Prien: Hinterbliebene müssen mehr zahlen – Grabgebühren steigen deutlich

1800 Grabplätze gibt es auf dem Priener Friedhof. Für die meisten von ihnen müssen Hinterbliebene künftig mehr zahlen.
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1800 Grabplätze gibt es auf dem Priener Friedhof. Für die meisten von ihnen müssen Hinterbliebene künftig mehr zahlen.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Hinterbliebene müssen ab sofort mehr für die Gräber ihrer Vorfahren auf den Friedhöfen in Prien und St. Salvator bezahlen. Der Marktgemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung im Rathaus einstimmig eine neue Gebührenordnung beschlossen. Die Gräber werden zwischen 14 und 24 Prozent teurer.

Prien – „Wir kommen nicht aus“ leitete Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) den Tagesordnungspunkt ein. Friedhöfe gehören zu den sogenannten kostenrechnenden Einrichtungen einer Kommune. Genau so wie bei Wasser- oder Kanalgebühren dürfen Gemeinden mittel- und langfristig keine Gewinne, aber auch keine Verluste erwirtschaften. Aufwand und Ertrag müssen sich die Waage halten.

16 verschiedene Grabstätten-Arten

Vor einigen Monaten hatte die Kommunalpolitik schon einem neuen Vertrag mit einem Bestattungsunternehmen zugestimmt, weil der bisherige Kontrakt ausgelaufen war. Dessen Leitungen werden demnach deutlich teurer. In die turnusmäßige Neukalkulation der Grabgebühren, die alle vier Jahre vorgeschrieben ist, fließt dieser Aspekt ebenso ein wie zahlreiche andere, erläuterte Alfons Kinne von der Finanzverwaltung.

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Bei den Grabgebühren werden die 16 verschiedenen vorhandenen Grabstätten-Arten (zum Beispiel Wahlgräber an Mauern oder Reihengräber jeweils mit ein bis sechs Grabplätzen, Urnennischen oder Urnen-Erdgräber) mit der bisherigen und der zu erwarteten Nutzung beurteilt“, erläuterte er die aufwendigen Berechnungen. „Für die rund 1800 Grabstätten wird auch die jeweilige Mindestruhefrist von zehn, 15 oder 20 Jahren, je nach Bodenbeschaffenheit, berücksichtigt. Auf dieser Basis werden dann die jährlich etwa 170 Bestattungsfälle zugeordnet“, erklärte Kinne weiter die Entwicklung der Kalkulation.

Preise für jede Bestattungsform steigen

Nach seinen Angaben stiegen die Gebühren zwischen 13,7 und 24,3 Prozent. Ein Reihenerdgrab mit sechs Plätzen auf dem Friedhof in Prien beispielsweise kostet demnach ab sofort pro Jahr 107 statt 94 Euro. Für eine „Urnenwahlgrabstätte für zweistellige Nischen“ müssen Hinterbliebene jetzt 46 statt 37 Euro an die Gemeinde überweisen.

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Im Gegensatz zu allen anderen Alternativen wird das anonyme Urnenerdgrabfelds günstiger. Es kostet jetzt noch 85 Euro, bisher waren es 115 Euro.

In St. Salvator im Gemeindegebiet Rimsting, wo der Friedhof von der Priener Gemeinde mitverwaltet und betrieben wird, kostet ein Einzelgrab künftig 27,90 statt 22,40 Euro im Jahr, ein Familiengrab 72,10 statt 57,93 Euro. Die bisherigen Gebühren seien als Komplett-Paket für die gängigen Bestattungsvarianten zusammengestellt worden.

44 Einzelposten statt „Paketpreisen“

„Die bisherigen Bestattungsgebühren sind mit den neuen Gebühren schwer zu vergleichen“, erläuterte Kinne. „Dies bedeutet zum Beispiel, dass die bisherige Erdbestattung eines Erwachsenen mit Benutzung des Aufbahrungsraumes von 915 Euro nicht mehr zur Berechnung kommt.“Diese Komplettpakete seien in der neuen Vereinbarung auf 44 Einzelpositionen aufgeteilt worden.

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„Diese Aufteilung führt dazu, dass nun nur die tatsächlich in Anspruch genommen Leistungen berechnet werden. Bei den bisher verwendeten ,Paketen‘ kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten, weil Leistungen inklusive waren, die gar nicht benötigt wurden“, beleuchtete Kinne den Hintergrund.

Ebenso trage die Kalkulation der allgemeinen Entwicklung Rechnung, insbesondere den gestiegenen Lohnkosten.

Nur noch jeder vierte Sarg im Leichhaus

Kinne nannte auch ein Beispiel für die grundlegenden Veränderungen im Bestattungswesen in den zurückliegenden Jahrzehnten. Dies sei bei der Leichenhausbenutzung besonders gut erkennbar. „War in den 1970er und 1980er Jahren fast nahezu jeder Sarg im Leichenhaus aufgebahrt, so wird heutzutage das Leichenhaus nur bei jeder vierten Beerdigung genutzt.“

Der Marktgemeinderat nahm die Ausführungen ohne Diskussion zur Kenntnis und folgte der einstimmigen Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses. Die neuen Gebühren gelten ab sofort.

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