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Auf den Spuren von Gwinn und Fromms

Kick it like Beckham - So boomt der Mädchenfußball in Prien

Lieber Fußball als Ballett: Robert Hanika (von links), seine Tochter Julia, Felicitas Ruppert und Julia Kirchhof trainieren auf dem Kunstrasenplatz am Priener Sportpark.
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Lieber Fußball als Ballett: Robert Hanika (von links), seine Tochter Julia, Felicitas Ruppert und Julia Kirchhof trainieren auf dem Kunstrasenplatz am Priener Sportpark.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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In den USA ist „Soccer“ ein typischer Mädchensport und auch in Prien interessieren sich immer mehr Mädchen fürs Fußballspielen. Der TuS Prien wird schier überrannt – und das, obwohl Fußball bis vor nicht allzu langer Zeit sogar verboten war für Frauen.

Prien – „Der totale Wahnsinn!“, sagt Robert Hanika. Binnen fünf Wochen haben 40 Mädchen mit dem Fußballspielen beim TuS Prien angefangen. Das liegt auch ein bisschen, aber nicht nur an der Fußball-Europameisterschaft der Damen. Das Problem sei nicht die Nachfrage. „Sondern, dass es überhaupt ein Angebot gibt“, sagt Hanika, der die Mädchen auch trainiert.

Seine Tochter Julia (11) aus Bernau, Felicitas Ruppert (11) aus Brannenburg und Julia Kirchhof (13) aus Aschau können sich ein Leben ohne Fußball eigentlich gar nicht vorstellen. „Ich finde so schön daran, dass es ein Teamsport ist“, sagt Felicitas. Und klar, gewinnen ist auch was Schönes, finden die drei Mädchen.

Auf Augenhöhe mit den Nachbarsbuben

Julia Kirchhof hat zwar schon immer gekickt, aber mit den Jungs habe das halt nicht so viel Spaß gemacht: „Die waren immer so gut!“ Seit sie im Verein trainiert, sei sie aber „viel, viel besser“ geworden. Die Nachbarsbuben? „Die sagen jetzt nix mehr“, sagt Julia mit einem breiten Grinsen.

Tatsächlich trainieren viele Mädchen in den Jungsmannschaften, aber aus Sicht von Robert Hanika brauchen sie auch ein eigenes Angebot. „Wenn das da ist, spielen sie genauso gern – es ist einfach ein wunderschöner Sport“, meint Hanika.

Stiefkind der Verbände

Denn auch, wenn sich die vergangenen Jahre beim Thema Frauenfußball in Deutschland viel getan hat – oft mutet er schon noch an wie das Stiefkind der Verbände. Schließlich hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1954 sogar Frauenfußball verboten. 1970 wurde das Verbot zwar aufgehoben, blieb aber nicht ohne Folgen. Aus Sicht von Hanika sind einfach Strukturen da, die gar nicht so einfach aufzubrechen sind. „Es scheitert oft an so banalen Themen wie genügend Kabinen und Trainingsplätzen“, berichtet der Trainer. Auch wenn das nicht böse gemeint sei, die Buben oder Männer seien halt zuerst am Zug gewesen.

Priener machen Platz

Auch in Prien habe man anfangs vor ähnlichen Problemen gestanden, sagt Andrea Fischer, Abteilungsleiterin Fußball. Und zwar für beide Geschlechter, beim TuS Prien. Kapazitäten gebe es, auch wenn man durch den Boom der Mädchenmannschaften ein bisschen „zamrucken“ musste. Das sei letztlich aber kein Thema gewesen.

Fischer wundert sich eher, dass beim Fußball immer noch die Geschlechterfrage solch ein Riesenthema sei. „Bei allen anderen Sportarten wird das doch gar nicht mehr infrage gestellt“, sagt Fischer. Nur beim Fußball heiße es dann, dass Mädchen oder Frauen langsamer oder „mit weniger Körpereinsatz“ spielten.

Diese Debatte juckt die drei Mädels wenig. Auch, weil sie alle oft gemeinsam mit den Buben spielen. „Am Anfang sagen die Jungs immer, dass Mädchen nicht Fußballspielen können. Aber mit der Zeit hört das auf. Dann sehen sie nämlich, dass wir auch spielen können“, sagt Julia Hanika ganz lapidar. Die Europameisterschaft der Frauen haben sie genau verfolgt. „Super“ sei die gewesen, sagen die drei Mädels unisono. Eben bis auf das verlorene Endspiel gegen England, und die zwei Julias und Felicitas sind ein bisschen betroffen. Besonders Giulia Gwinn und Merle Fromms haben es ihnen angetan.

Nachwuchszentrum und Stützpunkt fehlen

Dass seine Schützlinge teils Ambitionen haben, weiß Trainer Robert Hanika. Nur geschieht aus seiner Sicht noch zu wenig: „Es gibt kein Nachwuchsleistungszentrum für Mädels und auch keinen Stützpunkt.“ Seine Tochter und Felicitas fuhren dann als einzige Mädchen zu einem Stützpunkt und trafen dann auf 70 bis 80 Jungs. „Mädels haben eigentlich keine Chance“, sagt Hanika.

Auch Fischer bedauert das, wobei es immerhin eine neue Möglichkeit gebe: „Mit 14 war in Bayern für Mädchen immer Schluss.“ Inzwischen hat der Bayerische Fußball-Verband die Regel geändert. Inzwischen habe jede Frau das Recht, in einer Herrenmannschaft zu spielen, bis sie 18 ist, sagt Fischer.

Wortwörtlich am Ball bleiben bei dem Thema wird der TuS Prien. Denn am 17. September findet der Tag des Mädchenfußballs des Bayerischen Fußball-Verbands in Prien statt.

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