Prien: Drei Rehe binnen vier Wochen getötet - In Zäune gehetztes Wild qualvoll verendet

Eines der drei gerissenen Reheam Herrnberg. Die Jäger schlagen Alarm. Wildernde Hunde werden dahinter vermutet. re
  • Silvia Mischi
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Es geht wieder los: Vermutlich freilaufende Hunde haben Rehe am Herrnberg sowie im Bereich der evangelischen Kirche in den Tod gehetzt. Nachdem im Herbst bereits mehrere Tiere auf diese qualvolle Weise verendet waren, fanden Jäger erneut binnen vier Wochen drei gerissene Rehe.

Prien – „Eine Geiß trug sogar Zwillinge“, weiß Waldbegeher Max Messerer über die Vorfälle. Er appelliert zusammen mit Jäger Peter Fischer eindringlich an die Hundebesitzer, die gerade zum Frühling und in Zeiten von Corona vermehrt Gassi gehen: „Leint euren Hund an. Verhindert, dass er Wildtiere hetzt und reißt. Und wenn doch ein derartiger Unfall geschieht, ruft wenigsten an und lasst das Tier nicht leiden.“ Hintergrund: Ein Reh hatte sich wohl auf der Flucht in einem Zaun verhangen und verendete – gefangen darin.

Jäger vermuten wildernden Hund

Bereits morgens um 6 Uhr sind nach Beobachtungen von Jäger Peter Fischer senior die ersten Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern am Herrnberg unterwegs. „Das Wild hat wesentlich weniger Ruhe als früher“, so der Fachmann. Er vermutet, dass ein Hund über den Zaun springt, sich von Zuhause davon stiehlt und wildert. „Sonst wäre die Häufung der Vorfälle nicht zu verstehen“, so Fischer.

Dabei sei derzeit noch Schonzeit und die meisten Rehe hochtragend. „Die ersten Kitze werden im Mai gesetzt. Eine tragende Geiß kann nicht mehr so schnell  flüchten und wird dann ein leichtes Opfer.“ Abgesehen vom Schaden, der Arbeit mit Zufüttern im Winter und Hege der Jäger sei es schlimm, „wenn ein neugeborenes Kitz jämmerlich verenden muss, weil seine Mutter nicht mehr zurückkommt“. Das Jungtier zu finden sei oftmals gar nicht möglich – „auch wenn wir alles versuchen“, erklärt Fischer.

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Sollte der Jäger einen Hund bei der Wilderei auf frischer Jagd erwischen, dann gilt laut bayerischem Jagdgesetz: Der Jagdschutzberechtigte ist befugt wildernde Katzen und Hunde abzuschießen. Als wildernd gelten im Zweifel Hunde, die im Jagdrevier außerhalb der Einwirkung ihrer Aufsichtsperson erkennbar dem Wild nachstellen und dieses gefährden können. Als wildernd gelten im Zweifel auch Katzen, die im Jagdrevier in einer Entfernung von mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude angetroffen werden oder sich in Fallen gefangen haben, die in einer Entfernung von mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude aufgestellt worden sind, heißt es weiter.

Kommt jetzt eine Leinenpflicht für den Herrenberg?

Ausnahmen: Jagd-, Dienst-, Blinden- und Hirtenhunden – soweit sie als solche kenntlich sind und solange sie von der führenden Person zu ihrem Dienst verwendet werden oder sich aus Anlass des Dienstes ihrer Einwirkung entzogen haben sowie gegenüber in Fallen gefangenen Katzen, deren Besitzer eindeutig und für den Jagdschutzberechtigten in zumutbarer Weise festgestellt werden können. Wer einen Hund im Jagdrevier unbeaufsichtigt laufen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Fischer will bei weiteren Vorfällen noch einen Schritt weitergehen und gegebenenfalls im Gemeinderat eine Leinenpflicht für den Bereich am Herrnberg beantragen. „Jeder ist jetzt gefordert, die Augen offenzuhalten und aufzupassen“, appellieren Fischer und Messerer gemeinsam an alle Hundehalter.

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Der Gehorsam der Tiere sei eine Grundvoraussetzung für ein gutes Miteinander zwischen Spaziergängern und Jägern. Denn freilaufende, unkontrollierte Hunde seien oftmals im Wald und auf Wiesen unterwegs. Ohne Einwirkungsmöglichkeit von Frauchen oder Herrchen stöbern sie Wild auf, hetzen diese Tiere oder reißen sie im Extremfall, so der Jäger. Auch Spaziergänger würden belästigt oder verängstigt, wissen sie ja nicht, wie der Hund, der auf sie zukommt, reagiert.

Gehorsam wichtig für das Miteinander

Nicht ohne Grund hat die Marktgemeinde Prien 2010 eine Anleinpflicht erlassen. Demnach müssen Hundehalter ihre Vierbeiner immer an die Leine nehmen, wenn diese über 50 Zentimeter Schulterhöhe messen und Gassi geführt werden. Das gilt für den Innenbereich des Ortes. An den Zugängen zu den öffentlichen Grünanlagen wie Wendelsteinpark, Eichental, kleiner Kurpark und der Strandpromenade an den Schären sind Schilder mit der Aufschrift „Hunde bitte anleinen“ montiert.

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