Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Steigende Preise

Lange Schlangen vor der Priener Tafel: Priens Rathauschef warnt vor „gefährlicher Mischung“

Gut beschäftigt sind die Mitarbeiter der Chiemseer Tafel in Prien nach wie vor, da die Zahl ihrer Kunden weiterhin zunimmt.
+
Gut beschäftigt sind die Mitarbeiter der Chiemseer Tafel in Prien nach wie vor, da die Zahl ihrer Kunden weiterhin zunimmt.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
    schließen

Der Zulauf bei der Chiemseeer Tafel in Prien reißt nicht ab. Diesen Eindruck hat zumindest der Bürgermeister der Marktgemeinde, Andreas Friedrich (ÜWG). Und warnt.

Prien – Priens Verwaltungschef Andreas Friedrich sorgt sich: „Ich sehe natürlich auch, dass die Schlange bei der Tafel immer länger wird“, sagt Priens Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Gleichzeitig gingen die Spenden seitens der Supermärkte zurück. „Es ist ja gut, dass die Supermärkte nicht mehr im Überfluss bestellen.“ Aber dies führe dazu, dass bei den Ärmsten Unmut und Unverständnis aufkomme, sagt der Rathauschef. „Hieraus könnte im Winter eine gefährliche Mischung entstehen, fürchte ich.“

Derweil beschwichtigt die Leiterin der Priener Einrichtung, Caritas-Mitarbeiterin Susanne Blöchinger. Zwar nähmen die Anmeldungen weiterhin zu, jedoch habe sich zumindest der Rücklauf an Lebensmitteln seitens der Supermärkte wieder eingependelt. „Wenn wirklich mal zu wenig da ist, können wir das mit Nudeln und Konserven auffüllen“, berichtet sie. Das Geld für diese stamme wiederum vornehmlich aus privaten Spenden. Aber: Niemand müsse die Tafel mit leeren Händen verlassen.

Rund 550 Haushalte in Bad Endorf und Prien versorgt

Derzeit versorge die Chiemseer Tafel rund 550 Haushalte in Bad Endorf und Prien mit Lebensmitteln. Damit habe sich deren Zahl im Vergleich zum vergangenen Jahr um 200 erhöht. Ein Umstand, den sie unter anderem auf den Krieg in der Ukraine zurückführt. Mit der derzeitigen Preisentwicklung bei Lebensmitteln und Energie erwartet die Tafel-Leiterin jedoch künftig eine noch höhere Zahl an Bezugsberechtigten, sagte sie während einer Spendenübergabe des Priener Obst- und Gartenbauvereins.

Das hat auch Folgen für die ehrenamtlichen Mitarbeiter, wie Blöchinger bereits im Juli im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen anmerkte. Denn die zunehmende Zahl an Haushalten, die sich bei der Chiemseer Tafel um Lebensmittel bemühen, führe auch zu einer steigenden Arbeitsbelastung. Zumal diese sich inzwischen in ihren Abläufen an neue Räume gewöhnen müssen, denn vom Bahnhofsplatz ist die Einrichtung inzwischen ins neue Caritas-Zentrum an der Beilhackstraße umgezogen.

Unterstützung für Leute mit kleinem Geldbeutel

Dennoch: „Die Lebensmittelsituation ist nach wie vor sehr angespannt“, sagt Peter Zilles, Vorsitzender des bayerischen Dachverbands der Tafeln. Die Zahl der Lebensmittelspenden bleibe zumindest konstant, wenngleich die Zahl an Abnehmern bei den Ausgabestellen zunehme. „Wir können nur versuchen, relativ viele Großspenden zu akquirieren“, sagt Zilles.

Dann wiederum stelle sich die Frage, welche der mehr als 170 Ausgabestellen von diesen profitieren sollten. Klar ist für ihn aber auch: Die Tafeln sind keine Versorger im eigentlichen Sinn. „Wir ergänzen und wir unterstützen Leute, die einen kleinen Geldbeutel haben. Aber wir können auf keinen Fall eine Versorgung garantieren.“ Dies sei Aufgabe des Staates, also von Bund, Ländern und Kommunen.

Das bestätigen auch örtliche Supermärkte auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. „An der Praxis in der Zusammenarbeit mit den Tafeln hat sich bei uns nichts geändert“, antwortet eine Sprecherin der Rewe-Gruppe, die auch mit einem Markt in Prien vertreten ist.

Man gebe selbstverständlich nach wie vor Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber bedenkenlos verzehrt werden könnten, an die Tafeln ab. Ebenso verweist die Gruppe jedoch darauf, dass sie im Jahresschnitt 98 Prozent ihrer Lebensmittel verkaufe. Dies auch durch die Erfahrung der Mitarbeiter und elektronische Prognosesysteme.

Menge der Abfälle reduzieren

„95 Prozent unserer Mitglieder im ‚BioMarkt-Verbund‘ geben regelmäßig Waren an Initiativen wie ‚Die Tafeln‘ oder ‚foodsharing‘ ab, wobei sich die Menge in erster Linie nach der Verfügbarkeit in den jeweiligen Märkten richtet“, sagt Christoph Nossol, Regionalleiter der Region Südbayern der Kette „Denn‘s Biomarkt“. Doch auch die Märkte bemühten sich darum, ihre Waren „vorausschauend“ zu bestellen, um „unnötige Übermengen“ zu vermeiden und die Quote an Lebensmittelabfällen zu reduzieren. Die Edeka-Gruppe reagierte bislang nicht auf Anfragen der OVB-Heimatzeitungen.

Mehr zum Thema

Kommentare