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Interview zum Abschied aus dem Amt

Ein Leben für die Verwaltung: Priens Geschäftsleiter Andi Hell geht in den Ruhestand

Den Daumen auf den früheren Arbeitsplatz gerichtet: Zum 1. Juli ging der Geschäftsführer der Marktgemeinde Prien, Andreas Hell, in den Ruhestand.
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Den Daumen auf den früheren Arbeitsplatz gerichtet: Zum 1. Juli ging der Geschäftsführer der Marktgemeinde Prien, Andreas Hell, in den Ruhestand.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Nach 17 Jahren als Geschäftsleiter der Marktgemeinde Prien ist Andreas Hell am 1. Juli in den Ruhestand gegangen. Drei Bürgermeister hat er allein in Prien erlebt, wo er zudem ins kalte Wasser geworfen wurde und neue Strukturen aufbauen musste. Er verrät, wie er lernte, in seiner Aufgabe zu bestehen.

Prien – Zum 1. Juli ist der Geschäftsführer der Marktgemeinde Prien, Andreas Hell, in den Ruhestand gegangen. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen spricht er über die Herausforderungen seiner Zeit in Prien und das Verhältnis zu wechselnden Bürgermeistern.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit in Prien?

Andreas Hell: Was für eine intensive, fordernde, aber auch gebende Zeit! Als ich vor 17 Jahren nach Prien kam, war mir bewusst, dass eine große Aufgabe auf mich zukommt. Doch die Realität hat meine Einschätzung noch übertroffen. Die Quantität, Breite und Intensität der Themen und Aufgaben in unserer pulsierenden Marktgemeinde ist enorm.

Sicher nicht zu vergleichen mit einer 3000-Einwohner-Gemeinde. Ich war absolut gefordert. Ja, Prien hat mir vieles abverlangt, aber auch vieles gegeben. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Rückblickend schaue ich auf meine Zeit in Prien voller Dankbarkeit und Demut. Vielen Dank an alle, die mit mir diesen Weg gegangen sind. Was für eine intensive, wunderbare Zeit. Rückblickend war es mir eine Ehre und Freude, in diesem Lebensabschnitt für Prien da zu sein.

Wechsel an der Spitze des Rathauses sind üblich. Wie schwer ist es, sich an einen neuen Chef zu gewöhnen?

Hell: In meiner beruflichen Laufbahn hatte ich zwar nur zwei Arbeitgeber, aber insgesamt zehn Bürgermeister. Marquartstein ist ja in einer Verwaltungsgemeinschaft mit Staudach-Egerndach. Dort waren es von Beginn der Ausbildung bis zu meinem 29. Berufsjahr insgesamt sieben Bürgermeister. In meiner Zeit hier in Prien arbeitete ich dann noch mit den drei Bürgermeistern Christian Fichtl, Jürgen Seifert und Andreas Friedrich zusammen. Insofern gehört es zu meinem Berufsleben dazu, sich mit neuen Bürgermeistern zu arrangieren.

Jeder Mensch ist ein anderer Typ und hat einen anderen Charakter. Im Laufe der Jahrzehnte hat mich der tägliche Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen gelehrt, bereits nach kurzer Kontaktzeit mein Gegenüber zu analysieren, mich auf ihn einzustellen und zu verstehen. Für mich war es also nie schwer, mich an die neuen Bürgermeister zu gewöhnen. In Kürze hatten wir jeweils eine gemeinsame Basis für eine gedeihliche und erfolgreiche Zusammenarbeit gefunden.

Hand aufs Herz: Wie oft waren Sie nicht einer Meinung mit den Priener Bürgermeistern?

Hell: Es kann schon sein, dass der Bürgermeister und sein Geschäftsleiter mal nicht einer Meinung waren, was tatsächlich nur sehr selten vorkam. Aber hier galt und gilt die wichtige Regel, dass man Dinge innerhalb des Büros intern absprechen und abklären soll. Wenn jedoch die Türe danach wieder auf geht, dann gibt es nur eine Meinung, die gemeinsam vertreten wird. Dinge, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, sollen der strikten Geheimhaltung unterliegen. Und so will ich es auch bis ans Ende meiner Berufszeit handhaben.

Hier komme ich auch zu den wichtigsten Grundsätzen einer gedeihlichen Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Geschäftsleiter. Diese Zusammenarbeit setzt absolutes Vertrauen und hundertprozentige Verlässlichkeit voraus. Basis einer funktionierenden gemeinsamen Arbeit des Tandems an der Gemeindespitze ist absolute Loyalität zum Dienstherren und Akzeptanz der Hierarchie im Rathaus. An der Spitze steht ganz klar der Erste Bürgermeister. Letztlich darf kein Blatt zwischen die beiden passen – dann ist die Voraussetzung für ein positives Miteinander zum Wohle der Gemeinde gegeben.

Sie mussten sich in Ihrer Aufgabe als Geschäftsführer gewisse Strukturen selbst aufbauen. Welche genau?

Hell: Als ich vor 17 Jahren im Priener Rathaus meine neue Aufgabe anging, war das wie ein Neuanfang. Damals wurde ich quasi ins kalte Wasser geworfen, was aber den Vorteil hatte, dass ich mir alles von Grunde auf neu strukturieren und organisieren konnte. Unterstützung bekam ich dabei von einer eingespielten und funktionierenden Verwaltung.

Meine absolut positive Einstellung zum Leben und zur Arbeit habe ich immer vorgelebt und gepflegt. Diese habe ich versucht, an meine Mitarbeiter weiterzugeben und reflektiert bekommen. Es ist sicher nicht primäres Ziel unserer Verwaltungsarbeit, den Fokus darauf zu legen, warum etwas nicht geht, sondern die positiven Rahmenbedingungen zu schaffen, Probleme zu lösen und Projekte voranzutreiben. Die Zielsetzung einer bürgernahen Verwaltung zu etablieren, wurde dank der Mitarbeiter im Rathaus, schnell umgesetzt beziehungsweise weiterentwickelt.

Welche Vorhaben waren für Sie als Geschäftsleiter am herausforderndsten?

Hell: Hier will ich kein einzelnes Projekt oder Thema hervorheben, sondern das gesamte allumfassende Anforderungsprofil der Geschäftsführung anführen. Angesichts der Intensität und Vielfältigkeit des Aufgabenspektrums galt es, den Überblick und Durchblick über das Ganze zu bewahren.

Natürlich aber auch die Konzentration auf das Wesentliche und den Fokus auf die wichtigen Themen zu lenken. Mein Job war sicher mehr als nur verwalten. Es war Gesamtmanagement für die vielfältigen Aufgaben, Themen und Wünsche in der Marktgemeinde. Es war auch meine Aufgabe, zwischen Bürgermeister, Marktgemeinderat, Verwaltung und den Bürgern als verbindliche und verlässliche Verbindungskomponente zu fungieren.

Was planen Sie nach Ihrem Abschied vom Berufsleben?

Hell: In meinem neuen Lebensabschnitt wird es mir bestimmt nicht langweilig. Daheim wartet auf mich meine liebe Frau Hannerl mit Familie. Meine drei Kinder sind verheiratet, zwischenzeitlich haben wir sieben Enkel. Da freue ich mich narrisch drauf. Mein ganzes Berufsleben war ich „Knecht meiner Termine“, diesen täglichen Ballast will ich gerne hinter mir lassen und jeden Tag so nehmen, wie er kommt.

Endlich habe ich dann auch mehr Zeit für meine Hobbys: Bergradln und Skaten. Zunächst steht für mich als Vorstand des Schlechinger Trachtenvereins demnächst das Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes vom 28. Juli bis 7. August bei uns in Schleching an. Der Herrgott hat mich mit einer fast unerschöpflichen Energie ausgestattet. Ich hoffe, dass davon für meinen anstehenden Lebensabschnitt noch was übrig ist.

Welche Wünsche haben Sie an Ihren Nachfolger im Amt?

Hell: Seit einem Jahr ist Herr Donat Steindlmüller bei uns im Priener Rathaus und arbeitet sich in die Geschäftsleitung ein. Meine Menschenkenntnis hat sich bestätigt. Wir haben den Richtigen ausgewählt und eingestellt. Ich wünsche ihm viel Freude an der Aufgabe sowie die nötige Kraft und Gesundheit.

Marktgemeinderat verabschiedet Andreas Hell

In seiner jüngsten Sitzung verabschiedete der Marktgemeinderat Andreas Hell. „Herr Hell hinterlässt seinen Schreibtisch genauso leer, wie er ihn 2005 vorgefunden hat“, sagte Bürgermeister Andreas Friedrich. Er spielte darauf an, dass Hell das Amt 2005 ohne jegliche Einarbeitung übernommen hatte. Als einen Menschen, der Türen öffne, beschrieb er Hell. „Er hat eine unvergleichliche Art und Weise, auf Menschen zuzugehen“, befand Friedrich. Der scheidende Geschäftsleiter zeichne sich besonders durch die Fähigkeit aus, zu erkennen, wo der Hund begraben liegend solche Probleme dennoch zu lösen: „Mit dem nötigen Fingerspitzengefühl – auch wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist.“ Friedrich traf Hell zum ersten Mal 2006 während seiner Berufsausbildung bei der Marktgemeinde. „Das war eine lustige und schöne Zeit“, sagte Friedrich. Auch wenn Hell ihn mal verdächtigt habe, in der Nähe der Verwaltungsschule in Herrsching ein Boot entführt zu haben. „Ich war es wirklich nicht“, sagte Friedrich.

Im Verlauf seiner Arbeit in der Priener Verwaltung, aber auch seit seiner Rückkehr als Bürgermeister ins Rathaus habe er immer auf Hell zählen können. „Direkt gerauscht“ habe es nie, auch wenn man sich sicherlich nicht bei allem einig gewesen sei. „Herr Hell war immer der Erste, der bei Spezialaufträgen hier geschrien hat“, resümierte Friedrich. „Nicht nur ich verdanke Ihnen persönlich viel, sondern auch der Markt Prien!“, so der Bürgermeister. Zum Abschied erhielt Hell minutenlangen Applaus der Marktgemeinderäte. Er ging nicht mit leeren Händen: Für ein Bankerl vor seinem Haus schenkte ihm das Gremium ein Lammfell.

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