Einigung im Hauptausschuss

Prien: Kleine Beton-Nasen am Bahnübergang in der Seestraße sollen Radl-Stürze verhindern

Mit nasen- oder tropfenförmigen Fahrbahnmarkierungen sollen Radfahrer am Bahnübergang in der Seestraße geleitet und die Zahl der Stürze in den Gleisen minimiert werden.
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Mit nasen- oder tropfenförmigen Fahrbahnmarkierungen sollen Radfahrer am Bahnübergang in der Seestraße geleitet und die Zahl der Stürze in den Gleisen minimiert werden.

Mit nasen- oder tropfenförmigen Fahrbahnmarkierungen sollen Radfahrer am Bahnübergang in der Seestraße geleitet und die Zahl der Stürze in den Gleisen minimiert werden. Darauf hat sich der Haupt- und Werkausschuss des Marktgemeinderats nach langer Diskussion mit großer Mehrheit verständigt.

Prien – Das Gremium verwarf die Idee sogenannter Betonnasen, die auf den Asphalt geschraubt werden sollten. Die Räte sahen darin eine neue Sturzgefahr für Radfahrer. Die Idee mit den ausbetonierten, nasenförmigen Hindernissen hatten Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG), Michael Feßler, Geschäftsführer der Chiemsee-Schifffahrt (Sie betreibt die Chiemseeebahn) und Wolfgang Schlemer, Verkehrssachbearbeiter der örtlichen Polizeiinspektion, bei einer Bahnverkehrsschau zur Diskussion gestellt. Alle zwei Jahre werden Bahnanlagen in Kommunen mit Vertretern der Regierung, des Eisenbahnbundesamtes und des Landratsamtes in Augenschein genommen.

Kontrolle alle zwei Jahre

Die Polizei hatte im Vorfeld von einer deutlichen Zunahme der Stürze am Bahnübergang Seestraße mit zum Teil erheblichen Verletzungen berichtet. Allein von Juni bis August waren zehn Fälle aktenkundig, im gesamten Jahr 2019 hatte die Priener Polizei 14 Stürze aufgenommen. Die Dunkelziffern dürften um ein Vielfaches höher sein.

Die Schienen verlaufen diagonal über die Fahrbahn. Immer wieder bleiben Radler mit den Reifen darin hängen und stürzen. Die Nasen am Fahrbahnrand sollten sie so leiten, dass sie etwas ausholen und in spitzerem Winkel die Gleise überqueren. Um die Sicherheit zu gewährleisten, hatte Schlemer zusätzlich ein Tempolimit von 30 km/h in diesem Bereich ins Gespräch gebracht.

Ausschussmitglieder teils skeptisch

Angela Kind (Grüne) , die jahrelang immer wieder Verbesserungen angemahnt hatte, war skeptisch. Wenn Autofahrer den Radlern, die um die Betonhindernisse fahren, ausweichen, würde es eng. Und die Nasen könnten von Radlern übersehen werden.

Ludwig Ziereis zeigte sich ebenfalls skeptisch. Auch Autofahrer könnten die Hindernisse übersehen. „Unsere Verkehrssituation momentan auf der Seestraße verträgt das nicht.“

Schnelles Autofahrern sei Gefahr für Radler

Ulrich Steiner (Grüne) hat „etwas dagegen, Leute auf die Straße zu zwingen“, deshalb sei er gegen die Nasen. Seiner Beobachtung nach fahren die meisten Autos an dieser Stelle langsam, „aber einzelne machen das Problem“. Diese schnellen Autofahrer seien eine Gefahr für die Radler.

Gegen die Nasen sprach sich auch Johannes Seeliger (BfP) aus, wogegen Michael Voggenauer dafür plädierte, sie auszuprobieren.

Im Laufe der Diskussion kristallisierte sich unter anderem durch die Meinung von Annette Resch (CSU) immer mehr eine Fahrbahnmarkierung als tragfähiger Konsens heraus. Einigkeit bestand darin, die Radschutzstreifen am Fahrbahnrand in beiden Richtungen abzufräsen, die bisher viele Radler verleitet hatten, sich an der gestrichelten Trennlinie zu orientieren und nicht weit genug auszuholen, um mit dem Rad die Schienen sicher queren zu können.

Velos-Train-Matten mit Chiemseebahn nicht kompatibel

Angela Kind brachte noch sogenannte Velos-Train-Matten als weichere Alternative zu Beton ins Spiel. Solche Absicherungen an Bahngleisen seien zum Beispiel in der Schweiz weit verbreitet. Friedrich raubte ihr aber gleich die Hoffnung. Diese Matten seien nicht mit der Chiemseebahn kompatibel.

Schutzstreifen wird abgefräst

Am Ende stand der Kompromiss die Radschutzstreifen abzufräsen und stattdessen am Bahnübergang an beiden Fahrbahnseiten nasenförmige Markierungen als Orientierungshilfe für Radler aufzubringen. Gegen die Stimme von Steiner (Grüne) sprach sich der Ausschuss für diese Lösung aus.

Die Schutzstreifen werden sogar im ganzen, mehrere hundert Meter langen Bereich zwischen den Einmündungen von Jensen- und Staudenstraße abgefräst, weil in diesem Bereich auf Höhe des Ludwig-Thoma-Gymnasiums und der Abzweigung der Staudenstraße noch Querungshilfen für Fußgänger geplant ist und kein gestricheltes Flickwerk am Fahrbahnrand entstehen soll.

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