MINISTERIN ILSE AIGNER GIBT STAATSEMPFANG

LKZ Prien leistet Pionierarbeit

Flankiert von jungen Trachtlern formierten sich die Teilnehmer des Staatsempfangs um Gastgeberin und Verkehrsministerin Ilse Aigner und LKZ Geschäftsführer Karl Fischer (vorne in der Mitte) vor der imposanten Kulisse von Schloss Herrenchiemsee zum Gruppenbild.

Im Zeichen von gleich vier Jubiläen stand der Staatsempfang, den Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner auf der Herreninsel gab. Eines davon ist der 20. Geburtstag des Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) Prien. Es ist „eine sehr, sehr feste Größe im Alpenraum“, lobte die Verkehrsministerin die Ideenschmiede.

Herreninsel/Prien – Der Abend war wie gemalt für Feierlichkeiten zum 20. Geburtstag des LKZ, zum zehnten internationalen Symposium, und um an 200 Jahre Verfassungsstaat Bayern und 100 Jahre Freistaat Bayern zu erinnern, wie LKZ-Geschäftsführer Karl Fischer die Zuhörer einstimmte. Die Kulisse hätte er nicht besser bestellen können: Der Himmel weiß-blau, die Salutschüsse der Böllerschützen krachend, die Luft frühlingshaft warm, die Wiesen auf der Herreninsel in bunter Blüte, die alten Baumriesen in sattem Grün, die fast 300 Gäste festlich gekleidet. Zu ihrem Eintreffen vor dem Schloss ließ die staatliche Verwaltung alle Brunnen sprudeln. Die Handykameras vor allem der Kongressteilnehmer, die bisher noch nie dabei waren, waren zahlreich im Einsatz vor dem Schloss und erst recht beim Gang durch die prunkvollen Räume zum Spiegelsaal.

Alle zwei Jahre organisiert das LKZ ein Logistik-Symposium mit namhaften Referenten aus dem In- und Ausland. Heuer kamen Branchenvertreter aus Deutschland, Italien, Frankreich, Slowenien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz zu dem zweitägigen Austausch.

Zum 20. Geburtstag des LKZ war der zehnte Staatsempfang der gesellschaftliche Höhepunkt, zu dem nicht nur die Tagungsteilnehmer, sondern auch viele geladene Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an den Chiemsee kamen.

Die Gastgeberin hatte sich bei der Überfahrt unters Volk gemischt und bewusst auf eine Fahrt mit dem Polizeiboot verzichtet, was die Zuhörer bei der Begrüßung durch Fischer mit Applaus honorierten. Der später mehrfach hochgelobte Chef des LKZ nannte die Globalisierung als Motor und die Digitalisierung als größte Herausforderung für seine Branche, nach Automobilwirtschaft und Handel der drittgrößte Wirtschaftsbereich insgesamt. Fischer warb für die Bündelung und Vernetzung von Kompetenzen, für die nicht zuletzt der Austausch im Rahmen des Symposiums „Logistik Innovativ 2018“ den idealen Rahmen bot.

Der 60-Jährige, der das LKZ seit dessen Eröffnung 1998 leitet, erinnerte an dessen Erfinder, unter anderem an LKZ-Ehrenpräsident Gerd vom Hövel. Der 88-Jährige ehemalige Chef der Messe München hatte es sich nicht nehmen lassen, dem Jubiläums-Staatsempfang beizuwohnen.

Trotz des freudigen Anlasses fand Fischer auch kritische Worte. Die Entwicklung der Informatik als wichtigster Innovationstreiber „haben wir ein bisschen verschlafen“. Insbesondere Deutschland könne mit der rasanten Geschwindigkeit des digitalen Innovationswandels nur schwer mithalten, mahnte er grundsätzlich Nachholbedarf an. Als „Lichtblick“ im globalen Wettbewerb nannte Fischer Deutschlands Stellung als „Logistikweltmeister“. Die Branche habe das Potenzial, als „Innovations-Treiber und Schnittstelle zwischen den verschiedenen Branchen vo ranzuschreiten“.

Auch Aigner stellte die Bedeutung der Branche heraus, an der allein in Bayern 400 000 Arbeitsplätze hängen und ein Jahresumsatz von 38 Milliarden Euro erzielt wird, Sie unterstrich eine der Forderungen, die Fischer seit Jahrzehnten nimmermüde im In- und Ausland immer wieder formuliert: Gerade im alpenüberquerenden Verkehr muss mehr Gütertransport auf die Schiene verlagert werden. Das LKZ leiste hier Pionierarbeit, verwies die neue bayerische Verkehrsministerin auf einige Vorzeigeprojekte, die zum Teil auch vom Freistaat finanziell gefördert wurden und werden. Zuletzt hatte „Nikrasa“ in der Branche für Aufsehen gesorgt, die Entwicklung einer Technik, mit der auch Sattelauflieger zwischen Lkw und Güterwaggon verladen werden können, bei denen dies vorher nicht möglich war.

„Es muss mehr Verkehr auf die Schiene gesetzt werden.“ Verkehrsministerin Ilse Aigner

In ihrer Rede, in der sie auch auf die Lkw-Blockabfertigung an der österreichischen Grenze und die Brennerzulaufstrecke einging (siehe Bericht im Regionalteil), nannte sie die „weitere Verkehrsverlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger“ und deren „hohe Vernetzung“ als Leitlinien ihrer Verkehrspolitik. „Es muss mehr Verkehr auf die Schiene gesetzt werden, schlicht und ergreifend.“ Das sei der Schlüssel für den Erfolg des Wirtschaftsstandorts Bayern.

Das LKZ, dessen Gründung Aigner Ende der 1990er- Jahre als Rosenheimer CSU-Kreisrätin mitbeschlossen hatte, lobte sie als „europaweit einmaliges Erfolgsmodell für Innovationen“. In dem Haus an der Joseph-von Fraunhofer-Straße entwickeln 80 Mitarbeiter aus 15 Unternehmen oft firmenübergreifend Ideen und wickeln Projekte ab. 2000 Besucher aus dem In- und Ausland besuchen pro Jahr die logistische Ideenschmiede.

Grund zu feiern gab es also, deshalb lud Aigner nach ihrer Rede im Spiegelsaal zum Abendessen in der Schlosswirtschaft ein. Das Symposium endete tags da rauf in Prien (siehe auch Wirtschaftsteil).

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