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Im Gespräch mit Samuel Witt

Priens Feuerwehrkommandant zum Unwetter am 26. Juli: „Wir haben a Massl ghabt“

Feuerwehrkommandant Samuel Witt verfolgt die Wetterlage am Regenradar. Berger
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Feuerwehrkommandant Samuel Witt verfolgt die Wetterlage am Regenradar. Berger
  • Silvia Mischi
    VonSilvia Mischi
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Prien – Vom Montags-Unwetter ist Prien so gut wie verschont geblieben. Die Sturmzellen konzentrierten sich auf Rimsting, Bad Endorf und vor allem das Mangfalltal. Dennoch verzeichnet Priens Feuerwehrkommandant umgestürzte Bäume und herabfallende Äste. „Wir haben a Massl gehabt“, bilanziert er gegenüber der Chiemgau-Zeitung.

Wie war der gestrige Einsatz?

Samuel Witt: Man habe ab 23 Uhr sogar die Kollegen in Bad Endorf unterstützen können. Die Bahnunterführung an der Seestraße/Hallwangerstraße schon bekannt durch schwimmende Autos bei Starkregen, war dabei dieses mal brav. Nur kurzzeitig sammelte sich dort Wasser an. Seit der Bereich an den Kanal angeschlossen ist, ist die Flutgefahr hier entschärft.

Die Unwetterwarnungen und -meldungen ploppen aktuell jeden Tag auf den Handys auf. Wie verfolgt die Feuerwehr die Unwetterlage für Prien?

Witt: Wir verfolgen das Regenradar, haben die NINA-Warnapp und den Deutschen Wetterdienst wie jeder Bürger auch. Wir sind generell in Alarmbereitschaft und rüsten uns je nach Meldelage entsprechend auf und bereiten so gut es geht vor.

Wo sind Sorgenkinder bei Bäumen, Baustellen und Co. angesichts von Sturmböen?

Die Verbindungsstraße zwischen Prien und Rimsting war zuletzt immer wegen herabfallender Äste und umgestürzter Bäume ein Sorgenkind. Seit dem letzten schlimmen Sturm sind in den anderen Bereich nahezu alle gefährdeten Bäume bereits den Orkanböen zum Opfer gefallen. Der Bauhof hat hier alles gut im Griff und achtet auf die Standfestigkeit der Bäume.

Wie ist die Situation aktuell vor Ort?

Witt : Aktuell ist die Lage in der Marktgemeinde entspannt. Wir sind von dem jüngsten Unwetterereignis nahezu verschont gebleiben und die Wasserpegel sind zwar leicht erhöht, aber im grünen Bereich. Am 18. Juli hatten wir keine Einsätze. Die Prien hatte nur etwas erhöhtes Wasser mit 2,44 Metern gemessen in Prien im Vergleich zu 4,22 Metern im Jahr 2013.

Wie sind denn die Wasserstände von Prien, Reitbach, Chiemsee et cetera? Was sind deren Höchststände bis dato gewesen?

Witt: Derzeit, Stand gestern, hat die Prien in der Gemeinde einen Stand von 1,26 Metern. Das ist knapp drei Meter Meter unter dem Höchststand des massiven Hochwassers von 2013. Auch der Chiemsee ist aktuell leicht um 44 Zentimeter gegenüber dem Normalstand erhöht. Der Reitbach ist seit dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens gut entschärft. Wenn dieses aber bei extremen Ereignissen vollläuft, dann flutet es auch den Bach wieder.

Wo sind neuralgische Punkte in der Marktgemeinde und warum?

Witt : Der Reitbach, wenn es so Schlimm ist, dass das Rückhaltebecken nicht mehr greift. Und vor allem die Prienbrücke bei der Verbindungsstraße gen Rimsting. Hier hatten wir am 18. Juli und bedingt durch die massiven Warnungen drei Bagger in Bereitschaft, falls wir Gehölz und Co. herausfischen müssten. Zudem: Das Eichental ist Flutungszone bei Extremereignissen. Sollten so massive Unwetter-Ereignisse auftreten, dass das Wasser den Wall entlang des Weges zum Tennisplatz im Eichental überschwappt, dann werden Teile von Prien wie das Gries geflutet. Außerdem haben Starkregenereignisse wie das im vergangenen Jahr gezeigt, dass kleinere Bäche mehr und mehr zu Sorgenkindern mutieren. So gesehen ist 2020 der Stettner Bach in Atzing. Für dieses Problem lässt die Gemeinde gerade ein Hochwassergutachten erstellen, was man gegen potenzielle Gefahren hier unternehmen kann. Dass es zu Straßenbächen auf Gefällstrecken kommt, ist aber normal. Angesichts der wachsenden Bebauungen stoßen überdies Regenwasserkanäle schneller an ihre Grenzen.

Finden Kontrollfahrten durch die Kommune statt?

Witt : Ja, die gibt es. Diese absolvieren Tobi Kollmannsberger von der Gemeinde und ich im engen Austausch. Das ist eine super Zusammenarbeit und Abstimmung. Wir sind im Unwetterfall in engem telefonischen Kontakt. Denn Feuerwehr und Gemeinde können bei aller Vorbereitung immer nur auf das jeweilige Unwetter reagieren, denn es ist nie klar, wie, entlang welchem Gebietsstreifen und in welchem Ausmaß einem eine Wetterfront trifft.

Wie erfolgt die Alarmierung der Einsatzkräfte im Unwetterfall?

Witt: Dies ist je nach Situation unterschiedlich. Bei Großereignis werden sofort alle alarmiert. Baut sich langsam eine Situation auf, kann die Alarmierung auch gestaffelt erfolgen.

Gibt es noch Sirenen in Prien, die im Notfall einsatzbereit sind?

Witt: Nein. Die Feuerwehr Prien wird ausschließlich per Funkmelder alarmiert. Die Nachbargemeinden und -orte wie Rimsting, Greimharting und Atzing haben noch Sirenen. Ich gebe aber zu bedenken, dass angesichts der zahlreichen Warnungen auf dem Handy, der Bürger vielleicht gegenüber tatsächlichen drohender Gefahren abstumpft und diese dann nicht ernst genug nimmt.

Wie sollen sich Bürger am besten bei Schäden verhalten?

Witt: Bei Gefahr für Leib und leben natürlich melden. Ansonsten bitte die Relationen im Unwetterfall sehen. Zwei Zentimeter Wasser im Keller ist kein Fall für die Feuerwehr.

Stichwort Sandsäcke: Wann und wie werden diese im Falle eines Hochwassers ausgegeben?

Witt: Als Feuerwehr haben wir für unsere Einsätze mehrere Paletten Sandsäcke auf Vorrat. Wenn am Bauhof nachproduziert wird, dann können die Bürger auch bei uns welche abholen. Die Verteilung erfolgt strukturiert durch die Einsatzkräfte. Generell gilt aber, dass Bürger für den Ernstfall selbst vorsorgen sollten. Eigenverantwortung für das Eigenheim ist wichtig.

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