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Diskussion im Priener Gemeinderat

Soll das Außenbecken des Prienavera geschlossen werden? Wie ein Antrag zu theaterreifen Szenen führt

Das Außenbecken des Erlebnisbads Prienavera wird nachts mit einer Plane abgedeckt, um den Wärmeverlust zu verhindern.
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Zur Verringerung des Wärmeverlustes wird das Außenbecken des Prienaveras nachts abgedeckt. Doch soll es heuer noch ganz schließen? Diese Frage wurde im Marktgemeinderat Prien kontrovers diskutiert.
  • Oliver Lang
    VonOliver Lang
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Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen möchte mit der Schließung des Außenbeckens ein Zeichen setzen. Was folgte, war ein Schauspiel und eine Lehrstunde.

Prien - Das persönliche Miteinander und die Stimmung im Marktgemeinderat Prien ist gut. Das spürt man regelmäßig. Doch die Themen werden in der Sache regelmäßig kontrovers diskutiert. Manchmal sogar in besonderem Maße. Eine solche Szene stellte sich in der letzten Sitzung des Jahres dar, als es um den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Schließung des Außenbeckens am Prienavera aus Energiespargünden ging.

Tatsächlich alles klar?

Zunächst überließ Priens Bürgermeister den Antragstellern, vertreten durch den Energiereferenten Leonhard Hinterholzer, das Wort und bat um Erläuterung. „Ihr habt’s den Antrag gesehen, und die Begründung dazu ist auch klar”, begann Leonhard Hinterholzer sein Statement. „Wir wollen in Zeiten, wo Energie immer teurer wird, wo auch die Regierung an die Bevölkerung appelliert, Energie einzusparen, als Gemeinde einen Beitrag leisten.” Man glaube, dass die Attraktivität des Prienaveras nicht am Außenbecken hängt und es deshalb angebracht sei, die Temperatur dort auf 17 Grad abzusenken, das Becken entsprechend zu isolieren und für den Badebetrieb zu sperren. Und zwar am besten, ohne das Ende der Ferien abzuwarten. 

Herbe Umsatzeinbrüche spürbar

Bürgermeister Friedrich dankte zunächst für die Ausführungen und bat Dirk Schröder, den Geschäftsführer der Chiemsee Marina, zu der das Prienavera gehört, um erläuternde Worte. Dieser bekundete zunächst Verständnis für den Gedanken in diesen Zeiten und erklärte: „Ja, das Außenbecken braucht Energie. Das ganze Schwimmbad braucht viel Energie.” Doch, so gab Schröder zu Bedenken, hätten andere Badbetreiber, welche die Temperaturen abgesenkt haben, Umsatzeinbrüche von bis zu 60 Prozent erlitten. Dabei nahm er auf eine aktuelle Fachkonferenz Bezug.

Andere Bäder öffnen wieder

Deshalb würden zum Beispiel das Badria in Wasserburg und auch die Chiemgau Thermen in Bad Endorf die Temperaturen im Außenbereich wieder hochfahren. Und noch ein Punkt war Schröder wichtig: „Wir schließen ohnehin am 27. Februar für mehrere Monate, um die Generalsanierung durchzuführen. Wollen wir in den verbleibenden acht Wochen tatsächlich das Außenbecken schließen?”

Situation spitzt sich zu

Daraufhin übernahm wieder Bürgermeister Friedrich das Wort: „Ein Zeichen setzen ist schön und gut, aber es will wohl überlegt sein.” Er verwies auf die aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur, die belegten, dass die Gasversorgung aktuell stabil ist. Mit der folgenden Frage Friedrichs an die Fraktion rund um Leonhard Hinterholzer spitzte sich die Situation dann etwas zu: „Was mich interessieren würde: Haben Sie sich denn Gedanken dazu gemacht, wie viel wir sparen würden, wenn wir dieses Zeichen setzen?”

Mit geringem Aufwand viel erreichen

Dies verneinte Leonhard Hinterholzer und verwies auf das hohe Arbeitsaufkommen in seinem Beruf als Einzelunternehmer, setzte jedoch eine kleine Spitze, indem er anmerkte, dass dies ein Klimamanager, wie er ja für Prien bereits beschlossen sei, aber noch nicht umgesetzt wurde, gut berechnen könnte. Es gehe ihm auch nicht darum, ob man mit der Schließung zehn oder 20 Prozent einspare, sondern dass man mit geringem Aufwand einiges erreichen könne.

Der Bürgermeister liebt Tabellen

Diese Antwort befriedigte Andreas Friedrich jedoch offensichtlich nicht, weshalb er erwiderte: “Ich liebe Tabellen.” Deshalb habe er den Versuch gemacht, zu berechnen, was eine Schließung des Außenbeckens denn tatsächlich bringen könnte. In seiner per Excel-Tabelle dargestellten Berechnung, nahm er unter anderem auf Eckdaten wie das Fassungsvermögen der einzelnen Becken Bezug, aber auch auf Faktoren wie einen erhöhten Wärmeverlust, der im Außenbereich etwa durch die kältere Umgebungstemperatur und Wind entsteht. Dazu griff er auch auf die durchschnittlichen Außentemperaturen der letzten Jahre zurück - Zahlen, die über den Deutschen Wetterdienst einsehbar sind.

Ersparnis könnte bei 3,53 Kilowattstunden pro Besucher liegen

Über mehrere Berechnungsschritte kam Andreas Friedrich bei der Schließung des Außenbeckens auf ein Einsparpotenzial von 126.394,32 Kilowattstunden in einem Zeitraum von zwei Monaten. Dieser Zahl stellte er als Referenzwert den Jahresverbrauch eines typischen Priener 6-Familien-Hauses (Altbau, nicht gedämmt, Gasheizung; Anm. d. Red.) entgegen, der bei rund 80000 Kilowattstunden liegt. Dieser Verbrauch wiederum wurde auf die Wohneinheiten heruntergebrochen und der durchschnittlichen Besucherzahl in der letzten Dezemberwoche, im Januar sowie Februar (Vergleichsjahre 2018 und 2019) gegenübergestellt. Friedrichs Berechnung ergab letztlich ein Einsparpotenzial von 3,53 Kilowattstunden pro (Besucher-)Kopf, dem im Vergleich mit besagtem Mehrfamilienhaus ein Verbrauch von 556 Kilowattstunden pro Kopf entgegenstehe. 

Mit 13 zu acht Stimmen für den Weiterbetrieb

Auch wenn sicherlich nicht gesagt ist, dass jeder Anwesende dieser Berechnung folgen konnte oder dass diese überhaupt wissenschaftlichen Maßstäben gerecht wird - der Marktgemeinderat war verblüfft. Nach einer anschließenden Diskussion wurde der Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Abstimmung gestellt. Mit 13 zu 8 Stimmen entschied der Marktgemeinderat, das Außenbecken des Prienaveras weiterhin geoffnet zu lassen. 

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