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Was die Händler befürchten

Inflation reißt nicht ab: So bekommt Priens Einzelhandel die Kaufzurückhaltung zu spüren 

Vor ihrem neuen Backofen: Luitpold und Christoph Müller von der gleichnamigen Bäckerei.
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Vor ihrem neuen Backofen: Luitpold und Christoph Müller von der gleichnamigen Bäckerei.

Mit der steigenden Inflation fürchtet der Einzelhandel auch weniger Umsätze. Auch die Einzelhändler in Prien sind mitunter alarmiert.

Von Karla Sichelschmidt

Prien – Die Energiekosten für Öl, Strom und Gas steigen, Lebensmittel und Rohstoffe werden teurer. Davon betroffen ist nicht nur der Privatverbraucher, sondern besonders das produzierende Gewerbe – so auch in Prien. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich umgehört, wie Betriebe in der Marktgemeinde mit diesen Problemen umgehen.

Gas galt als einst „sauber und günstig“

„Für Energiekosten zahlen wir heute das Vier- bis Fünffache,“ berichtet Luitpold Müller (39), der die kaufmännische Leitung der Bäckerei Müller innehat, während Bruder Christoph (37) als Bäckermeister die Produktion leitet. Bei Müller sind die Preise im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen.

„Bäckereien sind traditionell sehr energieintensiv“ erläutert Luitpold Müller. Die Bäckerei hat vor einigen Jahren von Öl auf Gas umgestellt. „Das galt als sauber und preisgünstig,“ erläutert der 39-Jährige. Nun trifft die Gaskrise das Unternehmen voll.

Absatzeinbußen machen sich bemerkbar

„Wir haben aber auch mit gestiegenen Rohstoffpreisen zu tun“, führt Müller weiter aus. Mehl sei drei- bis viermal so teuer wie vor einem Jahr. Auch Molkereiprodukte hätten sich erheblich verteuert. „Der Liter Milch ist gerade um 17 Cent teurer geworden – und das müssen wir weitergeben“, bedauert Luitpold Müller. Hauptziel ist für Müller, weiterhin Top-Qualität zu liefern und er hofft, dass die Kunden das mittragen. Allerdings machen sich Absatzeinbußen bereits bemerkbar.

Er beobachtet, dass sich die soziale Schere öffnet und Kunden zu Discountern abwandern: „Da verabschieden sich manche von der regionalen Handwerksqualität“, meint er.

Langfristig stellt sich für die Bäckerei Müller daher die Frage „ob wir in der Fläche bleiben können oder mehr Richtung ‚Feinkost‘ wandern“. Dennoch: „Brot ist immer noch preiswert – eine oder zwei Scheiben Brot mit einem Belag – das ist ein Essen“, hebt Müller hervor. Der Verkauf von Sahnetorten sei allerdings deutlich zurückgegangen. Wie es weitergeht? „Die Leute werden weiter Brot essen“, meint der Betriebsinhaber.

Energieintensive Gewächshäuser

Energieintensiv ist es auch, Gewächshäuser im Winter zu betreiben. Philipp Rother, der 39-jährige Geschäftsführer von Rothers Blumenparadies berichtet, dass zwei seiner Gewächshäuser eine Grundtemperatur von 18 Grad brauchen. Rother hat deshalb analysiert, welche Heizung am günstigsten für seinen Betrieb wäre: „Wir haben vor Kurzem alle Szenarien durchgespielt und am besten wären Hackschnitzel,“ berichtet er. Allerdings lässt sich das wegen der komplizierten Anlieferung kaum realisieren.

Daher ist man beim Energieträger Öl geblieben. Ein besonders energieintensives Produkt ist der Weihnachtsstern, denn er benötigt ab Oktober eine Mindesttemperatur 18 Grad. Man hat im Betrieb daher schon darüber nachgedacht, ob es bei dem Angebot bleiben soll.

Kosten nicht eins zu eins weitergeben

Weil Weihnachtssterne ein wesentlicher Grund für den Besuch in der Gärtnerei zur Weihnachtszeit sind, werden sie im Sortiment bleiben. Die erhöhten Kosten kann Rother nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben: „Es gibt Preisobergrenzen für die Produkte - ich kann ja nicht zehn Euro für eine Rose verlangen,“ erläutert er. Absatzsorgen sind bei Rother deshalb definitiv da.

„Blumen sind nicht die Nummer eins auf dem Einkaufszettel“, meint er. Bisher ist der Geschäftsführer allerdings noch zufrieden, er sieht seinen Betrieb grundsätzlich gut aufgestellt. Rother berichtet, dass manche Gärtnereien schon überlegen, den Winterbetrieb ganz einzustellen. Soweit ist man bei Rothers Blumenparadies noch nicht. Er meint: „Blumen sind wichtig für die Seele - wie die Sonne“.

Preise für Backwaren besonders hoch

Werner Waap (63), Inhaber von „Werners Naturalien“ ist beim Heizen nur wenig betroffen. „Wir brauchen eigentlich gar keine Heizung, weil die Kühlgeräte indirekt den Laden aufwärmen,“ erläutert er. Allerdings machen sich Kostensteigerungen im Einkauf bei ihm extrem bemerkbar. Besonders erhöht haben sich die Preise für Backwaren.

„Wir müssen diese Preissteigerungen an die Kunden weitergeben“, erläutert Waap seine Kalkulation.

Bei Absatzrückgängen würde Werner Waap einfach das Sortiment verändern, erläutert der Kaufmann. Die verbreitete Krisenstimmung bringt Waap kaum aus der Ruhe. Auf die Frage, ob er sich Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft macht, antwortet er schlicht: „Nö!“

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