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STARKBIERFEST DER BLASKAPELLE

Prien: Fastenpredigt auf dem E-Scooter

Die Priener Ratschkath‘ln Birgitte Sperger (l.), ihre Schwester, die Gemeinderätin Rosi Hell (Mitte), und Johannes Dreikorn in der Rolle des Fastpredigers beim König-Ludwig-Saal.
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Die Priener Ratschkath‘ln Birgitte Sperger (l.), ihre Schwester, die Gemeinderätin Rosi Hell (Mitte), und Johannes Dreikorn in der Rolle des Fastpredigers beim König-Ludwig-Saal.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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Mehrere hundert Zuschauer verfolgten am Samstagabend das erste Online-Starkbierfest der Blaskapelle Prien. In die Rolle des Fastenpredigers war einmal mehr der Priener Partnerschaftsreferent Johannes Dreikorn geschlüpft. Unterstützt wurde er von den „Ratschkath’ln“ Rosi Hell und Brigitte Sperger.

Prien – „Seit dem zweiten Lockdown haben wir keine Präsenzproben mehr halten können, deshalb danke ich für die Idee des Online-Festes“, sagte Musik-Vorstand Stefan Hackenberg. Die Idee stammte vom Fastenprediger selbst.

Von Rom kommend am Bahnhof ausgestiegen

So angriffslustig wie in den vergangenen Jahren vor der Corona-Pandemie war er dieses Mal nicht. Er suchte nicht persönliche Schwächen, sondern machte sich – nachdem er „von Rom kommend“ dem Zug am Priener Bahnhof entstiegen war – auf den Weg durch Prien.

Beim ersten Priener E-Scooter-Verleih machte er sich mobil und schon auf dem Weg zum König-Ludwig-Saal musste er Verkehrsbeschränkungen an der Seestraße wegen der Chiemsee-Bahn-Gleis-Querungen in Kauf nehmen. „Einerseits wollen die Priener einen Transrapid für Radfahrer, andererseits wird einem beim Heimfahren die vom Regerl Peter geholte Milch sauer, wenn man nur ganz langsam fahren darf“, lautete prompt der Kommentar.

Umbau vom „Griechischen Tempel“ lässt auf sich warten

Beim König-Ludwig-Saal angekommen musste er feststellen, dass die eigentlich für Mai 2020 geplante Fertigstellung des Umbaus vom vormaligen Großen Kursaal auf sich warten lässt. Er traf dort die putzenden Ratschkathln Rosi Hell und Brigitte Sperger an. Zu denen meinte er, dass der „Griechische Tempel“ voraussichtlich zum Starkbierfest 2024 fertig wird. Die Frauen antworteten: „Wenigstens wird es hier nicht so ein Hühnerverschlag wie im Alten Rathaus“.

„Beim Lechnerhaus ist Hopfen und Malz verloren!“

Unverrichteter Dinge machte sich der Fastenprediger weiter auf den Weg, der ihn ins brücken- und kostenreiche Eichental und zum Lechnerhaus führte. Dort warteten die Putzfrauen erneut auf ihren Chef, doch dieser entließ sie gleich wieder von dieser Putzstelle: „Hier ist Hopfen und Malz verloren, das ist ein Schandfleck und wird es bleiben, außer man reißt das Haus ab und baut es wieder auf.“

Dazu der Vorschlag der Ratschkath’ln: „Das wäre was für ein Haus der Musik und Vereine, dann kommen Musikschule und Blaskapelle aus ihren engen Räumen, die Jugendblaskapelle könnte sich entfalten und für das Bauerntheater wäre es auch prima, wenn es nicht mehr mit der PriMa (Prien Marketing GmbH, Anm. d. Red.) wegen der Saalbelegungen verhandeln müsste.“

Corona durchkreuzte die Pläne von der Seemeile und der Beachbar

„Was wird wohl aus den exzellenten Vorschlägen der PrienPartner und der CSU?“ Mit dieser Frage erinnerte Bruder Johannes an die für die Landesausstellung auf Herrenchiemsee von PrienPartner-Vorsitzenden Dr. Herbert Reuther vorgeschlagene Seemeile mit Priener Platzerl sowie an die von Annette Resch (CSU) überlegte Beachbar unter Palmen. Dazu der Festredner: „Alles schön und gut, alles wäre klimaneutral und schnell erreichbar, aber wir haben keine Landesausstellung mehr und dafür Corona“.

Bürgermeister Andreas Friedrich zapft mit drei Schlägen an

Andreas Friedrich hatte zu Beginn mit Bräu Maximilian Sailer vom Hofbräuhaus Traunstein mit drei Schlägen das Bier angezapft. Dann machte das Gemeinde-Oberhaupt noch Gebrauch von den Abhol-Möglichkeiten bei den Priener Geschäftsleute.

Die Priener Ratschkath’ln waren es, die den neu gewählten Bürgermeister zur Priener Hutmacherin Monika Voggenauer schickten, denn es schicke sich nicht, wenn der Bürgermeister mit ohne Hut sei – wie zuletzt bei der König-Ludwig-Feier in Stock. „Überredet, angemeldet, Hut probiert und gepasst“, so der nunmehr gut behütete Bürgermeister.

Der Erlös kommt der Nachwuchsarbeit der Kapelle zugute

Johannes Dreikorn und Stefan Hackenberg resümierten nach dem Starkbierfest, dass der Aufwand größer gewesen sei, als gedacht. „Aber es hat sich gelohnt, 200 Leute konnten mit passenden Brotzeit- und Getränke-Ausstattungen versorgt werden und der Erlös dank einiger Sponsoren vom heutigen Abend kommt unserer Nachwuchsarbeit und den derzeitigen Distanzproben zugute.“

Nachdenkliches zur Corona-Krise

Auf das Thema Corona ging Bruder Johannes alias Johannes Dreikorn behutsam ein und schlug nachdenkliche Töne an. Bei der Aufzählung der von ihm beobachteten Nebenwirkungen nannte er unter anderem den Handschlag, der durch eine Ellbogen-Gesellschaft ersetzt worden sei. Weiters meinte er: „Stammtische gibt es auch keine mehr, man trifft sich hauptsächlich noch im Wertstoffhof und so wächst die Zahl der Verschwörungstheoretiker“.

Lieber in den Brauereikeller als in die „Impftalhalle“

Die nächste Erfahrung sei, dass es für die Priener besser wäre, ins Impfzentrum im Wieningerkeller zu gehen, als in die „Impftalhalle“ nach Rosenheim. Vorbereitet zur Impfung wurden die Priener Blasmusikanten von Schauspieler Uli Bauer. Als Bürgermeister Moosbauer von Oberstraßkirchen hatte er nach vielen Selbstversuchen in seinem Partykeller eine im wahrsten Sinne umwerfende Entdeckung gemacht. Unmittelbar nach der „Schluck-Impfung“ wurde den Geimpften der Ausweis in Bierdeckelform ausgehändigt.

Reaktionen nach der Online-Sendung bis aus Frankreich

Bürgermeister Andres Friedrich sagte: „Hut ab vor Bruder Johannes, vor der Blaskapelle und allen Beteiligten. Das war in diesen Zeiten einmal ein ganz anderer, ein schöner Abend“.

Zu den Wunden, in die Bruder Johannes seine Finger legte, sagte er: „Es wird wohl nicht bis 2024 dauern, bis der König-Ludwig-Saal wieder geöffnet wird, nach aktuellem Stand können wir hoffen, dass bereits im Mai mit dem Chiemgau-Orchester eine erste Veranstaltung stattfinden wird“.

Auch Priens Pfarrer Klaus Hofstetter, der sich – mit genügendem Abstand – das Starkbier-Ereignis zusammen mit dem Bürgermeister anschaute, resümierte dankbar: „Echt pfundig, ein scheena Aufnacht und wegen der Leviten hat der Bürgermeister keinen Seelsorger gebraucht, denn der Prediger war behutsam und doch tiefsinnig“.

Zuschauer bis aus Hessen und Frankreich

Eine weitere Rückmeldung nach Ende des Festes kam aus Kirchheim bei München. Josef Hornburger, seit Jahren ein Förderer und Freund der Priener Blaskapelle meldete sich mit: „Gratulation, Respekt und Danke für die Alltags-Abwechslung“. Sogar in Hessen im befreundeten Hasselbach im Hochtaunus wurde das virtuelle Starkbierfest genossen. Stefan Mühle meldete sich von dort: „Das war gescheit bayerisch und was für´s Herz und Gemüt. Danke und Gruß nach Bayern und Prien“.

Alyne Cardon aus Graulhet schrieb noch in der Nacht: „Was für eine Freude, wieder in der Atmosphäre von Prien zu sein! Bis bald zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft!“

Auf der Internetseite blaskapelle-prien.de ist der Link zur Fastenpredigt online, sie kann weiterhin angesehen werden.

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