „Kulturschock“ sei die hautnahe Begegnung mit sozialer Not für ihn nicht gewesen, aber die Erfahrungen der ersten Monate hätten seine Perspektive auf Manches verändert und den „Horizont sehr erweitert“, schildert Aufenanger.

Im sozialen Sektor kann er auf gewachsene Strukturen aufbauen und hat Unterstützung. Schon in der vergangenen Legislaturperiode hatte die Kommunalpolitik erkannt, dass dieses vielfältige Ehrenamt zu viel für eine Person ist und dem damaligen Sozialreferenten, Zweitem Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster, Beauftragte zur Seite gestellt. Dieses Konstrukt gilt nach der Wahl in personell veränderter Form weiter: Renate Schuderer (nicht im Marktgemeinderat) kümmert sich um Senioren, Gabriele Rau (nicht mehr im Gemeinderat, Grüne) ist Asylbeauftragte. Gabriele Schelhas (SPD) vertritt die Belange von Behinderten. Auch mit Yvonne Hoda vom Sozial- und Martin Plenk vom Ordnungsamt sei der Austausch eng.

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Aufenanger (Jahrgang 1959), im Hauptberuf Patentanwalt und Partner einer großen Münchener Kanzlei), hatte nach seinem Einstieg in de Kommunalpolitik 2014 schon eine Flexibilität bewiesen. Er übernahm mit Ludwig Ziereis (CSU) im Duo das Amt des Liegenschaftsreferenten. Als sich der Markt Prien von seinem Tourismuschef trennte, übernahm er kommissarisch die Geschäftsführung der damaligen Priener Tourismus GmbH und arbeitet federführend an der Neustrukturierungen Prien Marketing GmbH mit.

„Eine eiserne Hochzeit hat schon was“

Flexibel stellt er sich jetzt auf jeden Jubilar ein, den er besucht. Denn der Dritte Bürgermeister ist derjenige, der in aller Regel die Glückwünsche betagter Mitbürger bei runden Wiegenfesten überbringt. An diesen Begegnungen hat er schon Gefallen gefunden, berichtet Aufenanger vom Treffen mit Priens ältester Bürgerin, die 106 wurde, oder von einem bekannten Priener, dem er am gedeckten Kaffeetisch eineinhalb Stunden zugehört hatte. Und auch „eine eiserne Hochzeit hat schon was“, findet der Dritte Bürgermeister.

Jeden Donnerstag ist Aufenanger im Rathaus. Der Austausch mit Erstem Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) und Zweitem Bürgermeister Michael Anner (CSU) sei „ausgezeichnet“, lobt er das konstruktive Miteinander der Gemeindespitze. Und bei allen Projekten ,die er schon angefangen hat, ist er offenbar noch nicht ausgelastet. Mit dem Verein „Leben mit Handicap“ plant er einen Flyer „Barrierefreies Prien“, einen „sozialen runden Tisch“ hat er schon einberufen und vielleicht belebt er auch den „runden Tisch Verkehr“ wieder, lächelt er vielsagend. In der vorigen Legislaturperiode war er Sprecher dieses fraktionsübergreifenden Arbeitskreises.

Keine Gefahr für Priener Platzerl

Das „Priener Platzerl“-Programm geht weiter. Ursprünglich war die Landesausstellung 2021 auf Herrenchiemsee die Motivation für die Gemeinde, die Aufenthaltsqualität an mehreren kleinen Plätzen im Ort bis zum Beginn der Ausstellung zu verbessern, damit die Gäste auch in den Ort Prien kommen und sich dort wohlfühlen.

Auch nach der Absage der Landesausstellung auf der Insel wegen der Corona-Pandemie halten die Verantwortlichen am Platzerl-Programm fest.

Dritter Bürgermeister Martin Aufenanger, der federführend für die Umsetzung ist, macht weiter: „Wenngleich die Landesausstellung Anlass für die Bürgerwerkstatt und die Priener Platzerl war, ist sie nicht der Grund. Prien soll auch außerhalb der Landesausstellung lebenswert sein.

Bei der Bürgerwerkstatt handelt es sich um ein Sozialprojekt im wahrsten Sinn des Wortes. Wir wollen gemeinsam unser Prien gestalten, und zwar mit möglichst vielen und auch unterschiedlichen Mitgliedern unserer Bevölkerung. Mit anderen Worten, jeder, der mitmachen will, ist willkommen.“

Auch Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) hält am „Platzerl“-Projekt fest:

„Es ist sehr bedauerlich, dass die Landesausstellung nicht, wie ursprünglich geplant, auf der Herreninsel stattfinden wird. Dennoch werden wir Projekte wie die Priener Platzerl umsetzen.

In der Vergangenheit gab es oft genug sehr gute Ansätze und Ideen, die dann leider aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt wurden.

Das darf uns gerade mit den Priener Platzerl nicht passieren, stellen diese doch einen echten Mehrwert für die Prienerinnen und Priener und unsere Gäste dar.“

Die Container für Obdachlose an der Bernauer Straße in der Nähe des Bauhofs hat der Markt Prien erneuert und aufgestockt. Berger

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