Entscheidung gefallen

Leichenhalle wird umgebaut: Mehr Platz zum Trauern am Priener Friedhof

Die Leichenhalle im Priener Friedhof bietet nur einer begrenzten Zahl Trauernder einen wettergeschützten Platz. Deshalb soll der mittlere, zentrale Teil der Arkaden verglast und die Verbindung zum Aufbahrungsraum durch eine verglaste Flügeltür zugänglich gemacht werden.
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Die Leichenhalle im Priener Friedhof bietet nur einer begrenzten Zahl Trauernder einen wettergeschützten Platz. Deshalb soll der mittlere, zentrale Teil der Arkaden verglast und die Verbindung zum Aufbahrungsraum durch eine verglaste Flügeltür zugänglich gemacht werden.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Wer auf dem Friedhof von einem Angehörigen oder guten Freund Abschied nehmen will, steht bei schlechtem Wetter oft buchstäblich im Regen. Unter den Arkaden der Leichenhalle findet nur eine begrenzte Zahl von Trauernden Schutz. Das soll sich in absehbarer Zeit ändern.

Prien –Damit geht ein Wunsch in Erfüllung, der die beiden großen Kirchengemeinden am Ort schon lange umtreibt. „Ein geschützter Raum für die Trauergäste fehlt vollständig. Bei regnerischem Wetter ist daher eine würdige Trauerfeier nur sehr schwer durchzuführen. Auch bei starkem Wind ist es schwer, dem Anlass gemäß die Feierlichkeit zu begehen“, hieß es schon im Jahr 2015 in einem Antrag an die Gemeinde. Unterschrieben hatten ihn katholischer Pfarrgemeinderat, evangelischer Kirchenvorstand, die beiden Pfarrer Klaus Hofstetter und Karl-Friedrich Wackerbarth sowie zwei örtliche Bestattungsunternehmer.

Priener Planungsbüro erhält Zuschlag

Lange hat es gedauert, bis der Markt Prien die richtigen Weichen gestellt hat, aber dafür könnte es jetzt schnell gehen. In der jüngsten Sitzung vergab der Haupt- und Werkausschuss des Marktgemeinderats einstimmig die Objektplanung für die Sanierung der Leichenhalle mit einem errechneten Bruttohonorar von gut 26 000 Euro an das Planungsbüro Brandt 01 Architekten aus Prien.

Die lange Vorlaufzeit war wohl vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Leichenhalle unter Denkmalschutz steht. Das Priener Leichenhaus stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Damals reichte auf dem ursprünglichen Gottesacker rund um die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt der Platz nicht mehr, deshalb schuf der Markt Prien in wenigen hundert Metern Entfernung einen neuen Friedhof.

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Art und Umfang der Sanierung seien im Vorfeld mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim bei Ortsterminen abgestimmt worden, berichtete Bauamts-Leiter Thomas Lindner in der Sitzung. Mit der Sanierung solle noch in diesem Jahr begonnen werden. Die Verwaltung hat die voraussichtlichen Kosten auf 125 000 Euro hochgerechnet. Im Haushalt sind Lindner zufolge 150 000 Euro eingeplant.

Durch eine Verglasung des mittleren, zentralen Rundbogens der Arkaden auf allen drei offenen Seiten soll ein wetter- und schallgeschützter Raum für die Trauernden geschaffen werden. Nicht nur Wind und Regen stören oft die Zeremonie. In etwa 100 Metern Luftlinie Entfernung rauschen die Züge auf der Bahnlinie Rosenheim-Salzburg vorbei. Ansprachen sind dann trotz Lautsprecheranlage mitunter kaum noch zu verstehen.

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Der Aufbahrungsraum liegt heute hinter einer festen Fensterfront, die auf einem Steinsockel ruht. Dieser soll entfernt und durch eine Glastür eine Möglichkeit geschaffen werden, den Raum bei Bedarf zu erweitern, erläuterte Lindner.

Kirchengemeinden kämpfen seit mehr als zehn Jahren für Verbesserungen

Weiterhin soll unter anderem eine Umkleidemöglichkeit für Pfarrer geschaffen werden. Dass diese bisher fehlt, hatte der Gemeinde offenbar bei einer Predigt im Rahmen der Feier des Namenstags der Marktpatronin, des Katharinentags, eine Schelte eines Geistlichen eingebracht, deutete Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) an.

Weitere Details der Umbaumaßnahmen sollen zu gegebener Zeit noch mit allen Beteiligten bei einer Begehung mit den Planern besprochen und geklärt werden, sicherte Lindner zu, nachdem Rosi Hell (CSU) einige Punkte angesprochen hatte. Sie erinnerte daran, dass die Kirchengemeinden seit 2010 für Verbesserungen „kämpfen“. Seitdem sitzt Hell im katholischen Pfarrgemeinderat.

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Über die Jahre war der Handlungsbedarf immer dringlicher geworden, weil immer öfter Trauerfeiern nicht mehr in den Gotteshäusern, sondern direkt auf dem Friedhof stattfinden.

Denkmal mit der Nummer D-1-87-162-21

In der Liste des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ist die Priener Aussegnungshalle unter der Nummer D-1-87-162-21 so beschrieben:„Leichenhalle, erdgeschossiger Satteldachbau mit Dachreiter mit Haubendach, Flügelbauten mit Flachdächern, Putzgliederungen, Zwerchgiebeln und Arkadengang, 1894; zwei Eck-Kapellen, jetzt Urnenhäuser, offene, erdgeschossige

Massivbauten mit Flachdächern, Putzgliederungen und Zwerchgiebeln, gleichzeitig; Backsteinmauer mit verputzten Pfeilern und schmiedeeisernen Toren, Ende 19. Jahrhundert.; Friedhofskruzifix, überlebensgroßes, hhölzernes Corpus Christi, barock, 2. Hälfte 17. Jahrhundert.

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